Rezension

Matt Thorne: Prince – Die Biografie / Prince: Purple Rain Deluxe Edition

Am 21.April 2016 starb einer der einflussreichsten und bedeutendsten Musiker unserer Zeit. Pünktlich zum ersten Todestag von Prince erschien am 28.04.2017 die deutsche Übersetzung der Biografie von Matt Thorne aus dem Jahre 2012, die vom Autor jetzt um ein postumes Kapitel erweitert wurde. In meinem Beitrag versuche ich zu erklären, für wen sich der Kauf lohnt und werfe einen Blick auf die kürzlich veröffentlichte Neuauflage seines wohl erfolgreichsten Albums Purple Rain.

Die Biografie

Jedem, der sich ein bisschen mit dem Leben und Werk von Prince beschäftigt hat, dürfte klar sein, dass es für einen Journalisten fast unmöglich war, etwas über den Menschen Prince zu erfahren. Er gab fast nie Interviews und in den seltenen Gesprächen, die tatsächlich stattfanden, hat er oft bewusst falsche und irreführende Antworten gegeben. Aus seiner Verachtung gegenüber der schreibenden Zunft hat er –zumindest zu Beginn seiner Karriere- keinen Hehl gemacht, er war der Meinung, dass der einzige Mensch der ihn verstehen konnte, er selber sei.

Umso erstaunlicher, dass es dem Journalisten, Kritiker und Autoren Matt Thorne über viele Jahre, in denen er über die Musik von Prince geschrieben hat, gelungen ist, trotzdem einen Zugang zu dieser schwierigen Persönlichkeit zu finden. Diese erschließt sich allerdings im Wesentlichen über sein gewaltiges musikalisches Werk. Continue Reading

Top Ten Thursday

Meine bisherigen Bücherhighlights aus 2017 – 10 Lesetipps

Und schon ist die erste Jahreshälfte 2017 vorbei. Zeit einen ersten kurzen Blick zurück auf die gelesenen Bücher zu werfen. Es waren wieder viele interessante Titel dabei. Zu allen habe ich (bisher) keine Rezensionen geschrieben, daher stelle ich die Bücher hier anhand der Inhaltsbeschreibungen der jeweiligen Verlage und ein paar Worten meinerseits vor. Rezensionen verlinke ich entsprechend. Viel Spaß beim Stöbern, lasst mir gerne eure Empfehlungen oder Links zu eigenen Rückblicken da. Continue Reading

Rezension

Fatma Aydemir – Ellbogen

„Elma wirkt immer wie die Stärkere, dabei ist es in Wahrheit ganz anders. Ihr Herz ist total anfällig, man kann es so leicht brechen. Wegen der Ellbogen, die uns das Leben reingerammt hat, immer wieder, und immer noch. Überall nur Ellbogen von denen, die stärker sind als wir.“ (Seite 165*)

Integration, Migrationshintergrund und die aktuelle politische Lage in der Türkei, das sind die Schlagworte, die mir beim Lesen des Klappentextes zu diesem Roman in den Sinn gekommen sind. Anhand des Schicksals der jungen Deutschtürkin Hazal schafft es Fatma Aydemir diese Punkte zu thematisieren ohne sie explizit anzusprechen. Continue Reading

On the road

Die LitBlogConvention 2017

Am Samstag, den 10.06.2017, war es endlich soweit: Nach dem erfolgreichen Debut in 2016 gab es endlich die zweite Auflage der Bloggerkonferenz für Buch- und Literaturblogger. Zu den veranstaltenden Kölner Verlagen Kiepenheuer & Witsch, DuMont Kalenderverlag, Bastei Lübbe und Community Editions gesellte sich dieses Jahr noch der Schweizer Diogenes Verlag hinzu. Zwischen 11.00 und 17.00 Uhr gab es in fünf Räumen des Bastei-Lübbe-Verlages wieder ein buntes Programm unterschiedlichster Veranstaltungen. Erfreulicherweise haben sich die Veranstalter die Verbesserungsvorschläge der Teilnehmer aus dem letzten Jahr zu Herzen genommen und diesmal auch mehr Panels zum Thema Social Media / Influencer angeboten. Die zusätzlich eingeplante Mittagspause und ein zeitlicher Puffer zwischen den Veranstaltungen haben den Tag etwas entzerrt, das hat doch sehr zur entspannten Atmospähre beigetragen.

Bei dieser Veranstaltungsform ist es leider unmöglich alle Vorträge / Workshops zu besuchen, daher musste man sich für seine Favoriten früh genug entscheiden. Glücklicherweise war ich rechtzeitig da, so war noch genug Zeit für kurze Gespräche mit Verlagsmitarbeitern und netten Bloggerkolleginnen.

Das Foyer des Bastei-Lübbe-Verlages füllt sich langsam. Dieses Jahr mit dabei: Der Foto-Bulli und eine Twitter-Wall

Ohne Frauen läuft in der Buchbranche nichts! Danke an das tolle Orga-Team, hier ein kleiner Ausschnitt.

Nach einer kurzen Einführung und Vorstellung ging es dann auch direkt in die Workshops beziehungsweise Vorträge. Meine erste Wahl fiel auf den faszinierenden Künstler Tomi Ungerer: Continue Reading

Rezension

Patricia Highsmith – Leute, die an die Tür klopfen

In dem Roman aus dem Jahre 1983 zeigt uns Patricia Highsmith wohin religiöser Fanatismus führen kann und zeichnet ein Portrait des Lebens in der amerikanischen Provinz, das im Rahmen der Berichterstattung zu den Wählern Donald Trumps erschreckend aktuell erscheint.

