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5 + 1 kurze Fragen an die Buchhändlerin: Zum Buchpreis und dem Buchhandel

Der Deutsche Buchpreis wurde unter anderem ins Leben gerufen, um die Aufmerksamkeit der Leser auf neue deutschsprachige Literatur zu lenken. Mich interessiert, ob dieses Konzept bisher aufgegangen ist, daher habe ich Buchhändlerin Christina Esch, Inhaberin der Düsseldorfer Buchhandlung Lesezeit hierzu ein paar kurze Fragen gestellt:

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Spielt der Deutsche Buchpreis in ihrer Buchhandlung und bei ihrer Kundschaft eine Rolle?

Ja. Wir haben doch einige Kunden, die sich für den Deutschen Buchpreis interessieren. Speziell dann natürlich für den Preisträger.

Haben die Titel der Longlist in den vergangenen Jahren eine spürbare Umsatzausweitung für ihre Buchhandlung gebracht?

Die Titel der Longlist machen sich im Umsatz nicht großartig bemerkbar. Erst der Preisträger wird dann in einer höheren Stückzahl verkauft. Wobei es auch da auf den Gewinner-Titel ankommt. Im letzten Jahr war die Begeisterung der Kunden doch sehr verhalten, was warscheinlich auch mit dem Umfang des Titels zu tun hatte.

Kennen Sie einen oder mehrere Titel der aktuellen Longlist? Können Sie bestimmte Titel empfehlen bzw. warnen Sie vor bestimmten Titeln?

Mein Favorit für den diesjährigen Preis ist „Hool“ von Philipp Winkler. Eine, wie ich finde, sehr ungewöhnliche Nominierung.

Haben Sie ein bestimmtes Buch, das sie gerne auf der Longlist gesehen hätten?

Nein.

Welchem aktuellen Buch, unabhängig vom deutschen Buchpreis, würden Sie mehr Aufmerksamkeit wünschen?

Spontan fällt mir keines ein.

Abschließend eine Frage speziell zum Buchmarkt in Düsseldorf: Mit der Schließung des Stern-Verlags musste die literarische Szene in Düsseldorf dieses Jahr einen großen Verlust verkraften. Müssen die Düsseldorfer sich weiterhin Sorgen machen um den stationären Buchhandel oder ist dieser mittlerweile im Kampf gegen die Internethändler gut aufgestellt?

Ich kann nur für unsere Buchhandlung sprechen. Wir machen uns keine großen Sorgen im Moment. Unsere Kunden sind sich sehr wohl bewusst, was es bedeutet, wenn immer mehr Käufe im Internet getätigt werden. Und sehr oft bekommen wir auch gesagt, was Sie so an uns schätzen. Das freut uns natürlich sehr und spornt uns an immer weiter zu machen und unseren Service weiter zu verbessern. Durch die Internetkäufe schließen ja nicht nur die Buchhandlungen, auch viele andere Geschäfte sind davon betroffen. Das sieht man ganz deutlich in Teilen der Innenstadt. Das Stadtbild ist hauptsächlich von Ketten geprägt, die man in jeder andere Stadt auch findet. Und wie lange sich diese, vor allem Bekleidungsgeschäfte, in Konkurrenz zu Zalando und Co. noch halten können, wer weiß. Wie sehen dann unsere Städte in der Zukunft aus?  Das ist allerdings ein Thema über das Sie einen ganz eigen Beitrag schreiben könnten, so viel gäbe es dazu zu sagen.

Sehr geehrte Frau Esch, vielen Dank für das Gespräch!

Alle Titel der Longlist gibt es natürlich in der Lesezeit (auch online-Bestellung möglich) oder dem Buchhändler eures Vertrauens.

Weitere Buchhändlerstimmen zum Buchpreis hat Sophie Weigand vom Blog Literaturen eingefangen den Artikel gibt es hier.

Wie sind eure Erfahrungen zum Deutschen Buchpreis? Spielt dieser unter euren Freunden, Bekannten eine Rolle und falls ihr Buchhändler seid: Ist der Buchpreis in eure Buchhandlung ein Thema? Lasst mir gerne eure Kommentare da.

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4 Comments

  • Reply Silvia 2. Oktober 2016 at 23:15

    Bei meinen Bekannten spielt der Buchpreis keine Rolle. Gestern war ich in einer örtlichen unabhängigen Buchhandlung. Dort waren soweit alle Longlist Bücher vorhanden, aber nicht zusammen auf einem Tisch. Ich habe mir den neuen Melle gekauft, dieses Buch hätte ich ohne die Berichterstattung um den Buchpreis sicher nicht gekauft.

  • Reply Thomas 3. Oktober 2016 at 12:00

    Hallo Silvia,
    danke für die Informationen. In meinem Bekanntenkreis spielt der Buchpreis auch kaum eine Rolle. Vermutlich wird das von den meisten Lesern als zu „intellektuell“ angesehen, was schade ist, da bei 20 Titeln eigentlich für fast jeden Geschmack etwas dabei ist. Den Melle möchte ich auch unbedingt noch lesen, da mich das Thema interessiert. Hool ist auch gerade eingezogen.
    Liebe Grüße
    Thomas

  • Reply Eva 6. Oktober 2016 at 14:07

    Es ist ja leider so, dass sich wirklich nur die Büchermenschen überhaupt für die Nominierungen interessieren. Die Aufmerksamkeit bei den weniger bibliophilen ist einfach selten da. Und wer nur selten in eine Buchhandlung geht, kann auch keine persönliche Beziehung aufbauen und klickt dafür schneller mal im Netz auf Bestellen. Einige Buchhändler haben ja darum auch Internetpräsenzen mit Einkaufsmöglichkeit aufgebaut. Dabei ist es doch gerade für die Menschen, die nicht so viele Bücher lesen wichtig, mal in das Buch richtig reinlesen zu können. Da kann das Netz einfach nicht mithalten. Und am Ende werden dann nur noch bekannte Bücher aus dem Großverlag gekauft – die kleinen Titel, Verlage, Autoren und Buchhandlungen haben das Nachsehen. Aber auch der „kleine“ Leser!

    • Reply Thomas 6. Oktober 2016 at 22:25

      Hallo Eva,
      ja, derzeit scheint es wohl noch so zu sein, dass sich die Leser für den Buchpreis interessieren, die sowieso schon viel lesen. Da muss vielleicht auch der Börsenverein etwas an der Marketingarbeit ändern. Bücher abseits der Bestsellerlisten bekannt machen – das sehe ich auch als eine Aufgabe von Bücherblogs an, das ist in meinen Augen eine gute Möglichkeit auch mal andere Literatur kennen zu lernen. Um dann letztendlich auch die Nicht- und Wenigleser zu erreichen ist in den nächsten Jahren Kreativität gefragt, bin gespannt, welche Möglichkeiten sich da noch so auftun.
      Liebe Grüße
      Thomas

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