On the road

Leipziger Buchmesse 2017 – Ein Bericht – Teil 1

Dieses Jahr habe ich mir die vollen vier Tage Buchmesse als Programm vorgenommen. Hier kommt Teil 1 meines Berichts.

Im Vorfeld der Messe habe ich mich intensiv mit dem Veranstaltungsprogramm „Leipzig liest“, das auf der Messe und an ganz vielen Lesungsorten in der Stadt stattfindet, beschäftigt. Bei weit über 3000 Veranstaltungen eine sehr zeitintensive Aufgabe, allerdings wird durch die hohe Anzahl an Veranstaltungen für fast jeden Buchgeschmack etwas geboten.

Natürlich sind einige Programmpunkte beliebter als andere, das habe ich direkt bei der ersten Veranstaltung, die ich mir ausgesucht hatte gemerkt. Zum taz-Gespräch mit Ronja von Rönne und Margarete Stokowski hatten sich bereits sehr viele Interessierte eingefunden, der Stand der taz war schon ziemlich überlaufen. Kurzentschlossen habe ich mich dann stattdessen auf den Weg zum ARD-Forum gemacht, wo Denis Scheck, wie immer auf der Buchmesse, seine Buch-Highlights in „Best of Druckfrisch“ präsentierte.

Denis Scheck, hier mit seiner Empfehlung zu „Kompass“ von Mathias Enard, der auch für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert ist.

Gewohnt kurzweilig präsentierte Denis Scheck seine Empfehlungen der aktuellen Saison und auch einige Highlights aus seinem „Doofel-Regal“, Bücher, die er im Rahmen der regelmäßigen Lektüre der Spiegel-Bestsellerliste lesen musste und die nicht zu seinen Lieblingen gehören. Darunter auch ein älteres Werk von Donald Trump „Wie man reich wird“ in dem er rät „Überlegen sie es sich gut, wenn sie eine neue Laufbahn einschlagen wollen!“ – hätte er doch auf seinen eigenen Rat gehört. Abraten kann Scheck auch von „Ratgebern“, die die Unmöglichkeit ihres Inhalts bereits im Titel tragen wie beispielsweise „Schlank im Schlaf“ oder „Jedes Kind ist hochbegabt“. Er fühlt sich dann immer animiert auch ein solches Buch zu schreiben, Arbeitstitel: „Nüchtern durch mehr Saufen“. Empfehlungen gab es unter anderem zu „Kompass“ von Mathias Enard, einen Lyrik-Band des für seinen Roman „2066“ bekannten Autors Roberto Bolano: „Die romantischen Hunde“ (Hanser Literaturverlage) und einen neuen Band von F.W. Bernstein „Frische Gedichte“ (Verlag Antja Kunstmann). Auch zu Hanya Yanagihara und ihren Roman „Ein wenig Leben“ (Hanser Literaturverlage) hat er eine klare Meinung: Für ihn ein starkes Stück Literatur, die kritische Meinung von Sigrid Löffler kann er nicht nachvollziehen. Ebenso gab es eine klare Empfehlung zur Romanreihe von Elena Ferrante (suhrkamp). Seiner Meinung nach „Weltliteratur“ im Gegensatz zur Einordnung einiger Kritiker als „Unterhaltungsromane“.

Anschließend war Zeit, um in Ruhe durch die Hallen zu gehen und weitere Eindrücke aufzunehmen. Hier ein paas Impressionen:

Dann ein interessantes Gespräch am Stand der FAZ. Kaum ein Schriftsteller hat die Werke moderner Autoren, gerade im Bereich der Kriminal- und Phantastikliteratur, stärker beeinflusst als das Werk des 1809 in Boston geborenen Edgar Allan Poe. Dabei wären seine Werke beinahe in Vergessenheit geraten, da er in seinem Heimatland anfangs nicht verstanden und fast ausschließlich schlecht von der Kritik besprochen wurde. Dass Poe dann doch nicht vergessen wurde und er dann, gerade auch in Europa, viele Leser fand, geht zu einem großen Teil auf die unermüdliche Arbeit des französischen Schriftstellers Charles Baudelaire zurück, der in Poe einen Geistesverwandten sah und ihn für das schätzte, was er vermutlich war: der Wegbereiter der literarischen Moderne. Bereits 1845 und 1848 übersetzte Baudelaire einzelne Erzählungen ins Französische und  1856 wurde ein erster Band mit Übersetzungen veröffentlicht, in denen Baudelaire die Erzählungen auch kommentierte. Es folgten vier weitere weitere Bände, mit den Baudelaire den amerikanischen Schriftsteller nach Europa brachte.

