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Oktober 2017

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#Buchpassion Edition Lieblingsschriftstellerin – Patricia Highsmith

„Ich bin neugierig auf diesen ewig unzufriedenen Teil im Menschen, der immer etwas anderes sein will. Darüber will ich als nächstes schreiben.“ (Patricia Highsmith in ihrem Notizbuch, 7.6.1949)

Janine Rumrich vom Blog Kapri-zioes hat auch in diesem Jahr wieder dazu aufgerufen, an ihrer Aktion #buchpassion teilzunehmen. Dieses Jahr steht die Aktion unter dem Motto „Lieblingsschriftstellerinnen und -schriftsteller“ und diese Gelegenheit möchte ich nutzen um euch eine meiner Lieblingsschriftstellerinnen, Patricia Highsmith, vorzustellen.

Die Faszination Highsmith

Doch zunächst ein paar Worte um zu versuchen zu erklären, warum mich diese Autorin und ihr Werk so faszinieren. In ihren Romanen wirft Patricia Highsmith einen Blick in die dunklen Abgründe der menschlichen Natur, die wohl in jedem von uns schlummern. Manchmal bedarf es lediglich eines zufälligen Zusammentreffens unglücklicher Umstände oder Personen, damit diese dunkle Seite das Handeln der Menschen bestimmt. In ihren Romanen geht es fast immer auch um Verbrechen, allerdings interessieren die Autorin im Wesentlichen die Umstände, die zu diesen Taten geführt haben, weniger deren Aufklärung. Sie entwickelt Personen und Handlungsstränge so, dass ein Verbrechen oft nicht genau geplant, sondern eher zufällig passiert und den Umständen geschuldet ist. Ihr Meisterstück und ihren bekanntesten Roman hierzu liefert sie mit dem Buch „Der talentierte Mr. Ripley“ ab. Hier gelingt der Autorin das Kunststück, dass der Leser tatsächlich Sympathien für den Titelhelden, einen Betrüger und Mörder, entwickelt. Man kann ihre psychologischen Romane durchaus auch als spannend bezeichnen, es sind jedoch keine blutrünstigen Thriller, vielmehr herrscht in vielen ihrer Romane eine anfangs unbestimmte, bedrohliche Stimmung vor, für die es im Englischen den so treffenden Begriff „Suspense“ gibt und den auch der Regisseur ihrer ersten Romanverfilmung, Alfred Hitchcock, so großartig behersschte.

Leben und Werk

Patricia Highsmith wurde am 19. Januar 1921 in Fort Worth, Texas geboren, wo sie die ersten Jahre ihrer Kindheit verbrachte. 1927 zog sie mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater nach New York, wo sie bis 1938 die Schule und anschließend das renomierte Barnard College besuchte, wo sie Englische Literaturwissenschaft studierte.

Filmplakat der Hitchcock-Verfilmung (Quelle: wikipedia)

Schon in ihrer früher Jugend liest sie Werke von Dickens und mehrfach Dostojewskis „Schuld und Sühne“. Den nachhaltigsten Einfluss auf ihr späteres Werk hatte aber wohl die Lektüre des Buchs The Human Mind von Karl Menninger, einer Sammlung populärwissenschaftlicher Studien über abnorme menschliche Verhaltensweisen. „Ich erkannte, dass der Mann oder die Frau nebenan eine sonderbare Geisteskrankheit haben konnte, ohne daß ich es ihnen ansähe.“ Weitere wichtige Einflüsse waren die Werke von Edgar Allan Poe und Joseph Conrad. Bereits während ihrer Studienzeit veröffentlicht sie erste Kurzgeschichten im College-Magazin „Barnard Quarterly“. Nach Abschluss ihres Studiums ist sich Patricia Highsmith noch nicht sicher, ob sie sich weiterhin dem Schreiben oder doch lieber dem Malen widmen soll, für das sie auch eine Begabung hat. Sie nimmt vorerst einen Job beim Verlag Fawcett an, wo sie Entwürfe und später auch vollständige Handlungen zu Comicgeschichten entwirft. Diese frühen Verbindungen zur Comic-Industrie versucht sie später immer aus ihren biografischen Daten zu entfernen, daher sind aus dieser Zeit kaum Fakten zu ihrem Schaffen bekannt. Ihre anderen Erlebnisse und Gedanken zeichnete sie jedoch minutiös in zahlreichen Notizbüchern, von ihr Cahiers genannt, auf, eine wahre Fundgrube für spätere Biographen, wie man an der umfangreichen Biographie „Die talentierte Miss Highsmith“ von Joan Schenkar sehen kann. Continue Reading