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September 2016

Rezension

Thomas von Steinaecker – Die Verteidigung des Paradieses

„Solange ich schreibe, überleben wir.“ (Seite 155)

Der Deutsche Buchpreis hat bisher bei meiner Buchauswahl eher eine untergeordnete Rolle gespielt, dieses Jahr wollte ich mir bewusst die nominierten Bücher näher anschauen und die Leseproben haben meine Neugier auf einige Titel geweckt. Eine Dystopie hörte sich als Einstieg vielversprechend an, auf jeden Fall ist es für die Longlist ein eher ungewöhnliches Genre. Dass dieses Buch jedoch so viel mehr als Genreliteratur ist habe ich mit viel Freude bei der Lektüre dieses großartigen Romans herausgefunden.

Bereits das dem Roman vorangestellte Bibelzitat „Im Anfang war das Wort…“ lässt erahnen, dass den Leser ein Buch erwartet, bei dem es auch um die Bedeutung von Wörtern, Sprache und Literatur geht.

Deutschland in einer nicht allzu fernen Zukunft: Die schützende Ozonschicht um den Planeten hat sich aufgrund der Klimakatastrophe aufgelöst. Dörfer, Städte und Bevölkerung werden vor der lebensgefährlichen Strahlung von riesigen Schutzschirmen geschützt. Roboter haben einen Großteil der Arbeit übernommen, die Eliten bleiben in kleinen Luxusressorts unter sich. Continue Reading

Rezension

John Irving – Das Hotel New Hampshire

Manchmal lohnt es sich doch, einem abgebrochenen Buch eine zweite Chance zu geben. So erging es mir mit diesem Roman.

In dem 1981 erschienen Roman „Das Hotel New Hamphire“ erzählt John Irving die tragisch-skurrile Geschichte der Familie Berry. Diese besteht, ebenso wie das übrige, reichhaltige Personal in diesem Roman, aus so vielen ungewöhnlichen, bizarren  Charakteren, dass es bei anderen Schriftstellern vermutlich für fünf Romane gereicht hätte.

„Versteh doch“, erklärte mir Franny Jahre später, „wir sind nicht exzentrisch, wir sind nicht bizarr. Für einander“, sagte Franny, „sind wir so alltäglich wie Regen.“(Seite 233)

Die Berrys, das sind Vater Winslow „Win“, Mutter Mary, der Ich-Erzähler John, sowie seine beiden älteren Geschwister Franny und Frank und die beiden jüngeren Lily und Egg. Außerdem gehört noch Großvater Iowa-Bob, ein Bär namens State-o’Maine und der Familienhund Kummer dazu. Die Erzählung beginnt im Sommer 1939, wo sich Mary und Win bei einem Ferienjob im Strandhotel Arbuthnot-by-the-sea kennen und lieben lernen. Dort machen sie auch die erste Bekanntschaft mit dem Dompteur Freud (nein, nicht der Freud), der mit seinem Bären State-o’Maine Station im Hotel macht.

Die beiden gründen eine Familie, Win hat Freud jedoch versprochen ein Harvard-Student zu werden, was diesem auch gelingt. Sein großer Traum ist aber die Führung eines erfolgreichen Hotels und so kaufen sie kurzerhand eine ehemalige Mädchenschule und versuchen diese mehr schlecht als recht zu einem Hotel umzubauen. Immerhin gibt es jetzt das erste Hotel New Hamspshire.

„Aber mein Vater hatte zwei Illusionen: einmal glaubte er, Bären könnten ein Leben überstehen, wie es von Menschen geführt wird, und zum anderen bildete er sich ein, Menschen könnten ein Leben überstehen, wie es in Hotels geführt wird.“ (Seite 101)

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