An diesen Bänden orientiert sich die neue Ausgabe des dtv-Verlags, die Andreas Nohl jetzt neu übersetzt hat und von der der erste Band kürzlich erschienen ist. Die weiteren Bände folgen in den nächsten Jahren. Am Stand der FAZ sprach Andreas Nohl über seine Arbeit und das Werk von Edgar Allan Poe. Wie wichtig das Werk Poes für Baudelaire war kann man auch an den Einnahmen aus einer Übersetzung sehen. Zwei Dritel des Einkommens von Charles Baudelaire gehen auf seine Übersetzertätigkeiten zu Poe zurück, gleichzeitig hat sein Werk auch das Schreiben des Franzosen stark beeinflusst. Warum jetzt eine Neuüberstzung ins Deutsche? Den meisten deutschen Lesern wird Poe durch die Übersetzungen von Arno Schmidt und Hans Wollschläger aus den 1960er-Jahren bekannt sein, die Andreas Nohl auch sehr schätzt. Allerdings klingt für Nohl in dieser Übersetzung Poe nicht wie ein moderner Schriftsteller, wie er das im Original tut, vielmehr wird nach seiner Meinung Poes Sprache künstlich „barockisiert“, was ihn eher wie einen Schriftsteller des 17. oder 18. Jahrhunderts klingen lässt. Daher, so Nohl: „Wer gerne Arno Schmidt liest, wird an der Übersetzung seine Freude haben, wer Poe lesen möchte, eher nicht.“

Gegen ein künstliches „barockisieren“ von Edgar Allan Poe – Andreas Nohl (rechts) über seine Neuübersetzung von Edgar Allan Poe.

Nach einem kurzen Abstecher in die Bloggerlounge geht es dann auch schon weiter zur nächsten interessanten Lesung. Diesmal war ich rechtzeitig am Stand der taz, wo Fatma Aydemir, Autorin und Redakteurin bei der taz ihren Roman „Ellbogen“ vorstellte.

Fatma Aydemir (links) im Gespräch über ihren Debut-Roman „Ellbogen“

Aus der Inhaltsbeschreibung zum Roman von der Internetseite des Hanser-Verlags: „Sie ist siebzehn. Sie ist in Berlin geboren. Sie heißt Hazal Akgündüz. Eigentlich könnte aus ihr eine gewöhnliche Erwachsene werden. Nur dass ihre aus der Türkei eingewanderten Eltern sich in Deutschland fremd fühlen. Und dass Hazal auf ihrer Suche nach Heimat fatale Fehler begeht. Erst ist es nur ein geklauter Lippenstift. Dann stumpfe Gewalt. Als die Polizei hinter ihr her ist, flieht Hazal nach Istanbul, wo sie noch nie zuvor war. Warmherzig und wild erzählt Fatma Aydemir von den vielen Menschen, die zwischen den Kulturen und Nationen leben, und von ihrer Suche nach einem Platz in der Welt. Man will Hazal helfen, man will mit ihr durch die Nacht rennen, man will wissen, wie es mit ihr und mit uns allen weitergeht.“

Mit ihrer Protagonistin Hazal gibt uns die Autorin einen Einblick in das Leben einer jungen deutsch-türkischen Frau, die sich deutlich von den gängigen Klischees, die zu dieser Gruppe existieren, unterscheidet. Fatma Aydemir betont jedoch, dass der Roman keine autobiographischen Züge trägt. Ein vielversprechender Roman, der vielleicht dazu beiträgt, das Leben türkischer Familien in Deutschland besser zu verstehen.

