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Herbstvorschau Teil 3 – Die Romane

Meine Highlights der Herbstvorschauen – Teil 3

Zugegeben, mit meiner Vorschau auf die Romane der kommenden Saison bin ich etwas spät dran, denn bei Büchern sind wir, ähnlich wie in der Modebranche, Ende August schon mitten in der Herbstsaison. Einige interessante Neuerscheinungen sind bereits veröffentlicht, trotzdem möchte ich hier noch gerne einen Blick auf die Romane werfen, die mir lesenswert erscheinen. In den nächsten Wochen und Monaten werden, nicht zuletzt durch die Besprechungen der Titel um den deutschen Buchpreis, noch einige Titel hinzukommen.

Beginnen möchte ich mit drei Titeln, die bereits schon vor der gestrigen Besprechung im literarischen Quartett extrem gehypt wurden. Der Verdacht liegt nahe, dass das Quartett sich von dem Ruf befreien wollte, dass ihre Besprechungen keine Bücher verkaufen, daher wurden zumindest drei Titel ausgewählt, die sich auch ohne das Quartett gut verkauft hätten. Mangelnde Aktualität kann  man ihnen also nicht vorwerfen.

Die Inhaltsangaben stammen von den jeweiligen Seiten der verlinkten Verlage.

Emma Cline: The Girls

Cline_25268_MR.inddZwei Millionen Dollar Vorschuss für ein Romandebut? Der Bieterstreit um die Rechte für diesen Roman sorgte bereits nach der Frankfurter Buchmesse 2014 für Medienrummel. Ob der Hype gerechtfertigt ist? Davon können sich die deutschen Leser jetzt selber überzeugen, denn seit 25.07.2016 ist auch die deutsche Übersetzung bei Hanser erhältlich.

„Kalifornien, 1969. Evie Boyd ist vierzehn und möchte unbedingt gesehen werden – aber weder die frisch geschiedenen Eltern noch ihre einzige Freundin beachten sie. Doch dann, an einem der endlosen Sommertage, begegnet sie ihnen: den „Girls“. Das Haar, lang und unfrisiert. Die ausgefransten Kleider. Ihr lautes, freies Lachen. Unter ihnen ist auch die ältere Suzanne, der Evie verfällt. Mit ihnen zieht sie zu Russell, einem Typ wie Charles Manson, dessen Ranch tief in den Hügeln liegt. Gerüchte von Sex, wilden Partys, Einzelne, die plötzlich ausreißen. Evie gibt sich der Vision grenzenloser Liebe hin und merkt nicht, wie der Moment naht, der ihr Leben mit Gewalt für immer zerstören könnte.“

Emma Cline: The Girls, Roman, Hanser Verlag, aus dem Englischen übersetzt von Nikolaus Stingel, 352 Seiten, gebunden, bereits erschienen, ISBN: 9783446252684, EUR 22,00, Link zur Verlagsseite  

 

Han Kang: Die Vegetarierin

Kang_Vegetarierin_160215.inddIn England bereits mit dem Man Booker Prize International ausgezeichnet und jetzt auch auf deutsch erhältlich. Vermutlich keine Lektüre, die den Geschmack aller Leser treffen wird. Murakami-Fans sollten wohl einen Blick riskieren.

„Ein seltsam verstörendes, hypnotisierendes Buch über eine Frau, die laut ihrem Ehemann an Durchschnittlichkeit kaum zu übertreffen ist – bis sie eines Tages beschließt, kein Fleisch mehr zu essen.

»Bevor meine Frau zur Vegetarierin wurde, hielt ich sie für nichts Besonderes. Bei unserer ersten Begegnung fand ich sie nicht einmal attraktiv. Mittelgroß, ein Topfschnitt, irgendwo zwischen kurz und lang, gelbliche unreine Haut, Schlupflider und dominante Wangenknochen. So fühlte ich mich weder von ihr angezogen noch abgestoßen und sah daher keinen Grund, sie nicht zu heiraten.«

Yeong-Hye und ihr Ehemann sind ganz gewöhnliche Leute. Er geht beflissen seinem Bürojob nach und hegt keinerlei Ambitionen. Sie ist eine zwar leidenschaftslose, aber pflichtbewusste Hausfrau. Die angenehme Eintönigkeit ihrer Ehe wird jäh gefährdet, als Yeong-Hye beschließt, sich fortan ausschließlich vegetarisch zu ernähren und alle tierischen Produkte aus dem Haushalt entfernt. »Ich hatte einen Traum«, so ihre einzige Erklärung. Ein kleiner Akt der Unabhängigkeit, aber ein fataler, denn in einem Land wie Südkorea, in dem strenge soziale Normen herrschen, gilt der Vegetarismus als subversiv. Doch damit nicht genug. Bald nimmt Yeong-Hyes passive Rebellion immer groteskere Ausmaße an. Sie, die niemals gerne einen BH getragen hat, fängt an, sich in der Öffentlichkeit zu entblößen und von einem Leben als Pflanze zu träumen. Bis sich ihre gesamte Familie gegen sie wendet.

