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Rezension

Rezension

Grégoire Hervier – Vintage

„Ich konnte mir den Künstler in seinem Studio vorstellen, wie er in der Stille der Nacht einem Phantom der Oper gleich der markerschütternden Verlorenheit seiner Seele Ausdruck verlieh. Und zwar in einer Musik, die sich jener Gitarre verdankte, die ich seit Monaten suchte.“ (Seite 319)

Mit „Vintage“ nimmt uns der französiche Autor Grégoire Hervier mit auf eine Reise in die Geschichte der Rockmusik und zu deren Ursprüngen. Eine äußerst unterhaltsame Mischung aus Kriminalroman, Abenteuergeschichte und Roadstory.

Inhalt

Bei dem Helden des Romans, Thomas Dupré, fünfundzwanzig Jahre alt und Rockgitarrist, lässt der musikalische Erfolg auf sich warten. Bis sich das ändert, verdient er seinen Lebensunterhalt mit unregelmäßig erscheinenden Artikeln in diversen Musikzeitschriften oder er hilft im Geschäft eines Freundes aus, der mit alten Vintage-Gitarren handelt und diese restauriert. Eines Tages erhält er das Angebot eine äußerst seltene Gitarre (eine Les Paul Goldtop von 1954) persönlich zu einem Kunden nach Schottland zu bringen. Da die Reiskosten vom Käufer bezahlt werden willigt er kurzerhand ein und steht einige Tage später schon vor dem Domizil des Käufers, welches auch ein geschichtsträchtiger Ort für Rock-Fans ist: Boleskine House, in den schottischen Highlands unweit von Loch Ness gelegen, war für einige Zeit das Zuhause von Rock-Legende Jimmy Page, der das Anwesen zur Anfangszeit von Led Zeppelin erworben hatte. Der aristokratische Besitzer des Anwesens ist begeistert von seiner Neuerwerbung und zeigt Dupré seine umfangreiche Sammlung historischer Rockgitarren und eröffnet ihm ein Geheimnis: Angeblich wurde die wertvollste Gitarre seiner Sammlung gestohlen – ein Original der legendären Gibson Moderne, von der viele Fachleute glauben, dass es diese Gitarre nie gegeben hat und deren Existenz lediglich eine Legende ist. Continue Reading

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Matt Thorne: Prince – Die Biografie / Prince: Purple Rain Deluxe Edition

Am 21.April 2016 starb einer der einflussreichsten und bedeutendsten Musiker unserer Zeit. Pünktlich zum ersten Todestag von Prince erschien am 28.04.2017 die deutsche Übersetzung der Biografie von Matt Thorne aus dem Jahre 2012, die vom Autor jetzt um ein postumes Kapitel erweitert wurde. In meinem Beitrag versuche ich zu erklären, für wen sich der Kauf lohnt und werfe einen Blick auf die kürzlich veröffentlichte Neuauflage seines wohl erfolgreichsten Albums Purple Rain.

Die Biografie

Jedem, der sich ein bisschen mit dem Leben und Werk von Prince beschäftigt hat, dürfte klar sein, dass es für einen Journalisten fast unmöglich war, etwas über den Menschen Prince zu erfahren. Er gab fast nie Interviews und in den seltenen Gesprächen, die tatsächlich stattfanden, hat er oft bewusst falsche und irreführende Antworten gegeben. Aus seiner Verachtung gegenüber der schreibenden Zunft hat er –zumindest zu Beginn seiner Karriere- keinen Hehl gemacht, er war der Meinung, dass der einzige Mensch der ihn verstehen konnte, er selber sei.