Zum Abschluss des Tages gab es dann noch einen Abstecher zur Lyrik. Alle, die glauben, damit nichts anfangen zu können, sei die wunderbare Nora Gomringer empfohlen, bei ihrem Programm muss man aber wohl eher von „Performance“ statt von „Lesung“ reden. Mit ihrem Gedichtband „Moden“ schließt sie ihre „Trilogie der Oberflächen und Unsichtbarkeiten“ ab. Das Buch ist jetzt beim Verlag Volland & Quist erschienen. Der Band enthält nicht nur wunderbare Gedichte von Nora Gomringer, sonder auch gelungene Illustrationen von Reimar Limmer.

Nora Gomringer und ihre Gedichte über „Moden“

Nicht unerwähnt bleiben dürfen natürlich die Preisträger des Preises der Leipziger Buchmesse. Die offizielle Preisverleihung war wohl der offizielle Höhepunkt des ersten Messetages. Das sind die Siegertitel:

Belletristik: Natascha Wodin – Sie kam aus Mariupol (Rowohlt)
Sachbuch/Essayistik: Barbara Stollberg-Rilinger: Maria Theresia – Die Kaiserin ihrer Zeit (C.H. Beck)
Übersetzung: Eva Lüdi Kong – Die Reise in den Westen (Reclam)

Einen Bericht zu den Preisträgerinnen Der Preis der Leipziger Buchmesse ist weiblich gibt es auf dem Blog von Mara Giese buzzaldrins.de , die für ihren Blog exclusiv vom „Blauen Sofa“ (eine Gemeinschaftsproduktion von Bertelsmann, Deutschlandradio Kultur und dem ZDF auf den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig) berichtet.

Hier noch ein paar Eindrücke vom ersten Messetag:

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Monatsrückblick

Monatsrückblick Februar 2017

Was war los im Februar 2017? Hier mein Rückblick auf gelesene Bücher sowie interessante Fundstücke aus dem Netz und den Literaturblogs.

Meine gelesenen Bücher im Februar:

Marjorie Liu / Sana Takeda: Monstress – Band 1: Das Erwachen
Georges Simenon: Maigret hat Angst
T.C. Boyle: Die Terranauten
Torsten Woywod: In 60 Buchhandlungen durch Europa

Mein Ausflug in den Comic-Bereich hat mich im Februar zu Monstress geführt. Eine epische Fantasy-Geschichte in der ein junges Mädchen zwischen die Fronten in einem Krieg zwischen magischen Kreaturen und einem mächtigen Orden von Zauberinnen gerät. Die Titelheldin Maika trägt ein dunkles Geheimnis mit sich, dass ihre Welt verändern könnte. Wunderschön gezeichnet mit vielen Jugendstil- und Steampunk-Elementen und Anleihen bei H.P. Lovecraft. Der Hintergrund der Geschichte ist erst ein bisschen verwirrend, insgesamt aber ein empfehlenswerter Comic. Leseprobe und Infos gibt es auf der Seite des Cross-Cult-Verlages.

Auch die Simenon-Lektüre ging im Februar mit Maigret hat Angst weiter. Eigentlich wollte Maigret auf dem Rückweg von einem Kriminalisten-Kongress nur einen alten Studienfreund besuchen, doch in dem kleinen Ort sind kürzlich einige Morde geschehen und für die Bevölkerung steht fest: Die Schuldigen müssen unter den aristokratischen Familien der Stadt zu finden sein.

Mein Highlight im Februar war Die Terranauten von T.C. Boyle. Auch wenn die Satire in diesem Buch etwas kurz kam und der Roman vielleicht etwas zu lang geraten ist – ich habe mich prächtig unterhalten gefühlt. Meine Besprechung zum Roman und zur Lesung am 20.02.2017 in Köln findet ihr hier.

Ganz besonders habe ich mich im Februar auf die Lesung von Torsten Woywod gefreut, der sein Buch In 60 Buchhandlungen durch Europa in Düsseldorf vorstellte. Ein kurzweiliger Reisebericht, der aus der spontanten Idee entstanden ist innerhalb weniger Wochen eine Reise zu den schönsten Buchhandlungen in Europa zu unternehmen. Rezension und Lesungsbericht folgt kurzfristig hier auf dem Blog.

