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Oktober 2016

Top Ten Thursday

Bücher zum Thema Weltkrieg – Eine Leseliste – TTT #13

Diese Woche geht es bei der Aktion von Steffis Bücherbloggeria um das meines Erachtens sehr wichtige Thema „10 Bücher, die zur Zeit der Weltkriege spielen“, daher bin ich gerne wieder mit dabei. Gerade wenn es um solche Themen geht, zeigt sich wie wichtig es ist Erinnerungen an historische Ereignisse auch in Form von Literatur für die Nachwelt zu erhalten. Dies ist umso bedeutsamer, da es bald keine überlebenden Zeitzeugen eines Weltkrieges mehr geben wird. Die Infos zum TTT – Top Ten Thursday – findet ihr auf dem Blog von Steffi.

Hier meine ganz persönliche Empfehlungsliste:

Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues

Mit dem Urteil „ein Buch, das man unbedingt gelesen haben sollte“ bin ich sehr zurückhaltend, bei diesem Fall würde ich jedoch gerne eine Ausnahme machen. Remarque schildert in einer sehr schönen Sprache anhand des Schicksals des Soldaten Paul Bäumer und seiner Gefährten die Schrecken des ersten Weltkrieges und macht fast körperlich spürbar, was es bedeutet, an vorderster Front in einem Krieg zu kämpfen. Ein Buch, das (wieder) zur Pflichtlektüre an allen Schulen gehören sollte.

„Mit diesem Roman begründete Erich Maria Remarque seinen Weltruhm und schuf ein zeitlos gültiges Bild der Schrecken des modernen Krieges. Zum hundertsten Jahrestag des Kriegsbeginns 1914 erscheint eine besonders ausgestattete, mit einem Nachwort zur Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte versehene Sonderausgabe.
Die Geschichte des neunzehnjährigen Paul Bäumer, der als ahnungsloser Kriegsfreiwilliger von der Schulbank an die Front kommt, ist inzwischen Allgemeingut. Auch bei der erneuten Lektüre ist der Eindruck jedoch wieder erschütternd: Wie Bäumer statt der erhofften Kriegsbegeisterung und eines kurzen Abenteuers die ganze Brutalität des Gemetzels und das sinnlose Sterben seiner Kameraden erlebt, ist anrührend und empörend.
Durch diese Abrechnung mit dem Krieg erlangte Erich Maria Remarque 1929 schlagartig Weltruhm – auch dank einer ausgeklügelten Publikations- und Marketingstrategie, über die das Nachwort von Thomas F. Schneider, Leiter des Remarque-Friedenszentrums der Universität Osnabrück, Auskunft gibt. Remarque schuf einen Klassiker der Weltliteratur mit ungebrochener Wirkung bis in unsere Gegenwart.“ (Klappentext des Kiwi-Verlags)

Auch sehenswert: Die Besprechung der Neuausgabe im Literaturclub des srf.

Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues, Verlag Kiepenheuer & Witsch, 368 Seiten, gebunden (auch als Taschenbuch verfügbar), ISBN 9783462045819, 15,00 Euro

Jonathan Littell: Die Wohlgesinnten

Dieses Mammutwerk sorgte bei seinem Erscheinen für Aufsehen und kontroverse Diskussionen. In Frankreich, wo das Buch zuerst erschien, war es ein Riesenerfolg und wurde sowohl mit dem Prix Goncourt als auch mit dem Romanpreis der Académie française ausgezeichnet. Auf 1400 Seiten erzählt Littell aus der Ich-Perspektive die Erinnerungen des fiktiven SS-Offiziers Dr. Maximilian Aue an seine Erlebnisse während des zweiten Weltkrieges. Der Autor hat einen enormen Rechercheaufwand betrieben und lässt seine Hauptperson mit zahlreichen historisch belegten Persönlichkeiten wie Adolf Eichmann und Heinrich Himmler zusammentreffen und führt im Verlauf des Romans zu bekannten Schauplätzen des zweiten Weltkrieges und des Holocausts. Dr. Aues Erlebnisse an Orten wie Babyn Jar, Stalingrad und Auschwitz sind für den Leser einerseits stellenweise schwer zu ertragen, vermitteln aber andererseit ein unglaublich realistisches Gefühl für diese dunklen Stunden der deutschen Geschichte. Was mich etwas an dem Roman gestört hat ist, dass die Hauptperson sich und sein Tun niemals in Frage stellt, eine Reflexion seiner Taten fehlt völlig.

