On the road

Die erste LitBlogConvention in Köln

Am Samstag, den 4. Juni 2016 fand in Köln die erste LitBlogConvention #LBC16 statt. Die fünf Kölner Verlage DuMont Buchverlag, DuMont Kalenderverlag, Egmont LYX/ INK, Kiepenheuer & Witsch und Bastei Lübbe haben das erste Event dieser Art im Kölner Verlagshaus des Bastei-Lübbe-Verlags in Köln organisiert.

„Was das ist? Die LitBlog Convention ist die erste Bloggerkonferenz in Köln, bei der es sich einen ganzen Tag lang ausschließlich um Literatur, die Verlagswelt, Autoren und das Bloggen dreht.“ (Von der Veranstaltungsseite)

Ob die Organisatoren die hohen Erwartungen der zahlreichen Blogger erfüllen konnten erfahrt ihr in meinem Bericht:

Bereits kurz vor der Leipziger Buchmesse wurde dieses Event angekündigt und fand in der Bloggerszene direkt großen Anklang, denn abseits der großen Buchmessen gibt es derzeit noch relativ wenig Möglichkeiten untereinander und mit den Verlagen ins Gespräch zu kommen. Daher waren die Karten für dieses Event auch innerhalb einer Stunde komplett ausverkauft. Glücklicherweise gab es noch eine Warteliste, über die ich dann noch eine Karte ergattern konnte.

Wie muss man sich so eine Convention konkret vorstellen? Den Kernpunkt des Events bildeten zahlreiche Workshops und Vorträge, die parallel in den fünf Veranstaltungsräumen des Verlagshauses stattfanden und jeweils maximal eine Stunde dauerten, danach konnte man in einen anderen Vortragsraum wechseln oder direkt im Raum bleiben. Da einige Räume nur für bis zu 20 Personen vorgesehen waren, konnten nicht alle Teilnehmer alle Wunschveranstaltungen besuchen. Hier hatte ich etwas Glück, da ich drei von vier Wunschveranstaltungen besuchen konnte. Darüber hinaus war dann meine „Ausweichveranstaltung“ mit dem Schriftsteller Jan Brandt höchst interessant. Sein neues Buch wandert direkt auf meine Wunschliste.

Der Veranstaltungsbeginn war mit der offiziellen Begrüßung für 13 Uhr geplant, da ich meine Anreise aber großzügig geplant hatte, war ich bereits um kurz nach 12 Uhr vor Ort und konnte noch bequem auf dem Verlagsgelände parken. Es waren auch schon einige Buchverrückte anwesend und nach freundlichem Empfang haben alle Teilnehmer von den Verlagsmitarbeitern erst mal eine gut gefüllte Goodie Bag erhalten. Die enthaltenen Bücher waren zwar eher auf das überwiegend weibliche Publikum abgestimmt, aber dafür sollte ich später anderweitig entschädigt werden (mehr dazu weiter unten…).

Jetzt hatte man Zeit für erste Gespräche, um Fotos zu schießen und die Atmosphäre zu genießen. Für Getränke und Kuchen war auch gesorgt worden, der Nachmittag konnte also kommen. Nach einer kurzen Vorstellung des Veranstaltungsteams und der offiziellen Begrüßung ging dann auch der „Run“ auf die Veranstaltungen los.

1. Veranstaltung: Wonach riecht Murakami? Ursula Gräfe und Annette Weber im Gespräch

Übersetzerin Ursula Gräfe "Der Leser muss den Autor so kennen lernen, wie er ist."

Übersetzerin Ursula Gräfe „Der Leser muss den Autor so kennen lernen, wie er ist.“