Inhalt

Der siebzehnjährige Arthur Alderman lebt mit seinen Eltern und seinem zwei Jahre jüngeren Bruder in einer amerikanischen Kleinstadt. Der Vater arbeitet als Versicherungsagent, die Mutter gibt die perfekte Hausfrau – eine typische amerikanische Durchschnittsfamilie. Eines Tages erkrankt Arthurs jüngerer Bruder Robbie schwer und er wird ins Krankenhaus eingeliefert, wo die Ärzte den besorgten Eltern nicht viel Hoffnung machen. Als Robbie dann doch wieder gesund wird, glaubt Arthurs Vater an ein Wunder. Er verfällt in eine Art religösen Wahn und steckt fortan alle Energie in die Arbeit in einer christliche Sekte.

„Und so ging dieser Sonntag in Arthurs Gedächtnis als der Tag ein, an dem sein Vater Gott fand – an dem er ‚wiedergeboren wurde‘, wie sein Vater ausdrückte.“ (Seite 37)

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Was liest du?

Tobi vom wunderschönen Blog Lesestunden ist auf der dringenden Suche nach Lesetipps und hat daher einen umfangreichen Fragebogen zusammengestellt, die alle Interessierten beantworten können. Bisher ist schon eine schöne Anzahl an Tipps zusammengekommen. Wer Lust hat mitzumachen, schreibt einen eigenen Blogbeitrag oder antwortet direkt in den Kommentaren bei Tobis Beitrag. Vielleicht kann ja der eine oder andere Leser dort noch ein paar interessante Tipps mitnehmen, ich bin schon wieder fündig geworden 😉

Und hier kommen die Fragen:

Ok, es geht ganz einfach los. Was ist dein absolutes Lieblingsbuch?

Eine schwierige Frage, vermutlich „Der Name der Rose“ von Umberto Eco

Okay: Welche fünf Bücher sind deine absoluten Lieblingsbücher?

Neben dem oben genannten:

  • Charles Dickens: Bleak House
  • Michael Ende: Die unendliche Geschichte
  • J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe
  • Stephen King: Es
  • Patricia Highsmith: Der talentierte Mr. Ripley

 

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Rezension

Marlon James – Eine kurze Geschichte von sieben Morden

„Fürs Töten braucht man nicht unbedingt einen Grund. Wir sind hier im Getto. Reiche Leute haben Gründe. Wir haben den Wahnsinn.“ (Seite 26)

Als Leser sollte man sich vom Titel des Romans nicht in die Irre leiten lassen. Das 2015 mit dem englischen Man Booker Prize ausgezeichnete Werk von Marlon James ist weder kurz, noch sind es „nur“ sieben Morde, die in dem Roman geschildert werden. Auf 864 Seiten gibt uns der Autor einen Einblick in die dramatische Geschichte des Inselstaats Jamaika.

Geschichtlicher Hintergrund

Um die Ereignisse schon am Anfang des Romans richtig einordnen zu können ist es hilfreich ein paar Fakten über die Geschichte Jamaikas zu kennen: Die Insel war bis 1962 eine britische Kolonie. Nach der Unabhängigkeit übernahm die konservative „Jamaican Labor Party“ (JLP) die Regierungsgeschäfte, führte das Land aber aufgrund von Misswirtschaft in eine wirtschaftliche Abwärtsspirale. Korruption greift in großen Teilen der Politik um sich, es herrscht eine ständig steigende Arbeitslosigkeit und insbesondere in der Hauptstadt Kingston nimmt die Verelendung immer größere Ausmaße an. Die Straßen in den riesigen Gettos der Insel werden von rivalisierenden Gangs beherrscht, die in ihren Gebieten mit brutaler Gewalt gegen ihre Gegner vorgehen. Täglich kommt es zu Todesopfern bei diesen Bandenkriegen. Dabei werden sie von den verschiedenen politischen Gruppierungen unterstützt.

„So etwas wie Frieden gibt es im Getto nicht. Es gibt nur diese Tatsache: Ich kann dich töten, du kannst mich töten, also herrscht Gleichstand“ (Seite 527)

Ab 1968 wird die Not in der Bevölkerung so groß, dass es zu Demonstrationen und gewaltsamen Unruhen kommt. Zu dieser Zeit entwickelt sich auch der Reggae und sein bekanntester Vertreter Bob Marley wurde auch international sehr populär.

Als politischer Gegenpol zur JLP organisierte sich die „People’s National Party“ (PNP) und gewinnt 1972 die Wahlen. Die vom Parteiführer Michael Manley verfolgte Politik des demokratischen Sozialismus nach kubanischem Vorbild ist den USA jedoch ein Dorn im Auge. Neben Fidel Castro auf Kuba möchte man keinen weiteren kommunistischen Führer auf Jamaika haben. Continue Reading

On the road, Rezension

Torsten Woywod – In 60 Buchhandlungen durch Europa (Buch und Lesung)

„Buchhandlungen machen jede Stadt ein bisschen schöner und jeden Tag ein bisschen besser.“ (Seite 6)

„Don’t dream it. Do it!“ ist ein vielbenutztes Bonmot, doch die wenigsten Menschen leben nach dieser Maxime. Ganz anders hat es Torsten Woywod, leidenschaftlicher Buchhändler aus Aachen, gemacht. Schon lange träumte er davon, einmal eine Reise zu den schönsten Buchhandlungen in Europa zu unternehmen. Als dann einige Reiseführer-Verlage von seinem Traum hörten und drei davon ihn mit einem Interrailticket unterstützten hat er nicht lange überlegt und ist nach einer sehr kurzen Vorbereitungszeit aufgebrochen um in 28 Tagen 12 Länder und 62 Buchhandlungen zu besuchen. Von dieser Reise berichtet sein Buch „In 60 Buchhandlungen durch Europa“. Continue Reading