Besonders beeindruckt zeigte sich der Schriftsteller und Buchenwald-Überlebende Jorge Semprún: „Ich war wie erschlagen von diesem unglaublichen Buch. Es ist das Ereignis unserer Jahrhunderthälfte. Ich sehe nicht, welches andere Buch in den nächsten Jahrzehnten an seine Wirkung heranreichen könnte.“

„Dieses Buch ist Stoff für die nächsten fünfzig Jahre. Wir hätten eine etwas bessere Welt, wenn jeder es lesen würde.« Claus Peymann, in Lesen! ZDF

Im Februar 2008 erschien im Berlin Verlag der Roman, den Jorge Semprun als »das Ereignis unserer Jahrhunderthälfte « bezeichnet: Die Wohlgesinnten von Jonathan Littell. Über Monate hielt er die deutsche Literaturkritik in Atem. Mit den fiktiven Lebenserinnerungen des SS-Obersturmführers Maximilian Aue, Jahrgang 1913, Sohn eines deutschen Vaters und einer französischen Mutter, zeichnet Jonathan Littell ein erschreckend detailgenaues Bild des Zweiten Weltkriegs und der Verfolgung und Vernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten aus Sicht eines Täters. »Das ist ein Roman, und das ist ein Autor, vor denen man sich verneigen muss«, schrieb Andreas Isenschmid in der NZZ am Sonntag.“ (von der Seite des Piper-Verlags)

Jonathan Littell: Die Wohlgesinnten, Roman, aus dem Französischen übersetzt von Hainer Kober , 1392 Seiten, Taschenbuch, Berlin Verlag, ISBN 9783833306280, 18,00 Euro

Lothar-Günther Buchheim: Das Boot

Im Gegensatz zu Jonathan Littell war Lothar-Günther Buchheim ein Augenzeuge des Weltkrieges und seine Erzählungen lassen einen die Schrecken des U-Boot-Krieges während des zweiten Weltkrieges unmittelbar miterleben. In diesem Fall kann ich auch sehr die Verfilmung von Wolfgang Petersen empfehlen, rate aber dringend zu der mehrteiligen Fernsehfassung. In der Serie aus dem Jahre 1981 spielten fast alle seinerzeit bekannten männlichen Schauspieler des deutschen Kinos mit (Jürgen Prochnow, Klaus Wennemann, Otto Sander, Martin Semmelrogge, Herbert Grönemeyer, Heinz Hoenig und Jan Fedder um nur einige zu nennen). Zu den ohnehin schon beängstigenden Kriegserlebnissen kommt im Roman wie im Film noch die klaustrophobische Enge des U-Boots hinzu.

„Jedes Wort dieses Buches ist wahr. Lothar-Günther Buchheim war im Zweiten Weltkrieg Marinekriegsberichterstatter. Als ein Mann, der sich zur Zeugenschaft aufgerufen fühlt, weil er extreme Situationen erlebte und überlebte, geht es ihm um die genaue Wiedergabe der Ereignisse, um die Beschwörung der Wochen und Monate quälender Gefangenschaft in der Enge des Bootes, um die Stunden der Angst und die dramatischen Augenblicke des Kampfes.“ (von der Seite des Piper-Verlags)

Lothar Günther-Buchheim: Das Boot, Roman, 608 Seiten, Taschenbuch, Piper Verlag, ISBN 9783492244657, Euro 12,99 Continue Reading

On the road

Vor der Buchmesse ist nach der Buchmesse – ein kurzer Rückblick auf Leipzig 2016

Nächste Woche ist es wieder soweit: Die größte Buchmesse der Welt lockt wieder alle Lesebegeisterten nach Frankfurt. Dieses Jahr werde ich nicht selber vor Ort sein und freue mich daher auf die Berichterstattung in den Medien und auf zahlreiche Blogbeiträge der unterschiedlichsten Buchblogger.