Die Vegetarierin ist eine kafkaeske Geschichte in drei Akten über Scham und Begierde, Macht und Obsession sowie unsere zum Scheitern verurteilten Versuche, den Anderen zu verstehen, der ja doch, wie man selbst, Gefangener im eigenen Leib ist. Der Roman wurde mit dem Man Booker International Prize 2016 ausgezeichnet.“

Han Kang: Die Vegetarierin, Roman, aus dem Koreanischen übersetzt von Ki-Hyang Lee, Aufbau Verlag, gebunden, 190 Seiten, ISBN: 9783351036539, Eur 18,95, Link zur Verlagsseite Continue Reading

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Der Herbst wird (auch) klassisch

Meine Highlights der Herbstvorschauen – Teil 2: Klassiker

In den letzten Jahren habe ich mit (meist) großer Begeisterung die Klassiker der Weltliteratur für mich entdeckt. Bücher, die eine so faszinierende oder heute immer noch aktuelle Geschichte erzählen, dass sie auch heutige Leser noch begeistern können. Besonders freut mich, dass die Verlage in diesem kleinen, aber feinen Nischenmarkt wieder vermehrt zu einer besonders schönen Gestaltung und Ausstattung übergehen und dank toller Neuübersetzungen dem Publikum wieder schmackhaft machen. Die „Manesse Bibliothek der Weltliteratur“ ist hier schon eine Institution, in den letzten Jahren veröffentlichen aber auch andere Verlage tolle Klassikerausgaben. Besonders gut gefällt mir die Hanser Klassiker Reihe sowie die Klassiker des mare-Verlags . Hier meine Highlights der klassischen Neuausgaben (Inhalsbeschreibungen von den verlinkten Verlagsseiten):

Honoré de Balzac: Von Edelfedern, Phrasendreschern und Schmierfinken

Von Edelfedern Phrasendreschern und Schmierfinken von Honore de BalzacPflichtlektüre für alle Blogger und Kritiker? Schon in „Verlorene Illusionen“ hat Balzac einen bitterbösen Blick auf die schreibende Zunft geworfen. Hier rechnet er mit Journalisten und Kritikern ab. Vermutlich immer noch hochaktuell.

„Journalisten? Hohle Schwätzer und vorlaute Kläffer! Zeitungsmacher? Elende Opportunisten! Kritiker? Perfide Ignoranten! Für Balzac waren Presseleute so ziemlich das Letzte. In seinem Bestiarium der Pariser Journaille, hier erstmals ins Deutsche übersetzt, wagt der Autor einen satirischen Rundumschlag – respektlos, böse und herrlich einseitig.
Die Herren von der schreibenden Zunft haben in Balzacs Augen samt und sonders etwas maliziös Wankelmütiges, sind offen korrupt oder von eherner Prinzipienlosigkeit. Angelehnt an die zoologische Artenbestimmung knöpft er sich in seiner Typenlehre nun sämtliche Gestalten der Pressewelt vor: den Leitartikler, den Vulgarisator, das Faktotum, den Lobhudler, den Monothematiker, den Sektierer, den Mann fürs Grobe und was sonst alles über die Flure von Zeitungsredaktionen kreucht und fleucht. Die kritische Inventur des modernen Journalismus ist ein origineller Sidekick in der aktuellen Debatte um die Rolle der Medien. Ergänzt wird die heitere Philippika durch Balzacs Appell an Schriftsteller, ihr Urheberrecht zu verteidigen.“

Honoré de Balzac: Von Edelfedern, Phrasendreschern und Schmierfinken, aus dem Französischen von Rudolf von Bitter, Manesse Verlag, gebunden, 320 Seiten, Erscheinungstermin: 26.09.2016, ISBN: 978-3-7175-2382-6, EUR 19,95, Link zur Verlagsseite

Lew Tolstoi: Auferstehung

Nach „Krieg und Frieden“ und „Anna Karenina“ liegt dann auch der dritte große Roman von Lew Tolstoi in einer Neuübersetzung und hochwertiger Ausstattung bei Hanser vor.