T.C. Boyle signiert fleißig Bücher nach der Lesung in Köln

 

Buchhändler Torsten Woywod (rechts) konnte neben dem Lesungsteil auch viele schöne Fotos von tollen Buchhandlungen präsentieren.

Aktuelle Lektüre

Von meiner Lieblingsschriftstellerin, Patricia Highsmith, habe ich mir noch einige Bücher aufbewahrt. Aktuell lese ich eines ihrer späteren Werke Leute, die an die Tür klopfen.  Hier mal der Klappentext von der Seite des diogenes-Verlages: „Als seine Gebete erhört werden und sein jüngerer Sohn eine schwere Krankheit übersteht, wird Versicherungsagent Alderman plötzlich ›erleuchtet‹ und tritt einer christlichen Sekte bei. Er beginnt, die Familie mit Moralpredigten, Kirchenbesuchen und Gebeten zu quälen. Als die Freundin seines siebzehnjährigen Sohnes Arthur schwanger wird, kommt es zur Konfrontation.“ Die religiösen Sekten in Amerika werden anhand der Familie Aldermann kritisch dargestellt, nach derzeit gelesenen 200 Seiten warte ich aber noch auf die Spannungselemente. Mal schauen, wie sich das entwickelt.

Funstücke aus dem Netz

Die Leipziger Buchmesse steht vor der Tür, bei vielen Buchbegeisterten herrscht große Vorfreude. Tricks und Tipps zum Überleben auf der Messe gibt es im Netz reichlich, einen sehr wichtigen Beitrag findet ihr auf dem Blog der Bücherkrähe Messeknigge oder: Wie verhalte ich mich nicht wie ein Arschloch . Sollte am Eingang der Messe eigentlich an alle verteilt werden.

Ich bewundere ja immer die Blogger, die scheinbar mühelos so viele und interessante Blogbeiträge produzieren. Alexandra vom Blog LexasLeben hat im Februar tatsächlich jeden Tag einen Beitrag veröffentlicht, darunter einige für mich sehr interessante wie  beispielsweise Wie du als Blogger Facebook-Gruppen nutzt, ohne andere zu nerven oder 10 WordPress-Plugins, die ich nicht missen möchte. Aber auch die anderen Beiträge sind sehr lesenswert.

Letzten Monat lief im Kino die Verfilmung des zweiten Teils der Shades-of-Grey-Reihe an, Lydia Benecke, Kriminalpsychologin und seit Jahren aktiv in der BDSM-Szene unterwegs stellt in ihrem Beitrag klar um was es in den Büchern / Filmen geht: Shades of Grey ist sexuelle Gewalt.

Patrizia vom Blog Maaraavillosa stellt neben Büchern auch immer wieder interessante Beiträge rund ums Bloggen und die damit zusammenhängende Technik ein. Ihr Artikel Neues Kamera-Equipment – Again! lässt mich auch darüber nachdenken, ob die Anschaffung einer digitalen Systemkamera sinnvoll ist. Da diese ohne optischen Sucher, bei gleicher Fotoqualität, auskommen, sind sie wesentlich leichter und kompakter als die digitalen Spiegelreflex-Kameras und damit für Messe- und Lesungseinsätze besser geeignet.

In letzter Zeit fallen mir auf den Buchblogs immer wieder sehr interessante Buchvorstellungen von Graphic Novels auf. Auch im Februar bin ich bei Janine vom Blog Kapri-ziös wieder auf eine Entdeckung gestoßen: Die Leichtigkeit von Catherine Meurisse oder ein Leben nach Charlie Hebdo. Nur durch einen Zufall kommt die Zeichnerin an dem Tag der grausamen Anschläge auf die Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo zu spät zur Arbeit. In ihrem Buch beschreibt sie, wie sie mit der Trauer um ihre ermordeten Kollegen umgeht.

