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Rezension

Krimi, Rezension

Jax Miller – Freedom’s Child

„Meine Name ist Freedom Oliver, und ich habe meine Tochter getötet.“

So beginnt der Debut-Roman der amerikanischen Schriftstellerin Jax Miller und als Leser möchte man natürlich wissen: Ist das wirklich wahr? Wie kam es dazu? Ein starker Einstieg in einen starken Roman. Continue Reading

Rezension

Eleanor Catton – Die Gestirne

„Ich wollte einen Rätselkrimi schreiben, mit einem toten Mann im Zentrum und zwölf Verdächtigen drumherum. Dann wollte ich sieben Nebenfiguren, die sich erst nach und nach als Hauptdarsteller herausstellen. Dazu wollte ich eine Gerichtsszene wie in Die Brüder Karamasow“ (Eleanor Catton im Galore-Interview, Januar 2016)

Das war 2013 eine große Überraschung, als die damals 28-jährige Neuseeländerin Eleanor Catton für ihren zweiten Roman Die Gestirne mit dem renommierten englischen Man Booker Prize ausgezeichnet wurde. Damit war sie die jüngste ausgezeichnete Preisträgerin und legte mit ihrem Roman gleichzeitig das bisher umfangreichste Werk aller Preisträger vor. Seit November 2015 kommen auch deutsche Leser dank der tollen Übersetzung von Melanie Walz in den Genuss dieses Romans. Continue Reading

Rezension

Tim Parks – Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen

„Es ist schließlich nicht so, dass wir uns um das Überleben der Literatur sorgen müssten. Nie hat es so viele Bücher gegeben wie heute. Aber vielleicht wird es Zeit, dass die Bestie mit einem Warnhinweis über mögliche Gesundheitsgefährdungen versehen wird.“ (Tim Parks in seinem Vorwort)

Mit diesem Buch gibt uns der britische Autor Tim Parks einen tiefen Einblick in den Literaturbetrieb der heutigen Zeit, räumt mit einigen Vorurteilen auf, hinterfragt unser Leseverhalten und beleuchtet einige Mythen, die sich um Bücher, Autoren und das Schreiben ranken. Continue Reading

Rezension

Stephen King – Wolfsmond

Dies ist der fünfte Band aus Stephen Kings ursprünglich aus sieben Teilen bestehenden Zyklus um den dunklen Turm. Der Revolvermann Roland und sein „Ka-Tet“ (Schicksalsgemeinschaft), bestehend aus Eddie, Susannah, Jake und dem Billy-Bumbler „Oy“ ziehen auf dem Pfad des Balkens weiter in Richtung des dunklen Turms. Auf ihrem Weg treffen sie auf die Einwohner von Calla Bryn Sturgis, welche die Revolvermänner um Hilfe bitten.

„Inzwischen war in der Versammlungshalle ein Flüstern aufgekommen. Es flog von Mund zu Mund durch die Bankreihen, eine Brise aus Hoffnung und Angst. Revolvermänner, Revolvermänner im Westen, aus Mittwelt gekommen. Und es stimmte, Gott helfe ihnen. Arthur Elds letzte tödliche Nachkommen, die sich entlang dem Pfad des Balkens auf Calla Bryn Sturgis zubewegten. Ka wie ein Wind.“

In der Calla werden schon immer überdurchschnittlich viele Zwillinge geboren. Einmal in jeder Generation wird das Dorf von sogenannten „Wölfen“, Reitern auf grauen Pferden mit Wolfsmasken, überfallen, die jeweils eines der Zwillingskinder mitnehmen. Diese werden nach einiger Zeit wieder in das Dorf zurückgeschickt, sind jedoch fast sämtlicher geistigen Fähigkeiten beraubt. Zum Zeitpunkt der Ankunft von Roland und seinen Freunden erfahren die Dorfbewohner, dass der nächste Überfall der Wölfe im nächsten Monat stattfinden wird. Ein Großteil des Romans schildert auf dieser Handlungsebene wie sich Roland und seine Freunde mit den Bewohnern von Calla Bryn Sturgis vertraut machen sowie die Vorbereitungen auf den Kampf gegen die Wölfe. Continue Reading

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Thomas von Steinaecker – Die Verteidigung des Paradieses

„Solange ich schreibe, überleben wir.“ (Seite 155)

Der Deutsche Buchpreis hat bisher bei meiner Buchauswahl eher eine untergeordnete Rolle gespielt, dieses Jahr wollte ich mir bewusst die nominierten Bücher näher anschauen und die Leseproben haben meine Neugier auf einige Titel geweckt. Eine Dystopie hörte sich als Einstieg vielversprechend an, auf jeden Fall ist es für die Longlist ein eher ungewöhnliches Genre. Dass dieses Buch jedoch so viel mehr als Genreliteratur ist habe ich mit viel Freude bei der Lektüre dieses großartigen Romans herausgefunden.

Bereits das dem Roman vorangestellte Bibelzitat „Im Anfang war das Wort…“ lässt erahnen, dass den Leser ein Buch erwartet, bei dem es auch um die Bedeutung von Wörtern, Sprache und Literatur geht.