Direkt die erste Veranstaltung war schon ein Highlight für mich. Die Übersetzerin der Haruki Murakami-Bücher Ursula Gräfe erklärte zusammen mit Lektorin Annette Weber (Programmleitung Belletristik beim DuMont Buchverlag) die Fallstricke und Eigenheiten bei Literaturübersetzungen, was gerade die Übersetzer japanischer Literatur vor besondere Herausforderungen stellt. Im Workshop wurde das anhand eines konkreten Beispiels aufgezeigt. Das schon legendäre Buch Murakamis „Gefährliche Geliebte“ diente als gutes Anschauungsmaterial, führte es doch seinerzeit in seiner ersten Übersetzung (aus dem Amerikanischen) nach einer kontroversen Diskussion im Literarischen Quartett letztendlich zur Einstellung der Fernsehsendung mit Marcel Reich-Ranicki. Das Buch wurde dann 2013 in einer neuen Übersetzung durch Ursula Gräfe (diesmal direkt aus dem Japanischen) unter dem Titel „Südlich der Grenze, westlich der Sonne“ nochmals veröffentlicht. Der direkte Vergleich beider Übersetzungen zeigt hier doch erstaunliche, auch inhaltliche,  Unterschiede auf und macht klar, wie bedeutend der Einfluss des Übersetzers auf den Text ist.

Alte und neue Übersetzung von "Gefährliche Geliebte"

Alte und neue Übersetzung von „Gefährliche Geliebte“

Kleine Randnotiz: Der einzige bei DuMont verlegte Murakami-Titel, der noch in einer „alten“ Übersetzung aus dem Amerikanischen vorliegt ist „Mr. Aufziehvogel“, der nach Aussage der Lektorin darüber hinaus auch nur gekürzt vorliegt. Mit einer Neuübersetzung müssen sich Murakami-Fans aber wohl noch gedulden, denn zuerst steht ein neues Werk des Japaners zur Übersetzung an. Da dieses aber erst 2017 in Japan erscheint, werden die deutschen Leser es wohl nicht vor 2018 erwerben können. Danach kann vielleicht das Projekt Neuübersetzung Mr. Aufziehvogel angegangen werden.

Bei den Teilnehmern dieser Veranstaltung zeigte sich jetzt leider schon der erste Nachteil der engen Taktung der Workshop-Termine. Beide Vortragende wussten so interessant und kurzweilig zu erzählen, dass die Teilnehmer gerne noch länger geblieben wären.

2. Veranstaltung: Die vielleicht wahnsinnigste Metropole der Welt – Literarischer Städtebau mit Jan Brandt und Jan Valk

Autor Jan Brandt (li.): "Also habe ich mich in die Stadt reingeworfen."

Autor Jan Brandt (li.): „Also habe ich mich in die Stadt reingeworfen.“

Da die zweite Veranstaltung, die ich mir ausgeguckt hatte, bereits vollständig besetzt war, habe ich kurzfristig den Termin mit dem Autor Jan Brand und seinem Lektor bei DuMont Jan Valk wahrgenommen. Auch diese Veranstaltung war wieder hochinteressant.Jan Brandt: Stadt ohne Engel

Nach seinen ersten großen Erfolgen kam Jan Brandt in den Genuss eines dreimonatigen Aufenthaltsstipendiums in der renommierten „Villa Aurora“ im noblen  Pacific Palisades, einem Stadtteil von Los Angeles. Hier wollte er sich eigentlich ganz auf seinen großen Amerika-Roman konzentrieren, stellte aber fest, dass er in dem „Elfenbeinturm“ Pacific Palisades völlig den Bezug zur realen Welt verlor. Erfahrungsgemäß konnte Brandt am besten das beschreiben „was er selbst erlebt hat“ und so zog er mit einzelnen Angestellten der Villa Aurora los und erkundete die Stadt Los Angeles und seine Facetten. Seine Erlebnisse und Begegnungen mit den unterschiedlichsten Bewohnern dieser Riesenstadt verarbeitet er in Form von  Erzählungen und Reportagen, die voraussichtlich im September bei DuMont unter dem Titel „Stadt ohne Engel“ veröffentlicht werden. Die ersten Auszüge aus dem Buch hörten sich sehr vielversprechend an und ich bin gespannt, wie das Werk von den Lesern aufgenommen wird.