Die bevostehende Messe möchte ich gerne zum Anlass nehmen, einen Blick zurückzuwerfen auf meinen ersten Besuch der Leipziger Buchmesse in diesem Jahr, die vom 17. bis 20. März 2016 stattfand. Zum Besuch der Messe hatte ich mich relativ kurzfristig entschieden und daher natürlich kein Hotelzimmer in Leipzig mehr bekommen können. Für das nächste Jahr muss die Planung also deutlich früher beginnen. Im nahe gelegenen Halle war die Hotelsituation etwas entspannter und über die Autobahn ist die Messe von dort auch sehr gut zu erreichen. Als Bloggerneuling habe ich mich ganz besonders gefreut, dass ich noch eine Karte für die „Bloggersessions“ am Sonntag erstehen konnte. Das angekündigte Programm („Das Fachprogramm für Blogger und Neueinsteiger sowie Verlage und Autoren“ – so der Text von der Seite der Buchmesse) hörte sich vielversprechend an. Wie sich später herausstellte, bin ich hier wohl mit falschen Erwartungen in die Veranstaltung gegangen. Doch dazu später mehr.

Angereist bin ich am Donnerstag und hatte dort aufgrund der Anreise nicht mehr den ganzen Tag zur Verfügung. Daher habe ich mir erst mal einen groben Überblick verschafft welche Stände sich in welchen Hallen befinden. Lieblingsverlage hatte ich schnell entdeckt.

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Rezension

Stephen King – Wolfsmond

Dies ist der fünfte Band aus Stephen Kings ursprünglich aus sieben Teilen bestehenden Zyklus um den dunklen Turm. Der Revolvermann Roland und sein „Ka-Tet“ (Schicksalsgemeinschaft), bestehend aus Eddie, Susannah, Jake und dem Billy-Bumbler „Oy“ ziehen auf dem Pfad des Balkens weiter in Richtung des dunklen Turms. Auf ihrem Weg treffen sie auf die Einwohner von Calla Bryn Sturgis, welche die Revolvermänner um Hilfe bitten.

„Inzwischen war in der Versammlungshalle ein Flüstern aufgekommen. Es flog von Mund zu Mund durch die Bankreihen, eine Brise aus Hoffnung und Angst. Revolvermänner, Revolvermänner im Westen, aus Mittwelt gekommen. Und es stimmte, Gott helfe ihnen. Arthur Elds letzte tödliche Nachkommen, die sich entlang dem Pfad des Balkens auf Calla Bryn Sturgis zubewegten. Ka wie ein Wind.“

In der Calla werden schon immer überdurchschnittlich viele Zwillinge geboren. Einmal in jeder Generation wird das Dorf von sogenannten „Wölfen“, Reitern auf grauen Pferden mit Wolfsmasken, überfallen, die jeweils eines der Zwillingskinder mitnehmen. Diese werden nach einiger Zeit wieder in das Dorf zurückgeschickt, sind jedoch fast sämtlicher geistigen Fähigkeiten beraubt. Zum Zeitpunkt der Ankunft von Roland und seinen Freunden erfahren die Dorfbewohner, dass der nächste Überfall der Wölfe im nächsten Monat stattfinden wird. Ein Großteil des Romans schildert auf dieser Handlungsebene wie sich Roland und seine Freunde mit den Bewohnern von Calla Bryn Sturgis vertraut machen sowie die Vorbereitungen auf den Kampf gegen die Wölfe. Continue Reading

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5 + 1 kurze Fragen an die Buchhändlerin: Zum Buchpreis und dem Buchhandel

Der Deutsche Buchpreis wurde unter anderem ins Leben gerufen, um die Aufmerksamkeit der Leser auf neue deutschsprachige Literatur zu lenken. Mich interessiert, ob dieses Konzept bisher aufgegangen ist, daher habe ich Buchhändlerin Christina Esch, Inhaberin der Düsseldorfer Buchhandlung Lesezeit hierzu ein paar kurze Fragen gestellt:

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Spielt der Deutsche Buchpreis in ihrer Buchhandlung und bei ihrer Kundschaft eine Rolle?

