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#Buchpassion Edition Lieblingsschriftstellerin – Patricia Highsmith

„Ich bin neugierig auf diesen ewig unzufriedenen Teil im Menschen, der immer etwas anderes sein will. Darüber will ich als nächstes schreiben.“ (Patricia Highsmith in ihrem Notizbuch, 7.6.1949)

Janine Rumrich vom Blog Kapri-zioes hat auch in diesem Jahr wieder dazu aufgerufen, an ihrer Aktion #buchpassion teilzunehmen. Dieses Jahr steht die Aktion unter dem Motto „Lieblingsschriftstellerinnen und -schriftsteller“ und diese Gelegenheit möchte ich nutzen um euch eine meiner Lieblingsschriftstellerinnen, Patricia Highsmith, vorzustellen.

Die Faszination Highsmith

Doch zunächst ein paar Worte um zu versuchen zu erklären, warum mich diese Autorin und ihr Werk so faszinieren. In ihren Romanen wirft Patricia Highsmith einen Blick in die dunklen Abgründe der menschlichen Natur, die wohl in jedem von uns schlummern. Manchmal bedarf es lediglich eines zufälligen Zusammentreffens unglücklicher Umstände oder Personen, damit diese dunkle Seite das Handeln der Menschen bestimmt. In ihren Romanen geht es fast immer auch um Verbrechen, allerdings interessieren die Autorin im Wesentlichen die Umstände, die zu diesen Taten geführt haben, weniger deren Aufklärung. Sie entwickelt Personen und Handlungsstränge so, dass ein Verbrechen oft nicht genau geplant, sondern eher zufällig passiert und den Umständen geschuldet ist. Ihr Meisterstück und ihren bekanntesten Roman hierzu liefert sie mit dem Buch „Der talentierte Mr. Ripley“ ab. Hier gelingt der Autorin das Kunststück, dass der Leser tatsächlich Sympathien für den Titelhelden, einen Betrüger und Mörder, entwickelt. Man kann ihre psychologischen Romane durchaus auch als spannend bezeichnen, es sind jedoch keine blutrünstigen Thriller, vielmehr herrscht in vielen ihrer Romane eine anfangs unbestimmte, bedrohliche Stimmung vor, für die es im Englischen den so treffenden Begriff „Suspense“ gibt und den auch der Regisseur ihrer ersten Romanverfilmung, Alfred Hitchcock, so großartig behersschte.

Leben und Werk

Patricia Highsmith wurde am 19. Januar 1921 in Fort Worth, Texas geboren, wo sie die ersten Jahre ihrer Kindheit verbrachte. 1927 zog sie mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater nach New York, wo sie bis 1938 die Schule und anschließend das renomierte Barnard College besuchte, wo sie Englische Literaturwissenschaft studierte.

Filmplakat der Hitchcock-Verfilmung (Quelle: wikipedia)

Schon in ihrer früher Jugend liest sie Werke von Dickens und mehrfach Dostojewskis „Schuld und Sühne“. Den nachhaltigsten Einfluss auf ihr späteres Werk hatte aber wohl die Lektüre des Buchs The Human Mind von Karl Menninger, einer Sammlung populärwissenschaftlicher Studien über abnorme menschliche Verhaltensweisen. „Ich erkannte, dass der Mann oder die Frau nebenan eine sonderbare Geisteskrankheit haben konnte, ohne daß ich es ihnen ansähe.“ Weitere wichtige Einflüsse waren die Werke von Edgar Allan Poe und Joseph Conrad. Bereits während ihrer Studienzeit veröffentlicht sie erste Kurzgeschichten im College-Magazin „Barnard Quarterly“. Nach Abschluss ihres Studiums ist sich Patricia Highsmith noch nicht sicher, ob sie sich weiterhin dem Schreiben oder doch lieber dem Malen widmen soll, für das sie auch eine Begabung hat. Sie nimmt vorerst einen Job beim Verlag Fawcett an, wo sie Entwürfe und später auch vollständige Handlungen zu Comicgeschichten entwirft. Diese frühen Verbindungen zur Comic-Industrie versucht sie später immer aus ihren biografischen Daten zu entfernen, daher sind aus dieser Zeit kaum Fakten zu ihrem Schaffen bekannt. Ihre anderen Erlebnisse und Gedanken zeichnete sie jedoch minutiös in zahlreichen Notizbüchern, von ihr Cahiers genannt, auf, eine wahre Fundgrube für spätere Biographen, wie man an der umfangreichen Biographie „Die talentierte Miss Highsmith“ von Joan Schenkar sehen kann.

Den großen Durchbruch hatte sie relativ früh, als Alfred Hitchcock ihren ersten Roman „Zwei Fremde im Zug“ verfilmte. Auch ihr zweiter veröffentlichter Roman „The Price of Salt“ wird ein großer Erfolg, da es in diesem jedoch um eine lesbische Liebesgeschichte mit glücklichem Ende geht – ein „Skandal“ im prüden Amerika der 1950er-Jahre – wird dieses Buch unter dem Pseudonym Claire Morgan veröffentlicht. Erst wenige Jahre vor ihrem Tod bekannte sich Highsmith auch offiziell zu diesem Roman, der dann unter dem Namen Carol veröffentlicht wurde.