3. Veranstaltung: Mit anderen Worten  Literaturübersetzungen – was steckt alles dahinter? Mit Isabel Bogdan und Lektorin Helga Frese-Resch

Die Übersetzerinnen Ursula Gräfe und Isabel Bogdan

Die Übersetzerinnen Ursula Gräfe und Isabel Bogdan

Auch hier ging es wieder um das Thema Literaturübersetzungen und Isabel Bogdan und die Lektorin Helga Frese-Resch wussten sehr interessant hierüber zu berichten. Beispielsweise, dass „Übersetzer“ (genau wie „Lektorin“) kein geschützter Begriff ist, den man nach einer bestimmten Ausbildung erhält. Wer einen Text übersetzt, darf sich Übersetzer nennen. Üblicherweise haben jedoch die meisten Übersetzer Romanistik und / oder Anglistik (bzw. die jeweilige Sprache) studiert. Der Weg zur Lektorin führt meistens über ein Volontariat und die einzelnen Stationen in einem Verlagshaus.

Was mich etwas erschreckt hat, war die Aussage, dass mittlerweile viele ausländische Romane, gerade aus dem angelsächsischen und skandinavischen Gebiet, vor Veröffentlichung nicht mehr redigiert werden. Diese Aufgabe fällt dann den Lektoren der deutschen Verlage zu, die den Text dann erst mal von den gröbsten „Fehlern“ wie Wiederholungen, Continuity-Fehlern und falschen Metaphern befreien müssen.

Alles in allem wieder eine interessante Session, die einmal mehr gezeigt hat, dass die Arbeit des Übersetzers vielfach unterschätzt wird. Übrigens wurde bei der Gelegenheit auch klargestellt, dass man eine gute Übersetzung durchaus auch erkennen kann, ohne den Originaltext zu kennen. Denn die Qualität der Übersetzung zeigt sich hauptsächlich in der Verwendung und Beherrschung  der „Zielsprache“, also Deutsch. Liest man also einen guten deutschen Text, kann man davon ausgehen, dass dies hauptsächlich an der guten Arbeit des Übersetzers liegt.

 

4. Veranstaltung „Gibt es ein Rezept für Bestseller?“ Frank Schätzing und Verleger Helge Malchow im Gespräch

Verleger Helge Malchow "Der Lektor hilft dem Autor, das Buch zu schreiben, was er schreiben möchte."

Verleger Helge Malchow „Der Lektor hilft dem Autor, das Buch zu schreiben, was er schreiben möchte.“

Wie zu erwarten, hatte diese Veranstaltung die größte Nachfrage und der für fünfzig Teilnehmer ausgelegte Raum hatte sich schnell gefüllt. Glücklicherweise konnte ich einen der letzten Plätze ergattern.

Frank Schätzing Man merkt sogleich, dass die Beziehung zwischen Helge Malchow und Frank Schätzing über die reine Arbeitsebene zwischen einem Autor und seinem Verleger hinausgeht. Hier sitzen auch zwei Freunde beisammen und erzählen großartig und kurzweilig über die „Geheimnisse“ des Bestseller-Schreibens. Diese gibt es natürlich nicht, denn dann könnte ja jeder einen schreiben. Vielmehr ist es bei Frank Schätzing meistens das Ergebnis einer spontanen Idee und sehr viel Recherchearbeit, die den Autor dann praktisch nebenbei zu einem Experten des jeweiligen Fachgebiets machen. Dieses Hintergrundmaterial hat im Fall von „Der Schwarm“ sogar zu einem weiteren Buch geführt. Das Buch „Nachrichten aus einem unbekannten Universum: Eine Zeitreise durch die Meere“ ist aus dem gesammelten Hintergrundmaterial zu „Der Schwarm“ entstanden.

Bei der Suche nach dem passenden Romanstoff  kommt bei Frank Schätzing noch ein Gespür für „Themen, die unterschwellig in der Gesellschaft vorhanden sind“ hinzu. Übrigens konnten sich die beiden jetzt auf das Thema zu Frank Schätzings neuem Roman einigen, Einzelheiten waren verständlicherweise nicht zu erfahren.

Helge Malchow konnte auch sehr interessant berichten, dass man als erfahrener Verleger bzw. Lektor mit den Jahren zwar ein Gespür dafür entwickelt, welche Bücher sich verkaufen lassen, aber eine genaue Prognose, ob ein Buch sich dreißigtausend- oder hunderttausendfach verkauft, praktisch unmöglich ist. Da gilt dann das gute alte „Trial and Error“-Prinzip.