Auch die Buchmesse in Leipzig hat einen eigenen Literaturpreis. Mara Giese vom Blog buzzaldrins stellt alle nominierten Bücher in ihrem Artikel Preis der Leipziger Buchmesse 2017 vor.

Ein interessantes Interview zu den dunklen Seiten des ebook-Marktes hat Tilman Winterling vom Blog 54books geführt:  Gespräch mit Thomas Pyczak über ebook-Piraterie.

Bei lovelybooks stand der Februar ganz im Zeichen der Literaturblogger, jeden Tag stellte ein Blogger seine ganz persönliche Liste mit Lieblingsbüchern zu einem bestimmten Thema vor. Auf der Seite Buchblogger empfehlen dürften sich für fast jeden Geschmack interessante Tipps finden lassen.

Einen kleinen Vorgeschmack zu den Blogger-Sessions 2017 auf der Leipziger Buchmesse kann man in dem Beitrag vom literaturcafe finden: buchmesse:blogger sessions 17 in Leipzig: Warum es keine Buchblogger gibt

Auch auf die regelmäßigen Beiträge vom Kaffeehaussitzer Uwe Kalkowski Fundstücke aus den Literaturblogs ,  die Krimikritiken von Autor Martin Krist auf dem Blog von Philly Kriminell Gelesenes und die Statements von Kritiker Thomas Wörtche zu aktuellen Krimi-Neuerscheinungen Leichenberg Februar 2017 , möchte ich gerne hinweisen.

Und noch ein Tipp für alle, die gerne in den Bücherblogs stöbern: Auf Kejas Buchblog gibt es die neue Aktion #zurückgeschaut auf der die beiden Bloggerinnen ihren Monatsrückblick vorstellen und alle teilnehmenden Blogger der Aktion verlinken.

Und sonst so

Das Coverbild des Spiegel 6/2017 sorgte dank drastischer Trump-Darstellung für eine kontroverse Diskussion, für mich ein Grund mal wieder zu diesem Magazin zu greifen. Neben der interessanten Titelstory gab es unter anderem aber auch ein lesenswertes Interview mit T.C. Boyle sowie einen Aritkel über Germanistik-Studenten und der Bedeutung die diesem Studium heutzutage noch zukommt. Der kritische Text blieb glücklicherweise nicht unwidersprochen, die NZZ reagierte mit Germanistik: Hier wird an der Zukunft gearbeitet und  die Zeit mit Germanistik: Schluss mit dem Totentanz-Geraune.

Zwei interessante Vorankündigungen zu künftig erscheinenden Büchern sind mir aufgefallen: Salman Rushdie hat sich das politische Amerika vorgenommen. In seinem im Herbst erscheinenden Roman geht er auf die letzten Jahre der Präsidentschaft Barack Obamas ein und wirft einen kritischen Blick auf die Entstehung der konservativen Tea-Party-Bewegung. Da werden vermutlich auch die Memoiren von Barack und Michelle Obama ein Verkaufsschlager werden. Die Verlagsgruppe Penguin Random House hat sich die Rechte an den noch erscheinenden Büchern für die Summe von 65 Millionen Dollar gesichert.

Das für Kuriositäten in diesen Tagen bekannte Amerika überrascht auch mit kuriosen Meldungen aus dem Buchmarkt. Der dystopische Klassiker 1984 von George Orwell erlebt in Zeiten von Fake-News ein unerwartetes Revival, was dazu geführt hat, dass das Buch in Amerika zeitweise ausverkauft war und mittlerweile wieder in den Bestsellerlisten zu finden ist.

Die Leipziger Buchmesse hat ihr komplettes Programm für 2017  veröffentlicht. Da ich dieses Jahr glücklicherweise das erste Mal offiziell als Blogger akkreditiert wurde stöbere ich gerade durch die 3.200 Veranstaltungen, die im Rahmen der Messe angeboten werden.