Ja. Wir haben doch einige Kunden, die sich für den Deutschen Buchpreis interessieren. Speziell dann natürlich für den Preisträger.

Haben die Titel der Longlist in den vergangenen Jahren eine spürbare Umsatzausweitung für ihre Buchhandlung gebracht?

Die Titel der Longlist machen sich im Umsatz nicht großartig bemerkbar. Erst der Preisträger wird dann in einer höheren Stückzahl verkauft. Wobei es auch da auf den Gewinner-Titel ankommt. Im letzten Jahr war die Begeisterung der Kunden doch sehr verhalten, was warscheinlich auch mit dem Umfang des Titels zu tun hatte.

Kennen Sie einen oder mehrere Titel der aktuellen Longlist? Können Sie bestimmte Titel empfehlen bzw. warnen Sie vor bestimmten Titeln?

Mein Favorit für den diesjährigen Preis ist „Hool“ von Philipp Winkler. Eine, wie ich finde, sehr ungewöhnliche Nominierung.

Haben Sie ein bestimmtes Buch, das sie gerne auf der Longlist gesehen hätten?

Nein.

Welchem aktuellen Buch, unabhängig vom deutschen Buchpreis, würden Sie mehr Aufmerksamkeit wünschen?

Spontan fällt mir keines ein.

Abschließend eine Frage speziell zum Buchmarkt in Düsseldorf: Mit der Schließung des Stern-Verlags musste die literarische Szene in Düsseldorf dieses Jahr einen großen Verlust verkraften. Müssen die Düsseldorfer sich weiterhin Sorgen machen um den stationären Buchhandel oder ist dieser mittlerweile im Kampf gegen die Internethändler gut aufgestellt?

Ich kann nur für unsere Buchhandlung sprechen. Wir machen uns keine großen Sorgen im Moment. Unsere Kunden sind sich sehr wohl bewusst, was es bedeutet, wenn immer mehr Käufe im Internet getätigt werden. Und sehr oft bekommen wir auch gesagt, was Sie so an uns schätzen. Das freut uns natürlich sehr und spornt uns an immer weiter zu machen und unseren Service weiter zu verbessern. Durch die Internetkäufe schließen ja nicht nur die Buchhandlungen, auch viele andere Geschäfte sind davon betroffen. Das sieht man ganz deutlich in Teilen der Innenstadt. Das Stadtbild ist hauptsächlich von Ketten geprägt, die man in jeder andere Stadt auch findet. Und wie lange sich diese, vor allem Bekleidungsgeschäfte, in Konkurrenz zu Zalando und Co. noch halten können, wer weiß. Wie sehen dann unsere Städte in der Zukunft aus?  Das ist allerdings ein Thema über das Sie einen ganz eigen Beitrag schreiben könnten, so viel gäbe es dazu zu sagen.

Sehr geehrte Frau Esch, vielen Dank für das Gespräch!

Alle Titel der Longlist gibt es natürlich in der Lesezeit (auch online-Bestellung möglich) oder dem Buchhändler eures Vertrauens.

Weitere Buchhändlerstimmen zum Buchpreis hat Sophie Weigand vom Blog Literaturen eingefangen den Artikel gibt es hier.

Wie sind eure Erfahrungen zum Deutschen Buchpreis? Spielt dieser unter euren Freunden, Bekannten eine Rolle und falls ihr Buchhändler seid: Ist der Buchpreis in eure Buchhandlung ein Thema? Lasst mir gerne eure Kommentare da.