„Wer „Auferstehung“ von Lew Tolstoi heute liest, könnte meinen, einen Roman über unsere Gegenwart in den Händen zu halten. Russland im 19. Jahrhundert: Vor vielen Jahren hat der Fürst Nechljudow die junge Maslowa verführt. Jetzt ist er Geschworener, sie aber sitzt als Prostituierte auf der Anklagebank. Und Nechljudow erkennt: Er allein trägt die Schuld an ihrem unendlichen Elend. Wie soll er mit diesem Wissen weiterleben? Im Tiefsten getroffen folgt Nechljudow der Maslowa nach Sibirien in die Verbannung. „Auferstehung“ ist eine leidenschaftliche moralische und politische Anklage, das erschütternde Vermächtnis des alten Tolstoi. Barbara Conrad, 2011 für „Krieg und Frieden“ mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet, hat „Auferstehung“ neu übersetzt, einen Roman, der bis heute noch viel zu unbekannt ist.“

Lew Tolstoi: Auferstehung, Roman, neu übersetzt aus dem Russischen von Barbara Conrad, Hanser Verlag, gebunden, 768 Seiten, Erscheinungstermin: 26.09.2016, ISBN: 9783446252851, EUR 38,00, Link zur Verlagsseite Continue Reading

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Der Deutsche Buchpreis 2016

Am 23.08.2016 ist es wieder soweit, die Longlist der Titel, die in das Rennen um den Deutschen Buchpreis 2016 gehen, wird veröffentlicht. Bevor ich unter die Buchblogger gegangen bin hat dieser Preis bisher für mich kaum eine Rolle gespielt. Dieses Jahr möchte ich mich jedoch etwas eingehender mit ihm beschäftigen und versuchen rauszufinden, ob die Bücher auch abseits des Fachpublikums funktionieren werden.

Das Wichtigste zum Buchpreis möchte ich hier gerne zusammenfassen.

Was ist der Deutsche Buchpreis?

Der Deutsche Buchpreis wurde vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels 2005 ins Leben gerufen und soll den besten deutschsprachigen Roman des Jahres auszeichnen. Der Autor des Siegertitels erhält 25.000 Euro, die anderen fünf Autoren der Shortlist jeweils 2.500 Euro.

Ziel war es unter anderem einen hochrangigen Literaturpreis für den deutschsprachigen Raum zu schaffen, ähnlich dem in England vielbeachteten Man Booker Prize, dort werden die ausgezeichneten Romane auch regelmäßig Publikumserfolge, was nach meinem Empfinden in Deutschland bisher nicht so recht gelungen ist.

Um den deutschen Buchpreis können sich Verlage aus Deutschland, Österreich und  der Schweiz mit jeweils maximal zwei Titeln bewerben, vorausgesetzt diese erscheinen zwischen Oktober des Vorjahres und bis September des Vergabejahres.

Die Jury

Um den Preis möglichst unabhängig und vielfältig zu machen wählt die Akademie Deutscher Buchpreis jährlich eine wechselnde Jury, die sich aus zwei Schriftstellern, vier Journalisten und einem literarischen Buchhändler zusammensetzt. Aus allen Einsendungen stellt die Jury eine 20 Titel umfassende Longlist zusammen, die im August veröffentlich wird. Hieraus werden sechs Finalisten ermittelt, die im September auf der Shortlist veröffentlicht werden. Die Bekanntgabe des Preisträgers erfolgt am Montag vor der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse.

2016

98 Verlage haben insgesamt 156 Romane eingereicht. Diese Jury wird über die Titel beraten:

Die Buchpreisjury 2016 (copyright Foto: Claus Setzer)

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Der Herbst wird bunt, klassisch und literarisch interessant

Meine Highlights der Herbstvorschauen – Teil 1: Schönes zum Gucken und Lesen

Der Deutsche Buchpreis und die Frankfurter Buchmesse stehen schon fast vor der Tür, es wird uns also auch in diesem Jahr an interessanten Neuentdeckungen bestimmt nicht mangeln. Zeitungen, Fernsehen und vor allem die vielen Blogger werden sich durch die Flut der neu erschienen Bücher kämpfen und bestimmt den ein oder anderen literarischen Schatz heben. Ich bin schon gespannt was das Jahr 2016 noch für uns bereithält. Aus den Verlagsvorschauen habe ich mir schon ein paar Highlights ausgesucht, vermutlich diesmal wieder ein paar Titel, die etwas abseits der üblichen Verdächtigen liegen.