Gehört

Hörbücher höre ich eigentlich so gut wie nie. Aber Musik dafür umso mehr. Zwei Alben liefen aus aktuellem Anlass häufiger:
Im Februar sorgten die Grammy-Verleihungen für viel Wirbel in der Musikwelt. Adele hat mit ihrem Album 25 einige Trophäen mit nach Hause nehmen können. In ihrer Dankesrede beweist sie große Klasse, indem sie betont, dass der Preis für das beste Album eigentlich Beyoncé zugestanden hätte. Mit dem Tod von Al Jarreau verabschiedet sich die Musikwelt von einem der ganz Großen, sein Live-Album Tenderness gefällt mir immer noch sehr gut.

On the road, Rezension

T.C. Boyle – Die Terranauten (Buch und Lesung)

Zwei Jahre. Vier Männer, vier Frauen. Nichts rein, nichts raus. 

Das ist das Motto unter dem das auf einem realen Vorbild basierende wissenschaftliche Experiment steht, um das es in dem neuesten Roman von T.C. Boyle geht.

Im Roman heißt das Unternehmen „Ecosphere 2“ in Anlehnung an das tatsächliche Vorbild „Biosphere 2“ und es soll dazu dienen herauszufinden, ob es möglich ist, ein von der Außenwelt unabhängiges, sich selbst erhaltendes Ökosystem zu schaffen. Man wollte hier Handlungsmöglichkeiten untersuchen, um auf etwaige globale Katastrophen reagieren zu können. Auch die NASA hatte Interesse an dem Projekt, da sie sich hieraus Erkenntnisse zu einer eventuellen Besiedelung fremder Planeten versprach.

Das Langzeitexperiment ist im Roman auf eine Gesamtdauer von 100 Jahren angelegt, jeweils acht Personen (vier Männer, vier Frauen) sollen sich für jeweils zwei Jahre in das geschlossene System begeben. Was auf den ersten Blick wie eine überlange Big-Brother-Show aussieht ist bei näherer Betrachtung aber ein Vorhaben, das unglaublich viele Möglichkeiten des Scheiterns bereithält. In den künstlich angelegten Biotopen (Savanne, Ozean, tropischer Regenwald etc.) befinden sich mit den Expeditionsteilnehmern weit über 3000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten, welche nicht nur in einem vernünftigen Gleichgewicht gehalten werden müssen, sondern die auch die Ernährung der sogenannten „Terranauten“ und die Produktion des dringend benötigten Sauerstoffs sicherstellen müssen.

Innenansicht eines Teils von Biosphäre 2 (Foto: wikipedia)

Die erste Mission ist im Roman frühzeitig abgebrochen worden, da sich eine der Teilnehmerinnen verletzt hatte und das Testgelände daher verlassen musste, das Experiment galt somit als gescheitert. Die Handlung des Romans setzt kurz vor dem finalen Auswahlverfahren für die zweite Mission ein. Monate- bzw. jahrelang haben sich die einzelnen Wissenschaftler auf das Experiment vorbereitet, für die ehrgeizigen Teilnehmer steht daher sehr viel auf dem Spiel.

Boyle erzählt auch in diesem Roman die Geschichte wieder aus der Ich-Perspektive einzelner Personen. Er beschränkt sich hier aber auf drei zentrale Charaktere des Romans, aus deren Sicht die einzelnen Kapitel erzählt werden. Dawn Chapman ist die Vorzeige-Schönheit des Projektes und als Wissenschaftlerin für sämtliche Belange der Nutztiere in Ecosphere 2 zuständig. Ramsay Roothoorp ist für das Wassermanagement verantwortlich und darüber hinaus für die gesamte Kommunikation mit der Außenwelt zuständig. Über die dritte Person, Linda Ryu, erhält der Leser Einblick in die Vorkommnisse außerhalb von Ecosphere 2. Denn Linda schafft es nicht unter die letzten acht und dient, da sie ebenfalls ein Expertin für Nutztiere ist, als möglicher Ersatz für Dawn, beziehungsweise als Nutztierwärterin für die anschließende Mission 3. Continue Reading

Rezension

James Matthew Barrie / Tatjana Hauptmann – Peter Pan

Alle Kinder werden erwachsen. Also, bis auf eines. (Anfang des Buches)

Neuinterpretationen bekannter Klassiker sind oft mit gewissen Risiken verbunden, mit der prachtvollen Neuausgabe von Peter Pan ist dem Diogenes-Verlag aber dank der wundervollen Illustrationen von Tatjana Hauptmann das Kunststück gelungen, sich von bisherigen Ausgaben abzuheben und gleichzeitig einen eigenen Klassiker zu kreieren, der nicht nur in manchem Kinderzimmer einen Platz unter den Lieblingsbüchern finden wird.