Deutschland in einer nicht allzu fernen Zukunft: Die schützende Ozonschicht um den Planeten hat sich aufgrund der Klimakatastrophe aufgelöst. Dörfer, Städte und Bevölkerung werden vor der lebensgefährlichen Strahlung von riesigen Schutzschirmen geschützt. Roboter haben einen Großteil der Arbeit übernommen, die Eliten bleiben in kleinen Luxusressorts unter sich. Continue Reading

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John Irving – Das Hotel New Hampshire

Manchmal lohnt es sich doch, einem abgebrochenen Buch eine zweite Chance zu geben. So erging es mir mit diesem Roman.

In dem 1981 erschienen Roman „Das Hotel New Hamphire“ erzählt John Irving die tragisch-skurrile Geschichte der Familie Berry. Diese besteht, ebenso wie das übrige, reichhaltige Personal in diesem Roman, aus so vielen ungewöhnlichen, bizarren  Charakteren, dass es bei anderen Schriftstellern vermutlich für fünf Romane gereicht hätte.

„Versteh doch“, erklärte mir Franny Jahre später, „wir sind nicht exzentrisch, wir sind nicht bizarr. Für einander“, sagte Franny, „sind wir so alltäglich wie Regen.“(Seite 233)

Die Berrys, das sind Vater Winslow „Win“, Mutter Mary, der Ich-Erzähler John, sowie seine beiden älteren Geschwister Franny und Frank und die beiden jüngeren Lily und Egg. Außerdem gehört noch Großvater Iowa-Bob, ein Bär namens State-o’Maine und der Familienhund Kummer dazu. Die Erzählung beginnt im Sommer 1939, wo sich Mary und Win bei einem Ferienjob im Strandhotel Arbuthnot-by-the-sea kennen und lieben lernen. Dort machen sie auch die erste Bekanntschaft mit dem Dompteur Freud (nein, nicht der Freud), der mit seinem Bären State-o’Maine Station im Hotel macht.

Die beiden gründen eine Familie, Win hat Freud jedoch versprochen ein Harvard-Student zu werden, was diesem auch gelingt. Sein großer Traum ist aber die Führung eines erfolgreichen Hotels und so kaufen sie kurzerhand eine ehemalige Mädchenschule und versuchen diese mehr schlecht als recht zu einem Hotel umzubauen. Immerhin gibt es jetzt das erste Hotel New Hamspshire.

„Aber mein Vater hatte zwei Illusionen: einmal glaubte er, Bären könnten ein Leben überstehen, wie es von Menschen geführt wird, und zum anderen bildete er sich ein, Menschen könnten ein Leben überstehen, wie es in Hotels geführt wird.“ (Seite 101)

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Owen Sheers – I saw a man

„Der Vorfall, der ihrer aller Leben veränderte, ereignete sich an einem Samstagnachmittag im Juni, kurz nachdem Michael Turner – in der Annahme, es sei niemand da – das Haus der Nelsons durch die Hintertür betreten hatte.“ (Erster Satz des Romans)

Das Buch beginnt wie ein klassischer Thriller mit einem Protagonisten, der die Tür des Nachbarhauses halb offen stehend vorfindet und vorsichtig das Haus betritt um herauszufinden, ob hier vielleicht Einbrecher am Werke sind. Der Roman erfüllt die Erwartung an einen Thriller zwar nicht, dennoch ist er unheimlich spannend zu lesen. Continue Reading

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Joël Dicker – Die Geschichte der Baltimores

Von Freundschaft, Liebe und anderen Katastrophen

Mit dem 2012 erschienen Roman Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert gelang dem Schweizer Joël Dicker der internationale Durchbruch als Schriftsteller, über drei Millionen Mal hat sich das Buch weltweit verkauft. Da lagen die Erwartungen an den Nachfolgeroman naturgemäß sehr hoch, Dicker scheint die Erwartungen jedoch zu erfüllen, in Frankreich gehörte Die Geschichte der Baltimores im letzten Jahr zu den erfolgreichsten Büchern. Die deutsche Übersetzung liegt seit 02.05.2016 im Piper Verlag vor.

Worum geht es? Der bereits aus dem Vorgänger bekannte Protagonist Marcus Goldman, inzwischen ein anerkannter amerikanischer Schriftsteller, zieht sich nach Florida zurück um in Ruhe an seinem neuen Roman zu arbeiten. Dort trifft er zufällig auf seine Jugendliebe Alexandra, die inzwischen eine Karriere als Sängerin gemacht hat. Jahrelang haben sich die beiden nicht gesehen und der Leser wird über die Trennungsgründe im Unklaren gelassen. Andeutungsweise erfährt man, dass eine „Katastrophe“ hierfür der Grund war. Um auch die für ihn traumatischen Erlebnisse dieser Katastrophe zu verarbeiten beschließt er seine Familiengeschichte zum Thema seines Romans zu machen.

Und so nimmt uns Marcus Goldman in Form von zahlreichen Rückblicken mit in die spannende Geschichte seiner Familie. Continue Reading