Die geplante knappe Stunde für diese Veranstaltung ging leider viel zu schnell vorbei. Da einige Teilnehmer noch zu dem anschließenden „Autoren-Speed-Dating“ wollten, hatte sich der Saal auch recht schnell wieder geleert. Die vorhandenen signierten Exemplare von „Der Schwarm“ sowie weitere Schätzing-Titel wäre die Verlagsmitarbeiterin beinahe gar nicht los geworden. So bin ich dann jetzt auch zu den Hardcover-Ausgaben von „Breaking News“ und „Der Schwarm“ gekommen. Vielen Dank hierfür an den Verlag Kiepenheuer & Witsch.

Da ich die meisten Autoren beim anschließenden „Speed-Dating“ nicht kannte, habe ich diesen Veranstaltungsteil ausgelassen. Hier hätte man sich dann auch in der Vorbereitung passende Fragen ausdenken müssen.

Dafür konnte man jetzt die Zeit nutzen um vielleicht mit dem ein oder anderen Bloggerkollegen ins Gespräch zu kommen. Das gestaltete sich etwas schwieriger als gedacht, da ich die meisten Blogger nicht persönlich kenne. Daher habe ich mich sehr gefreut, Astrid und Silvia von leckerekekse.de , Isabella von novellieren.com und Anette von sputnikffm kennen zu lernen. Vielen Dank für die netten Gespräche. Eure Blogs werde ich jetzt (noch) öfter besuchen.

Leider hatte sich während der Gespräche eine riesige Schlange an dem mittlerweile aufgebautem Buffet gebildet, so dass ich kurz darauf die Rückreise angetreten habe.

Alles in allem war es ein hochinteressanter Tag, der mir viele Einblicke in das Verlagsleben gewährt hat. Vielen Dank an die beteiligten Verlage und das ganze Organisationsteam, die dieses tolle Event möglich gemacht haben. Ein bisschen vermisst habe ich die Blogger-spezifischen Themen. Hierzu würde ich mir künftig doch noch den ein oder anderen Workshop wünschen.

Dennoch: großes Lob an alle Beteiligten der Veranstaltung, die hoffentlich Nachahmer findet.

Wie nicht anders zu erwarten haben einige Blogger schon Aritkel zu diesem Event veröffentlicht. Wer weitere Informationen zu den parallel gelaufenen Sessions und weitere Bilder sehen will kann sich auch gut hier informieren (kleine Auswahl)

Auch das Börsenblatt, die Zeitschrift der Buchhandelsbranche, hat bereits berichtet. Den Artikel findet ihr hier.

Wie hat Euch die Veranstaltung gefallen? Lasst mir gerne Eure Kommentare da.

Previous Post Next Post

You Might Also Like

4 Comments

  • Reply Silvia 7. Juni 2016 at 20:09

    Ich empfand den Samstag auch als gelungen, auch wenn ich den Abend nicht mehr miterlebt habe. Einige gute Voträge habe ich gehört und viele nette Leute kennen gelernt !

    • Reply Thomas 8. Juni 2016 at 19:39

      Ja, alles in allem ein schöner Tag, auch wenn es dabei weniger um das Bloggen ging. Auch die Zeiten für die workshops waren etwas knapp. Aber das wird sich ja vielleicht bei eventuell stattfindenden Folgeveranstaltungen bessern. Auf einigen Blogs ist ja leise Kritik durchzuhören…
      Hoffe ja sehr, dass es noch mehr solche Veranstaltungen geben wird, schließlich leben in NRW ja die meisten Blogger 😉

  • Reply Buchstabenträumerin 1. Juli 2016 at 09:15

    Ein sehr treffender und schöner Beitrag! Auch ich fand den Tag super und vor allem die Initiative der Verlage großartig. Ich verlinke dich gerne in meinem Beitrag, wenn ich darf?
    Viele liebe Grüße,
    Anna

  • Reply Thomas 1. Juli 2016 at 18:51

    Hallo Anna,
    klar darfst Du mich verlinken, werde deinen Beitrag dann auch bei mir einfügen. Vielleicht sicht man sich ja mal auf einer Blogger-Veranstaltung 😉
    Liebe Grüße
    Thomas

  • Leave a Reply