On the road

Die LitBlogConvention 2017

Am Samstag, den 10.06.2017, war es endlich soweit: Nach dem erfolgreichen Debut in 2016 gab es endlich die zweite Auflage der Bloggerkonferenz für Buch- und Literaturblogger. Zu den veranstaltenden Kölner Verlagen Kiepenheuer & Witsch, DuMont Kalenderverlag, Bastei Lübbe und Community Editions gesellte sich dieses Jahr noch der Schweizer Diogenes Verlag hinzu. Zwischen 11.00 und 17.00 Uhr gab es in fünf Räumen des Bastei-Lübbe-Verlages wieder ein buntes Programm unterschiedlichster Veranstaltungen. Erfreulicherweise haben sich die Veranstalter die Verbesserungsvorschläge der Teilnehmer aus dem letzten Jahr zu Herzen genommen und diesmal auch mehr Panels zum Thema Social Media / Influencer angeboten. Die zusätzlich eingeplante Mittagspause und ein zeitlicher Puffer zwischen den Veranstaltungen haben den Tag etwas entzerrt, das hat doch sehr zur entspannten Atmospähre beigetragen.

Bei dieser Veranstaltungsform ist es leider unmöglich alle Vorträge / Workshops zu besuchen, daher musste man sich für seine Favoriten früh genug entscheiden. Glücklicherweise war ich rechtzeitig da, so war noch genug Zeit für kurze Gespräche mit Verlagsmitarbeitern und netten Bloggerkolleginnen.

Das Foyer des Bastei-Lübbe-Verlages füllt sich langsam. Dieses Jahr mit dabei: Der Foto-Bulli und eine Twitter-Wall

Ohne Frauen läuft in der Buchbranche nichts! Danke an das tolle Orga-Team, hier ein kleiner Ausschnitt.

Nach einer kurzen Einführung und Vorstellung ging es dann auch direkt in die Workshops beziehungsweise Vorträge. Meine erste Wahl fiel auf den faszinierenden Künstler Tomi Ungerer:

„Expect the Unexpected“ Tomi Ungerer – ein eigener Kosmos

Die Lektorin Margaux de Weck stellte den vielseitigen Autoren, Illustratoren und Künstler Tomi Ungerer vor und gab einen Einblick in sein abwechslungsreiches und äußerst produktives Leben.

Der im Elsaß im Jahre 1931 geborene Unger wächst wohlbehütet als Sohn einer Straßburger Uhrmacherfamilie auf. Die Besetzung des Elsass 1940 durch die Deutschen und der Zweite Weltkrieg prägen sein Leben entscheidend und haben wesentlichen Einfluss auf sein künstlerisches Schaffen. Bereits in der Schulzeit beginnt er zu zeichnen (beeindruckend: sein selbst entworfenes Schwarzer-Peter-Kartenspiel, bei der -natürlich- Hitler der schwarze Peter ist), hat aber, auch aufgrund der wechselnden politischen Verhältnisse im Elsass, Probleme mit seinen Lehrern. In seinem letzten Zeugnis bescheinigt man ihm „pervers und subversiv“ zu sein. Er vertieft sich in seine Zeichnungen und veröffentlich erste Arbeiten im Simplizissimus. Seine Ausbildung möchte er eigentlich in Straßburg an der École des Arts Décoratifs fortsetzen, er wird jedoch nach einigen Monaten höflich gebeten wieder zu gehen. 1956 wandert er mit 60 Dollar in der Tasche nach New York aus. Hier hat er es zu Anfang nicht leicht, aber immerhin verschafft ihm der Entwurf einer Speisekarte für ein italienisches Restaurant eine tägliche Portion Spaghetti. Von da an gelingt es ihm jedoch tatsächlich innerhalb relativ kurzer Zeit den sogenannten „amerikanischen Traum“ zu leben. Bereits vier Jahr später kauft er sich sein erstes Haus und fährt einen Bentley. Seine Karikaturen erscheinen in Life und Esquire und auch seine Werbekampagnen für die New York Times und seine Kinderbücher haben großen Erfolg. Er arbeitet parallel für das Fernsehen und als freier Künstler und wird im „goldenen Zeitalter“ der Werbung, dem New York der sechziger Jahre, einer der erfolgreichsten und bestbezahlten Werbeillustratoren der Welt. Sein Slogan „Expect the Unexpected“ für die New Yorker Zeitschrift The Village Voice schafft es sogar in den allgemeinen Sprachgebrauch. (Kurioser Fakt: Während seiner New Yorker Zeit teilt sich Ungerer ein Ferienhaus auf Long Island mit dem Schriftsteller Philip Roth). Aber so richtig glücklich schein Ungerer in New York nicht zu werden, bereits 1966 erscheint sein Buch The Party, in denen er in zahlreichen bitterbösen Karikaturen die New Yorker Gesellschaft aufs Korn nimmt. 1971 erfolgt dann der radikale Rückzug in die Einsamkeit, er verkauft Haus und Bentley und zieht mit seiner dritten Frau Yvonne nach Nova Scotia in Kanada, wo er als Farmer Schafe, Schweine und Ziegen züchtet.