Zum Inhalt: Es ist ein Freitagabend, an dem Mr. und Mrs. Darling bei Nachbarn eingeladen sind, als ihre Tochter Wendy und ihre beiden Söhne John und Michael Besuch von einem fliegenden Jungen bekommen, der in Begleitung einer kleinen fliegenden Fee namens Tinkerbell in ihrem Zimmer auftaucht. Der Junge stellt sich als Peter Pan vor, und auch wenn sie einem solchen Jungen bisher nie begegnet sind, haben sie doch das Gefühl ihn aus ihren Träumen zu kennen. Peter Pan erzählt den Kindern von seiner Heimat, dem Nimmerland, ein Land in dem Kinder niemals erwachsen werden und wo er zusammen mit seiner Bande der verlorenen Jungs immer spannende Abenteuer erlebt. Die Kinder sind begeistert und möchtten das Nimmerland selber kennenlernen. Und nachdem Peter den Kindern das Fliegen beigebracht hat, machen sie sich auf die Reise in das geheimnisvolle Land.

„Sag mal, Peter, kannst du wirklich fliegen?“…“Sag mal, wie geht das denn?“ fragte der praktisch veranlagte John, während er sich die Knie rieb. „Du machst dir ein paar schöne Gedanken“, erklärte Peter, „und die heben dich dann in die Lüfte.“ (Seite 41/42)

In Nimmerland angekommen sehen sich die Kinder mit vielen Gefahren konfrontiert. Es gibt wilde Tiere, Indianer und vor allem: den gefährlichen Captain Hook und seine Piratenbande, dessen größter Feind Peter Pan ist. Als es den Piraten gelingt, die kleine Tiger Lily zu entführen kommt es zur entscheidenden Begegnung zwischen Pan und Hook. Continue Reading

Krimi, Rezension

Jax Miller – Freedom’s Child

„Meine Name ist Freedom Oliver, und ich habe meine Tochter getötet.“

So beginnt der Debut-Roman der amerikanischen Schriftstellerin Jax Miller und als Leser möchte man natürlich wissen: Ist das wirklich wahr? Wie kam es dazu? Ein starker Einstieg in einen starken Roman.

Freedom ist natürlich nicht ihr wirklicher Name, diesen hat sie sich zugelegt nachdem sie im Zeugenschutzprogramm eine neue Identität erhalten hat. Vor vielen Jahren hat sie ihren gewalttätigen Ehemann, der übrigens Polizist war, erschossen und den Tatverdacht auf ihren Schwager gelenkt, der dafür eine langjährige Freiheitsstrafe verbüßen musste. Bis sie selber vom Tatverdacht freigesprochen wurde, sollte jedoch erst einige Zeit vergehen, so dass ihre beiden Kinder zu Pflegeeltern gegeben wurden. Nach der Verurteilung ihres Schwagers schwört seine Familie Rache und Freedom wird in das Zeugenschutzprogramm aufgenommen, was jedoch auch bedeutet, dass sie ihre Kinder nicht mehr wiedersehen kann. Hieran zerbricht sie fast und flüchtet sich in einen ständigen Rausch aus Alkohol und Drogen, ihr Job als Barfrau in einer Biker-Bar in Oregon trägt nicht gerade zur Verbesserung ihrer Lage bei. Jedoch zwingt sie ihre Arbeitsstelle dazu nach außen hin die coole, unnahbare Frau zu spielen, die ihr das Überleben in diesem Milieu ermöglicht.

