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Thomas

Rezension

Patricia Highsmith – Leute, die an die Tür klopfen

In dem Roman aus dem Jahre 1983 zeigt uns Patricia Highsmith wohin religiöser Fanatismus führen kann und zeichnet ein Portrait des Lebens in der amerikanischen Provinz, das im Rahmen der Berichterstattung zu den Wählern Donald Trumps erschreckend aktuell erscheint.

Inhalt

Der siebzehnjährige Arthur Alderman lebt mit seinen Eltern und seinem zwei Jahre jüngeren Bruder in einer amerikanischen Kleinstadt. Der Vater arbeitet als Versicherungsagent, die Mutter gibt die perfekte Hausfrau – eine typische amerikanische Durchschnittsfamilie. Eines Tages erkrankt Arthurs jüngerer Bruder Robbie schwer und er wird ins Krankenhaus eingeliefert, wo die Ärzte den besorgten Eltern nicht viel Hoffnung machen. Als Robbie dann doch wieder gesund wird, glaubt Arthurs Vater an ein Wunder. Er verfällt in eine Art religösen Wahn und steckt fortan alle Energie in die Arbeit in einer christliche Sekte.

„Und so ging dieser Sonntag in Arthurs Gedächtnis als der Tag ein, an dem sein Vater Gott fand – an dem er ‚wiedergeboren wurde‘, wie sein Vater ausdrückte.“ (Seite 37)

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Was liest du?

Tobi vom wunderschönen Blog Lesestunden ist auf der dringenden Suche nach Lesetipps und hat daher einen umfangreichen Fragebogen zusammengestellt, die alle Interessierten beantworten können. Bisher ist schon eine schöne Anzahl an Tipps zusammengekommen. Wer Lust hat mitzumachen, schreibt einen eigenen Blogbeitrag oder antwortet direkt in den Kommentaren bei Tobis Beitrag. Vielleicht kann ja der eine oder andere Leser dort noch ein paar interessante Tipps mitnehmen, ich bin schon wieder fündig geworden 😉

Und hier kommen die Fragen:

Ok, es geht ganz einfach los. Was ist dein absolutes Lieblingsbuch?

Eine schwierige Frage, vermutlich „Der Name der Rose“ von Umberto Eco

Okay: Welche fünf Bücher sind deine absoluten Lieblingsbücher?

Neben dem oben genannten:

  • Charles Dickens: Bleak House
  • Michael Ende: Die unendliche Geschichte
  • J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe
  • Stephen King: Es
  • Patricia Highsmith: Der talentierte Mr. Ripley

 

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Rezension

Marlon James – Eine kurze Geschichte von sieben Morden

„Fürs Töten braucht man nicht unbedingt einen Grund. Wir sind hier im Getto. Reiche Leute haben Gründe. Wir haben den Wahnsinn.“ (Seite 26)

Als Leser sollte man sich vom Titel des Romans nicht in die Irre leiten lassen. Das 2015 mit dem englischen Man Booker Prize ausgezeichnete Werk von Marlon James ist weder kurz, noch sind es „nur“ sieben Morde, die in dem Roman geschildert werden. Auf 864 Seiten gibt uns der Autor einen Einblick in die dramatische Geschichte des Inselstaats Jamaika.

Geschichtlicher Hintergrund

Um die Ereignisse schon am Anfang des Romans richtig einordnen zu können ist es hilfreich ein paar Fakten über die Geschichte Jamaikas zu kennen: Die Insel war bis 1962 eine britische Kolonie. Nach der Unabhängigkeit übernahm die konservative „Jamaican Labor Party“ (JLP) die Regierungsgeschäfte, führte das Land aber aufgrund von Misswirtschaft in eine wirtschaftliche Abwärtsspirale. Korruption greift in großen Teilen der Politik um sich, es herrscht eine ständig steigende Arbeitslosigkeit und insbesondere in der Hauptstadt Kingston nimmt die Verelendung immer größere Ausmaße an. Die Straßen in den riesigen Gettos der Insel werden von rivalisierenden Gangs beherrscht, die in ihren Gebieten mit brutaler Gewalt gegen ihre Gegner vorgehen. Täglich kommt es zu Todesopfern bei diesen Bandenkriegen. Dabei werden sie von den verschiedenen politischen Gruppierungen unterstützt.

„So etwas wie Frieden gibt es im Getto nicht. Es gibt nur diese Tatsache: Ich kann dich töten, du kannst mich töten, also herrscht Gleichstand“ (Seite 527)

Ab 1968 wird die Not in der Bevölkerung so groß, dass es zu Demonstrationen und gewaltsamen Unruhen kommt. Zu dieser Zeit entwickelt sich auch der Reggae und sein bekanntester Vertreter Bob Marley wurde auch international sehr populär.