Umso erstaunlicher, dass es dem Journalisten, Kritiker und Autoren Matt Thorne über viele Jahre, in denen er über die Musik von Prince geschrieben hat, gelungen ist, trotzdem einen Zugang zu dieser schwierigen Persönlichkeit zu finden. Diese erschließt sich allerdings im Wesentlichen über sein gewaltiges musikalisches Werk. Continue Reading

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Fatma Aydemir – Ellbogen

„Elma wirkt immer wie die Stärkere, dabei ist es in Wahrheit ganz anders. Ihr Herz ist total anfällig, man kann es so leicht brechen. Wegen der Ellbogen, die uns das Leben reingerammt hat, immer wieder, und immer noch. Überall nur Ellbogen von denen, die stärker sind als wir.“ (Seite 165*)

Integration, Migrationshintergrund und die aktuelle politische Lage in der Türkei, das sind die Schlagworte, die mir beim Lesen des Klappentextes zu diesem Roman in den Sinn gekommen sind. Anhand des Schicksals der jungen Deutschtürkin Hazal schafft es Fatma Aydemir diese Punkte zu thematisieren ohne sie explizit anzusprechen. Continue Reading

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Patricia Highsmith – Leute, die an die Tür klopfen

In dem Roman aus dem Jahre 1983 zeigt uns Patricia Highsmith wohin religiöser Fanatismus führen kann und zeichnet ein Portrait des Lebens in der amerikanischen Provinz, das im Rahmen der Berichterstattung zu den Wählern Donald Trumps erschreckend aktuell erscheint.

Inhalt

Der siebzehnjährige Arthur Alderman lebt mit seinen Eltern und seinem zwei Jahre jüngeren Bruder in einer amerikanischen Kleinstadt. Der Vater arbeitet als Versicherungsagent, die Mutter gibt die perfekte Hausfrau – eine typische amerikanische Durchschnittsfamilie. Eines Tages erkrankt Arthurs jüngerer Bruder Robbie schwer und er wird ins Krankenhaus eingeliefert, wo die Ärzte den besorgten Eltern nicht viel Hoffnung machen. Als Robbie dann doch wieder gesund wird, glaubt Arthurs Vater an ein Wunder. Er verfällt in eine Art religösen Wahn und steckt fortan alle Energie in die Arbeit in einer christliche Sekte.

„Und so ging dieser Sonntag in Arthurs Gedächtnis als der Tag ein, an dem sein Vater Gott fand – an dem er ‚wiedergeboren wurde‘, wie sein Vater ausdrückte.“ (Seite 37)

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Rezension

Marlon James – Eine kurze Geschichte von sieben Morden

„Fürs Töten braucht man nicht unbedingt einen Grund. Wir sind hier im Getto. Reiche Leute haben Gründe. Wir haben den Wahnsinn.“ (Seite 26)

Als Leser sollte man sich vom Titel des Romans nicht in die Irre leiten lassen. Das 2015 mit dem englischen Man Booker Prize ausgezeichnete Werk von Marlon James ist weder kurz, noch sind es „nur“ sieben Morde, die in dem Roman geschildert werden. Auf 864 Seiten gibt uns der Autor einen Einblick in die dramatische Geschichte des Inselstaats Jamaika.

Geschichtlicher Hintergrund

Um die Ereignisse schon am Anfang des Romans richtig einordnen zu können ist es hilfreich ein paar Fakten über die Geschichte Jamaikas zu kennen: Die Insel war bis 1962 eine britische Kolonie. Nach der Unabhängigkeit übernahm die konservative „Jamaican Labor Party“ (JLP) die Regierungsgeschäfte, führte das Land aber aufgrund von Misswirtschaft in eine wirtschaftliche Abwärtsspirale. Korruption greift in großen Teilen der Politik um sich, es herrscht eine ständig steigende Arbeitslosigkeit und insbesondere in der Hauptstadt Kingston nimmt die Verelendung immer größere Ausmaße an. Die Straßen in den riesigen Gettos der Insel werden von rivalisierenden Gangs beherrscht, die in ihren Gebieten mit brutaler Gewalt gegen ihre Gegner vorgehen. Täglich kommt es zu Todesopfern bei diesen Bandenkriegen. Dabei werden sie von den verschiedenen politischen Gruppierungen unterstützt.