Erfreulicherweise hält der Trend zum schön gestalteten Buch weiter an. Daher hier zu Beginn meine Favoriten der bibliophilen Schätze (Inhaltsbeschreibungen von den jeweiligen Verlagsseiten):

J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe (Illustrationen von Alan Lee)

Der Verlag Klett-Cotta hat wohl endlich ein Einsehen gehabt und für alle Herr-der-Ringe-Fans findet Weihnachten dieses Jahr schon im Oktober statt. Denn endlich kann man bald (ab 15.10.2016) wieder eine vernünftige Ausgabe dieses Kultromans erwerben. Die neue deutsche Übersetzung von Wolfgang Krege konnte Fans bisher nicht überzeugen, da dieser eine moderne Sprache verwendet, die für viele Leser absoulut nicht zu dem Roman passte. Die ursprüngliche Übersetzung von Margaret Carroux stellte für die meisten Leser die perfekte Übersetzung da, an dieser hatte der Sprachwissenschaftler Tolkien auch noch selbert mitgewirkt. Doch die Verwendung der alten Übersetzung ist nicht das eigentliche Highlight der Neuausgabe. Das ist vielmehr die prächtige Ausstattung mit 50 Illustrationen von Alan Lee. Dieser ist einer der bekanntesten Tolkien-Illustratoren und Peter Jackson hat sich für den Look seiner Verfilmung maßgeblich an seinen Vorlagen orientiert.

„Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden.« Vor unvordenklichen Zeiten wurden die Ringe der Macht von den Elben geschaffen, und Sauron, der Dunkle Herrscher, schmiedete heimlich den Einen Ring und füllte ihn mit seiner Macht, auf dass er über alle anderen gebieten konnte. Aber der Eine Ring wurde ihm genommen und so sehr er ihn auch in ganz Mittelerde suchte, er blieb dennoch für ihn verloren. Viele Zeitalter später fällt der Ring in die Hände des Hobbits Bilbo Beutlin … und so beginnt das größte und gefährlichste Abenteuer der Fantasyliteratur.“

J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe, aus dem Englischen von Margaret Carroux, mit 50 Illustrationen von Alan Lee, Hobbit-Presse Klett-Cotta, Erscheinungsdatum: 15.10.2016, Gebunden, Leinenband mit Schutzumschlag und Goldprägung, Leinenschuber mit Goldprägung, Lesebändchen, zwei Karten, Anhänge, Register, ISBN: 978-3-608-96035-8; EUR 68,00 (bis 31.03.2017) EUR 88,00 (ab 01.04.2017) Link zur Verlagsseite

 

Lewis Carroll: Alice im Wunderland (Illustrationen von Benjamin Lacombe)

Alice im Wunderland LacombeDer Erscheinungstermin wurde glücklicherweise vorverlegt und daher ist diese kunstvolle Ausgabe aus dem Verlag Jacoby & Stuart bereits jetzt schon erhältlich. Mein Favorit unter den schön illustrierten Neuerscheinungen.

„Das Jubiläum zum 150-jährigen Erscheinen von Lewis Carrolls unsterblichem Kinderbuch ist vorbei, und dann noch eine Ausgabe von Alice im Wunderland? Ja! Benjamin Lacombe hat länger für seine Illustrationen gebraucht als vorgesehen, hat mehr und größere Bilder gezeichnet und gemalt als geplant, sich tiefer in den Stoff eingearbeitet als gedacht. In Alice hat er sein Thema gefunden, und wir wagen zu behaupten, dass er die schönste Alice-Ausgabe aller Zeiten geschaffen hat, einen Prachtband, der nicht nur seine zahlreichen Fans begeistern wird.“ Lewis Carroll: Alice im Wunderland, Illustrationen von Benjamin Lacombe, aus dem Englischen von Antonie Zimmermann, 266 Seiten, gebunden, Halbleinen, durchgehend farbig mit Goldprägung, Lesebänchen und ausfaltbaren Seiten, ISBN 978-3-946593-10-2, EUR 39,95 (Link zur Verlagsseite)

Der Start einer wunderschönen Buchreihe: Galiani-Berlin und Kat Menschik

Kat Menschik gehört zu den bekanntesten deutschen Illustratorinnen und zusammen mit dem Galiani-Verlag aus Berlin startet sie jetzt eine eigene Buchreihe: „Werke der Weltliteratur und andere Lieblingstexte, in Szene gesetzt von Kat Menschik“.  Den Anfang machen diese zwei Bände:

Franz Kafka: Ein Landarzt

Kafka Landarzt Menschik„Ein eisig kalter, schneeverwehter Winter; ein Landarzt »in großer Verlegenheit«. Ein Notfalleinsatz steht an, aber sein Kutschpferd verendet gerade in der Kälte. Vergeblich schickt der Landarzt Rosa, sein Dienstmädchen, ins Dorf, um ein neues Pferd zu leihen, doch keines ist zu haben. Plötzlich taucht ein rätselhafter Pferdeknecht mit zwei prächtigen kräftigen Tieren auf und spannt sie an. Statt aber auf dem Kutschbock Platz zu nehmen, stürzt er sich auf Rosa, klatscht in die Hände – und bevor der Landarzt seiner Dienerin zur Hilfe eilen kann, reißen die Pferde ihn in der Kutsche mit sich …

So der Anfang der Titelgeschichte von »Ein Landarzt. Kleine Erzählungen«, die 1919 bei Kurt Wolff erschienen sind. Den anderen Figuren des Bandes geht es nicht viel besser. Ob z. B. in »Auf der Galerie«, »Vor dem Gesetz«, im »Bericht für eine Akademie«, oder beim Odradek in »Sorge eines Hausvaters« – Kafkas Figuren werden getrieben von seltsamen Geschicken und sie tragen dunkle Geheimnisse in sich. Freilich geht es in diesen Geschichten alles andere als blutleer zu – Kat Menschik gibt mit ihren farbenprächtig schillernden Bildern eine grandiose Interpretation des ersten Erzählbandes von Franz Kafka.“  Franz Kafka: Ein Landarzt, Illustrationen von Kat Menschik, Galiani-Berlin,  Gebunden, 112 Seiten, Erscheinungsdatum: 13.10.2016, ISBN 978-3-86971-132-4, EUR 18,00, Link zur Verlagsseite Continue Reading

Rezension

Owen Sheers – I saw a man

„Der Vorfall, der ihrer aller Leben veränderte, ereignete sich an einem Samstagnachmittag im Juni, kurz nachdem Michael Turner – in der Annahme, es sei niemand da – das Haus der Nelsons durch die Hintertür betreten hatte.“ (Erster Satz des Romans)

Das Buch beginnt wie ein klassischer Thriller mit einem Protagonisten, der die Tür des Nachbarhauses halb offen stehend vorfindet und vorsichtig das Haus betritt um herauszufinden, ob hier vielleicht Einbrecher am Werke sind. Der Roman erfüllt die Erwartung an einen Thriller zwar nicht, dennoch ist er unheimlich spannend zu lesen. Continue Reading

Dicker Baltimores
Rezension

Joël Dicker – Die Geschichte der Baltimores

Von Freundschaft, Liebe und anderen Katastrophen

Mit dem 2012 erschienen Roman Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert gelang dem Schweizer Joël Dicker der internationale Durchbruch als Schriftsteller, über drei Millionen Mal hat sich das Buch weltweit verkauft. Da lagen die Erwartungen an den Nachfolgeroman naturgemäß sehr hoch, Dicker scheint die Erwartungen jedoch zu erfüllen, in Frankreich gehörte Die Geschichte der Baltimores im letzten Jahr zu den erfolgreichsten Büchern. Die deutsche Übersetzung liegt seit 02.05.2016 im Piper Verlag vor.

Worum geht es? Der bereits aus dem Vorgänger bekannte Protagonist Marcus Goldman, inzwischen ein anerkannter amerikanischer Schriftsteller, zieht sich nach Florida zurück um in Ruhe an seinem neuen Roman zu arbeiten. Dort trifft er zufällig auf seine Jugendliebe Alexandra, die inzwischen eine Karriere als Sängerin gemacht hat. Jahrelang haben sich die beiden nicht gesehen und der Leser wird über die Trennungsgründe im Unklaren gelassen. Andeutungsweise erfährt man, dass eine „Katastrophe“ hierfür der Grund war. Um auch die für ihn traumatischen Erlebnisse dieser Katastrophe zu verarbeiten beschließt er seine Familiengeschichte zum Thema seines Romans zu machen.

Und so nimmt uns Marcus Goldman in Form von zahlreichen Rückblicken mit in die spannende Geschichte seiner Familie. Continue Reading