Die Entwicklung ihrer Kinder verfolgt sie über das Internet und kann so zumindest aus der Ferne an ihrem Leben teilnehmen. Regelmäßig liest Freedom ihre Facebook-Einträge und erlebt den Aufstieg ihres Sohnes Mason zum gefeierten Newcomer als Rechtsanwalt und das Leben ihrer Tochter Rebekah bei einer streng religiösen Sekte. Nach zwanzig Jahren wird ihr Schwager aus dem Gefängnis entlassen und macht sich zusammen mit seiner ziemlich kaputten Familie (sehr schräg: die sich langsam zu Tode fressende Mutter der Sippe) auf die Suche nach Freedom. Als dann plötzlich ihre Tochter Rebekah keine Lebenszeichen über Facebook mehr von sich gibt, merkt Freedom, dass sie jetzt handeln muss, sie macht sich auf die Suche nach ihrer verschwundenen Tochter. Continue Reading

Monatsrückblick

Monatsrückblick Januar 2017

Wie war mein Lesemonat? Welche Themen und Bücher sind mir im letzten Monat aufgefallen? In meiner neuen Rubrik blicke ich zurück auf den letzten Monat in der Welt der Bücher.

Meine gelesenen Bücher im Januar

Georges Simenon: Maigret und sein Revolver
Eleanor Catton: Die Gestirne
Jax Miller: Freedom’s Child
James Matthew Barrie: Peter Pan

Nach längerer Pause bin ich diesen Monat mit Maigret und sein Revolver wieder zu den Büchern von Georges Simenon zurückgekehrt. Wie immer ein kurzes, aber intensives Lesevergnügen.

Da ich krankheitsbedingt im Januar überraschend viel Lesezeit zur Verfügung hatte, konnte ich mich auch dem sehr umfangreichen Werk Die Gestirne von Eleanor Catton widmen. Ein beeindruckenden Roman, der aber vermutlich nicht jedem gefallen wird. Meine Besprechung findet ihr hier.

Ein starkes Thriller-Debut hat die amerikanisch-irische Autorin Jax Miller vorgelegt. Ihren Roman Freedom’s Child kann ich Krimi- und Thrillerfans ans Herz legen.

Weiterhin konnte ich mit Peter Pan von James Matthew Barrie einen Klassiker beenden, der jetzt in einer wunderschön gestalteten Prachtausgabe, illustriert von Tatjana Hauptmann, bei diogenes erschienen ist. Die Rezension hierzu folgt in Kürze.

Die Maigret-Romane bei diogenes: Das Ende einer Ära?
Als begeisterter Leser der Romane von Georges Simenon war ich natürlich ein Fan der liebevoll gestalteten Neuauflage aus dem diogenes-Verlag. Maigret-Fans hatten endlich die Chance die fehlenden Lücken in der Sammlung zu schließen. Einige Titel waren bis zum Erscheinen der Neuausgabe nämlich gar nicht oder nur stark gekürzt und antiquarisch zu erhalten. Wie ich dann jetzt bei Wiederaufnahe der Simenon-Lektüre erschreckt feststellen musste sind die Romane derzeit nicht mehr lieferbar, einige antiquarische Bände der Neuedition sind mittlerweile nur noch zu Phantasiepreisen zu bekommen. Wie mir diogenes bestätigte, liegen die Rechte für die Romane (derzeit?) nicht mehr bei diesem Verlag. Das hat mich dann doch überrascht, für mich gehörten diogenes und Georges Simenon seit Jahrzehnten einfach zusammen. Gerade im Zuge der Neuverfilmungen einiger Maigret-Romane mit Rowan Atkinson wäre vermutlich mit einem erhöhten Absatz der Romane zu rechnen gewesen. Man kann nur hoffen, dass ein anderer Verlag bald mit einer Wiederveröffentlichung startet. Der eine oder andere Roman fehlt mir nämlich noch.

Bücher, über die man spricht

T.C. Boyle: Die Terranauten
Elena Ferrante: Die Geschichte eines neuen Namens
Hanya Yanagihara: Ein wenig Leben
Paul Auster: 4 3 2 1
(Klick auf die Titel führt auf die Verlagsseite)

Das dürften wohl die Bücher mit dem größten Hype-Faktor in diesem Frühjahr sein. Continue Reading