„So etwas wie Frieden gibt es im Getto nicht. Es gibt nur diese Tatsache: Ich kann dich töten, du kannst mich töten, also herrscht Gleichstand“ (Seite 527)

Ab 1968 wird die Not in der Bevölkerung so groß, dass es zu Demonstrationen und gewaltsamen Unruhen kommt. Zu dieser Zeit entwickelt sich auch der Reggae und sein bekanntester Vertreter Bob Marley wurde auch international sehr populär.

Als politischer Gegenpol zur JLP organisierte sich die „People’s National Party“ (PNP) und gewinnt 1972 die Wahlen. Die vom Parteiführer Michael Manley verfolgte Politik des demokratischen Sozialismus nach kubanischem Vorbild ist den USA jedoch ein Dorn im Auge. Neben Fidel Castro auf Kuba möchte man keinen weiteren kommunistischen Führer auf Jamaika haben. Continue Reading

On the road, Rezension

Torsten Woywod – In 60 Buchhandlungen durch Europa (Buch und Lesung)

„Buchhandlungen machen jede Stadt ein bisschen schöner und jeden Tag ein bisschen besser.“ (Seite 6)

„Don’t dream it. Do it!“ ist ein vielbenutztes Bonmot, doch die wenigsten Menschen leben nach dieser Maxime. Ganz anders hat es Torsten Woywod, leidenschaftlicher Buchhändler aus Aachen, gemacht. Schon lange träumte er davon, einmal eine Reise zu den schönsten Buchhandlungen in Europa zu unternehmen. Als dann einige Reiseführer-Verlage von seinem Traum hörten und drei davon ihn mit einem Interrailticket unterstützten hat er nicht lange überlegt und ist nach einer sehr kurzen Vorbereitungszeit aufgebrochen um in 28 Tagen 12 Länder und 62 Buchhandlungen zu besuchen. Von dieser Reise berichtet sein Buch „In 60 Buchhandlungen durch Europa“. Continue Reading

Rezension

Tad Williams – Das Herz der verlorenen Dinge

Knapp zwanzig Jahre ist es her, dass ich Tad Williams‘ vierbändige Fantasy-Saga „Das Geheimnis der großen Schwerter“ las. Die überaus detaillierte und spannend geschriebene Geschichte um den Küchenjungen Simon hat mich damals nachhaltig beeindruckt. Die epische Geschichte konnte sich meiner Meinung nach durchaus mit dem weltberühmten Vorbild Tolkien messen. Die Saga war damals eigentlich abgeschlossen, mit einer Fortsetzung konnte nicht gerechnet werden. Doch die jahrelangen Nachfragen der Fans haben Williams wohl doch überzeugt noch einmal in die von ihm erschaffene Welt „Osten Ard“ zurückzukehren. Continue Reading

On the road, Rezension

T.C. Boyle – Die Terranauten (Buch und Lesung)

Zwei Jahre. Vier Männer, vier Frauen. Nichts rein, nichts raus. 

Das ist das Motto unter dem das auf einem realen Vorbild basierende wissenschaftliche Experiment steht, um das es in dem neuesten Roman von T.C. Boyle geht.

Im Roman heißt das Unternehmen „Ecosphere 2“ in Anlehnung an das tatsächliche Vorbild „Biosphere 2“ und es soll dazu dienen herauszufinden, ob es möglich ist, ein von der Außenwelt unabhängiges, sich selbst erhaltendes Ökosystem zu schaffen. Man wollte hier Handlungsmöglichkeiten untersuchen, um auf etwaige globale Katastrophen reagieren zu können. Auch die NASA hatte Interesse an dem Projekt, da sie sich hieraus Erkenntnisse zu einer eventuellen Besiedelung fremder Planeten versprach. Continue Reading