Ihren bekanntesten Protagonisten und ihren wohl größten Erfolg erschuf sie in dem 1955 veröffentlichten Roman „Der talentierte Mr. Ripley“. In diesem nimmt der mittellose Tom Ripley die Identität seines Schulfreundes Dickie Greenleaf an, nachdem er von dessem Vater beauftragt wurde, ihn von seinem Dolce-Vita-Leben in Europa wieder zurück nach Amerika zu bringen. Hier führt eine Betrügerei zur nächsten und irgendwann pflastern die ersten Leichen den Weg von Tom Ripley. Hier macht Patricia Highsmith jedoch etwas für die damalige Literatur Unerhörtes: sie lässt ihren Täter davonkommen, am Ende ist der Leser erstaunlicherweise erleichtert, dass Tom nicht erwischt wurde. Es sollen noch vier weitere Romane um ihren Lieblingshelden folgen, für mich stehen sie dem Erstlingswerk in der Qualität kaum nach, alle sind äußerst lesenswert, aber das sind eigentlich alle ihre Romane und Kurzgeschichten.

Bis zu ihrem Tod am 04.02.1995 veröffentlichte die Autorin 22 Romane und zahlreiche Kurzgeschichten. Die seit 2002 erhältliche Werkausgabe aus dem Diogenes-Verlag umfasst 31 Bände. Hierfür wurden die Romane und Geschichten neu überarbeitet und teilweise neu übersetzt, die Herausgeber sind Paul Ingendaay und Anna von Planta, die auch jeweils interessante Nachworte und Ergänzungen den einzelnen Büchern hinzufügen.

Meine Empfehlungen für Neueinsteiger

Empfehlen kann ich auf jeden Fall die Ripley-Romane:

sowie die folgenden Romane und Kurzgeschichten:

Auf meinem Blog findet ihr Besprechungen zu „Carol“ und dem Roman „Leute, die an die Tür klopfen.

Ein besonderes Schmuckstück: Die Ausgabe der Büchergilde Gutenberg von „Der talentierte Mr. Ripley“ mit dreidimensionalen Illustrationen.

Sie hatte auch ein Talent für das Malen, einen schönen Einblick bekommt man in diesem Buch.

Alte Taschenbuchausgabe (links) von „Zwei Fremde im Zug“ mit der markanten Zeichnung von Tomi Ungerer sowie die Neuauflage der Werkausgabe.

Zahlreiche ihrer Romane wurden auch verfilmt, von den neueren Verfilmungen kann ich folgende empfehlen:

 

 

Ich hoffe, ich konnte etwas Lust auf die (Wieder-)Entdeckung dieser Autorin machen, lasst mir gerne Kommentare da.

Copyright des Beitragsfotos: Foto: © KEYSTONE/Picture-Alliance/Photoshot

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4 Comments

  • Reply Janine (@Kapri-zioes) 2. Oktober 2017 at 08:31

    Lieber Thomas,

    ich war schon seit Juni auf deinen Beitrag gespannt. Damals sagtest du bei der LitBlogConvention, dass du für deinen Artikel zu #buchpassion extra Bücher liest. Ich war überrascht – wie kann jemand für diese Aktion noch extra Bücher lesen? Aber natürlich habe ich mich auch gefreut, denn es schien dir Spaß zu machen. 🙂
    Bisher habe ich noch nichts von Patricia Highsmith gelesen, aber mit diesem Artikel hast du mich überzeugt, ihr eine Chance zu geben.

    Danke!
    Janine

  • Reply #Buchpassion – Edition: Lieblingsautorinnen und -autoren 2. Oktober 2017 at 09:15

    […] 1); Teil 2;Teil 3) Moony von Moonysblog Bianca von literatwo Thomas von Tommi und die Schmöker (#Buchpassion Edition Lieblingsschriftstellerin – Patricia Highsmith) Marny von Fantastische Bücherwelt (#Buchpassion. Edition Lieblingsautoren) Yvonne von Lecture of […]

  • Reply Janna | KeJas-BlogBuch 2. Oktober 2017 at 12:40

    Wow, ein wirklich toller Beitrag und so schön verbildlicht! Obendrauf noch mit Trailern und deine Begeisterung schwabbt beim lesen über *-*

    Hab einen entspannten Wochenstart!

  • Reply Rosa 3. Oktober 2017 at 17:36

    Lieber Thomas,

    ein wirklich toller Beitrag zur diesjährigen #buchpassion!!!

    Von Patricia Highsmith kenne ich nur den Roman „Der talentierte Mr. Ripley“, den ich großartig finde.

    Nach deinem sehr ansprechenden Artikel werde ich mir jetzt mal einen weiteren Ripley Roman vornehmen.

    Liebe Grüße

    Rosa

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