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Der Deutsche Buchpreis 2016 – Update #1

Long- und Shortlist und was sich sonst noch so getan hat im Netz

Seit 20.09.2016 stehen die sechs Titel der Shortlist fest. Sowohl über diese Bücher, als auch über die übrigen Titel der Longlist wurde im Netz ausführlich berichtet. Trotzdem möchte ich hier nochmal alle wesentlichen Informatione zusammentragen. Zunächst möchte ich euch einige Seiten vorstellen, die Beschreibungen, Rezensionen und Informationen rund um den Buchpreis bereitstellen. Da wäre natürlich zunächst der Inernetauftritt des Deutschen Buchpreises selber, der wirklich sehr gut gemacht Informationen zu allen 20 Titeln zusammenträgt. Dort sind Inhaltsbeschreibungen, Cover und sogar Hörproben zu den einzelnen Büchern zu finden. Dort wird man auch fündig, wenn man Fotos der Autoren sowie die Links zu den Verlagen sucht. Zu den Titeln der Shortlist ist jeweils ein Kommentar der Jury enthalten.

Was mir als Blogger völlig unverständlich ist, ist die Tatsache dass auf der Internetseite des Buchpreises kein Hinweis oder eine Verlinkung zu den begleitenden „offiziellen“ Buchpreisbloggern zu finden ist. Wer hier also nicht dem Facebook-Account des Buchpreises oder des jeweiligen Blogger folgt, hat kaum eine Chance diese Seiten zu finden. Schade, denn ich bin mir sicher, auch die offiziellen Blogger stecken viel Zeit und Liebe in dieses Projekt (die Links zu diesen Bloggern findet ihr auch in meinem ersten Bericht zum Buchpreis hier).  So liegt die Vermutung nahe, dass diese Blogger wieder hauptsächliche nur für Blogger schreiben.

Man sollte sich daher auch unbedingt die Seite des von Mara Giese ins Leben gerufenen Buchpreisblog merken.  Dieser ist ein vom Börsenverein und dem Deutschen Buchpreis unabhängiger Blog, der jetzt und künftig Rezensionen, Informationen und allerlei Hintergrundmaterial zum Deutschen Buchpreis (und eventuell auch weiteren Buchpreisen) zusammenträgt. Für dieses Projekt haben sich die Blogs von buzzaldrins.de (Mara Giese),  Zeichen und Zeiten (Constanze Matthes), Pinkfisch (Sarah Reul),  Zeilensprünge (Gerrit ter Horst und Tabitha van Hauten),  54books (Tilman Winterling) und Das graue Sofa (Claudia Pütz) zusammengetan. Bisher sind dort schon einige lesenswerte Artikel erschienen, also unbedingt vorbeischauen.

Die Buchbloggerin sammelt auf ihrem Blog alle Rezensionen von Bloggern zu den Titeln der Longlist, dort wird man also auch fündig.

Malte Bremer (literaturcafe.de) fasst die Leseeindrücke der zwanzig Leseproben sehr treffend in einer fünfteiligen Reihe auf literaturcafe.de zusammen.

Einen Überblick über Besprechungen in den verschiedenen Presseorgane findet man wie immer bei perlentaucher.de.