Als politischer Gegenpol zur JLP organisierte sich die „People’s National Party“ (PNP) und gewinnt 1972 die Wahlen. Die vom Parteiführer Michael Manley verfolgte Politik des demokratischen Sozialismus nach kubanischem Vorbild ist den USA jedoch ein Dorn im Auge. Neben Fidel Castro auf Kuba möchte man keinen weiteren kommunistischen Führer auf Jamaika haben. Continue Reading

On the road, Rezension

Torsten Woywod – In 60 Buchhandlungen durch Europa (Buch und Lesung)

„Buchhandlungen machen jede Stadt ein bisschen schöner und jeden Tag ein bisschen besser.“ (Seite 6)

„Don’t dream it. Do it!“ ist ein vielbenutztes Bonmot, doch die wenigsten Menschen leben nach dieser Maxime. Ganz anders hat es Torsten Woywod, leidenschaftlicher Buchhändler aus Aachen, gemacht. Schon lange träumte er davon, einmal eine Reise zu den schönsten Buchhandlungen in Europa zu unternehmen. Als dann einige Reiseführer-Verlage von seinem Traum hörten und drei davon ihn mit einem Interrailticket unterstützten hat er nicht lange überlegt und ist nach einer sehr kurzen Vorbereitungszeit aufgebrochen um in 28 Tagen 12 Länder und 62 Buchhandlungen zu besuchen. Von dieser Reise berichtet sein Buch „In 60 Buchhandlungen durch Europa“. Continue Reading

Monatsrückblick

Monatsrückblick März 2017

Der März stand bei mir ganz im Zeichen der Buchmesse, daher kommt mein Rückblick mit etwas Verspätung.

Meine gelesenen Bücher im März:

Patricia Highsmith: Leute, die an die Tür klopfen
H.G. Wells: Die Zeitmaschine
Tad Williams: Das Herz der verlorenen Dinge
Charles Bukowski: Das Leben und Sterben im Uncle Sam Hotel Continue Reading

Rezension

Tad Williams – Das Herz der verlorenen Dinge

Knapp zwanzig Jahre ist es her, dass ich Tad Williams‘ vierbändige Fantasy-Saga „Das Geheimnis der großen Schwerter“ las. Die überaus detaillierte und spannend geschriebene Geschichte um den Küchenjungen Simon hat mich damals nachhaltig beeindruckt. Die epische Geschichte konnte sich meiner Meinung nach durchaus mit dem weltberühmten Vorbild Tolkien messen. Die Saga war damals eigentlich abgeschlossen, mit einer Fortsetzung konnte nicht gerechnet werden. Doch die jahrelangen Nachfragen der Fans haben Williams wohl doch überzeugt noch einmal in die von ihm erschaffene Welt „Osten Ard“ zurückzukehren. Continue Reading

On the road

Leipziger Buchmesse 2017 – Ein Bericht – Teil 3

Schöne Bücher, Liebeserklärungen an die Literatur und die Bloggerkonferenz – das Messe-Wochenende

Auch der Samstag und Sonntag waren vollgepackt mit interessanten Veranstaltungen rund um das Buch. Der Samstag ist traditionell der Messetag mit dem größten Besucherandrang. Man braucht also etwas Geduld um zu den jeweiligen Hallen zu kommen. Einige Autoren stehen für Gespräche und Signaturen an den Verlagsständen bereit (wie hier Benedict Wells am Diogenes-Stand) oder geben interessante Interviews wie beispielsweise Feridun Zaimoglu, hier im Gespräch mit Wolfgang Tischer von literaturcafe.de über seinen neuen Luther-Roman „Evangelio“ (Verlag Kiepenheuer & Witsch). Continue Reading

On the road

Leipziger Buchmesse 2017 – Ein Bericht – Teil 2

„So many books, so little time.“ Dieser Satz könnte eigentlich als Motto für die gesamte Messe gelten, es ist praktisch unmöglich alle interessanten Veranstaltungen zu besuchen. Am Freitag stand unter anderem das Bloggertreffen bei Diogenes auf dem Programm. Die Verlagsmitarbeiter stellten das Herbstprogramm vor und kündigten „den ein oder anderen Überraschungsgast“ an. Aufgeregte Frage einer Teilnehmerin: „Kommt der Benedict?“. Diogenes-Autor Benedict Wells kann sich also nicht nur an dem grandiosen Erfolg seines Romans „Vom Ende der Einsamkeit“ freuen (den ich aufgrund des Hypes immer noch nicht gelesen habe), sondern kann auch sicher sein, dass ihm die Herzen aller Leserinnen und Buchhändlerinnen zu Füßen liegen. Dieser kam dann aber nicht, dafür aber die Diogenes-Autoren Martin Suter und Chris Kraus, die ihre aktuellen Romane vorstellten und für kurze Fragen zur Verfügung standen. Continue Reading