Und hier sind sie: die Titel der Shortlist

Die Inhaltsbeschreibungen stammen von den jeweiligen Verlagen

Thomas Melle: Die Welt im Rücken

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«Wenn Sie bipolar sind, hat Ihr Leben keine Kontinuität mehr. Die Krankheit hat Ihre Vergangenheit zerschossen, und in noch stärkerem Maße bedroht sie Ihre Zukunft. Mit jeder manischen Episode wird Ihr Leben, wie Sie es kannten, weiter verunmöglicht. Die Person, die Sie zu sein und kennen glaubten, besitzt kein festes Fundament mehr. Sie können sich Ihrer selbst nicht mehr sicher sein. Und Sie wissen nicht mehr, wer Sie waren. Was sonst vielleicht als Gedanke kurz aufleuchtet, um sofort verworfen zu werden, wird im manischen Kurzschluss zur Tat. Jeder Mensch birgt wohl einen Abgrund in sich, in welchen er bisweilen einen Blick gewährt; eine Manie aber ist eine ganze Tour durch diesen Abgrund, und was Sie jahrelang von sich wussten, wird innerhalb kürzester Zeit ungültig. Sie fangen nicht bei null an, nein, Sie rutschen ins Minus, und nichts mehr ist mit Ihnen auf verlässliche Weise verbunden.»
Thomas Melle leidet seit vielen Jahren an der manisch-depressiven Erkrankung, auch bipolare Störung genannt. Nun erzählt er davon, erzählt von persönlichen Dramen und langsamer Besserung – und gibt einen außergewöhnlichen Einblick in das, was in einem Erkrankten so vorgeht. Die fesselnde Chronik eines zerrissenen Lebens, ein autobiografisch radikales Werk von höchster literarischer Kraft.

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Bodo Kirchhoff: Widerfahrnis

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Reither, bis vor kurzem Verleger in einer Großstadt, nun in einem idyllischen Tal am Alpenrand, hat in der dortigen Bibliothek ein Buch ohne Titel entdeckt, auf dem Umschlag nur der Name der Autorin, und als ihn das noch beschäftigt, klingelt es abends bei ihm. Und bereits in derselben Nacht beginnt sein Widerfahrnis und führt ihn binnen drei Tagen bis nach Sizilien. Die, die ihn an die Hand nimmt, ist Leonie Palm, zuletzt Besitzerin eines Hutgeschäfts; sie hat ihren Laden geschlossen, weil es der Zeit an Hutgesichtern fehlt, und er seinen Verlag dichtgemacht, weil es zunehmend mehr Schreibende als Lesende gibt. Aber noch stärker verbindet die beiden, dass sie nicht mehr auf die große Liebe vorbereitet zu sein scheinen. Als dann nach drei Tagen im Auto am Mittelmeer das Glück über sie hereinbricht, schließt sich ihnen ein Mädchen an, das kein Wort redet, nur da ist …

Kirchhoff erzählt in seiner großartigen Novelle von der Möglichkeit einer Liebe sowie die Parabel von einem doppelten Sturz: in die Liebe, ohne ausreichend lieben zu können, und in das Mitmenschliche, ohne ausreichend gut zu sein. »Aber wo wären wir ohne etwas Selbstüberschätzung«, sagt der Protagonist Reither, um sich Mut zu machen für den ersten Kuss mit Leonie Palm, »jeder wäre nur in seinem Gehäuse, ein Flüchtling vor dem Leben.«

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Philipp Winkler: Hool

Winkler-Hool-SUJeder Mensch hat zwei Familien. Die, in die er hineingeboren wird, und die, für die er sich entscheidet. HOOL ist die Geschichte von Heiko Kolbe und seinen Blutsbrüdern, den Hooligans. Philipp Winkler erzählt vom großen Herzen eines harten Jungen, von einem, der sich durchboxt, um das zu schützen, was ihm heilig ist: Seine Jungs, die besten Jahre, ihr Vermächtnis. Winkler hat einen Sound, der unter die Haut geht. Mit HOOL stellt er sich in eine große Literaturtradition: Denen eine Sprache zu geben, die keine haben.

Einen so knallharten, tieftraurigen und todkomischen Debütroman hat es seit Clemens Meyers „Als wir träumten“ in Deutschland nicht mehr gegeben. Thomas Klupp

Winkler schreibt bewegend, kraftvoll und mit feinem Gespür für die Welt der Außenseiter. Denn eigentlich ist Heiko Kolbe ein hoffnungsloser Romantiker und seine Gewalt ein stummer Schrei nach Liebe. Moritz Rinke

Woher kommt die Wut, was tust du, wenn dir nichts geblieben ist? Verzweifelt, knallhart und voller Herz. HOOL leuchtet aus allen Wunden.

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