„Wir hatten das Stadtleben plötzlich satt: Auf einem Highway dahinjagend, war unserem Leben der Treibstoff ausgegangen; wir hatten uns festgefahren, und so schlugen wir zu Fuß den erstbesten Seitenweg ein und erwarteten nicht einmal das Unerwartete.“  Tomi Unger

Seine Lektorin Margaux de Weck über das Multitalent Tomi Ungerer

Der heute 85 Jahre alte Künstler lebt inzwischen abwechselnd in Irland und Straßburg und ist bis heute immer noch sehr kreativ tätig. Vielen deutschen Lesern wird er auch und vor allem aus seinen Kinderbüchern bekannt sein. Sein Buch „Die Drei Räuber“ war schon zu meiner Kinderzeit in vielen Kindergärten und Kinderarztpraxen präsent und heute ist es ein echter Klassiker der Kinderbuchliteratur. Gerade auch in diesem Buch wird deutlich, was Tomi Ungerer sehr am Herzen liegt: Kinder stark und selbstbewusst zu machen und immer einen kritischen Blick auf die Welt der Erwachsenen zu haben. In vielen seiner Bücher spielt daher das Element der Angst eine wichtige Rolle, denen allerdings nur der Leser, niemals der kindliche Held der Geschichte, ausgesetzt wird. Denn für Ungerer ist klar: Nur wer sich seinen Ängsten stellt und diese übewindet, kann mutig und selbstbewusst werden und sich damit auf das wirkliche Leben vorbereiten.

Eine Schlange oder eine Fledermaus als Held eines Kinderbuchs? Auch in der Wahl seiner Protagonisten zeigt sich die Liebe des Autors zu den „Randfiguren“ der Gesellschaft

Bei Diogenes erscheint nicht nur ein Großteil seiner Bücher, er gestaltete jahrelang auch zahlreiche Cover des Verlags und prägte den „Look“ der frühen Diogenes-Bücher entscheidend mit. Den älteren Lesern werden die prägnanten Cover der gelb-schwarzen Krimi-Reihe noch in Erinnerung sein, viele davon werden auch in den Neuauflagen noch verwendet.

Alles in allem ein sehr interessanter Einblick in das Leben eines außergewöhnlichen Künstlers, leider ging die Zeit viel zu schnell vorbei, die Zuhörer hätten gerne noch mehr über Tomi Ungerer erfahren.

Praktischerweise fand die nächste interessante Veranstaltung direkt  im selben Raum statt:

Der „lange Atem“ beim Aufbau eines Schriftstellers und die Arbeitsweise eines Bestseller-Autors: Anna von Planta über John Irving

Auch beim zweiten Panel zeigte sich, wie bereichernd die Teilnahme des Diogenes-Verlags an der zweiten LBC ist, denn auch die Lektorin Anna von Planta konnte sehr interessant und kurzweilig von ihrer Zusammenarbeit mit John Irving berichten.

Anna von Planta gibt einen Einblick in das Arbeitszimmer von John Irving

Das Beispiel der Karriere von John Irving zeigt sehr gut, wie wichtig Ausdauer beim Aufbau von Autoren ist. Der damals noch unbekannte Autor Ian McEwan empfiehlt begeistert seinem Verleger Daniel Keel den bis dahin ebenfalls unbekannten amerikanischen Schriftsteller  John Irving. Dummerweise liegen damals die deutschen Rechte für seinen letzten Roman „Garp und wie er die Welt sah“ noch beim Rowohlt-Verlag. Allerdings konnte der Roman im deutschsprachigen Raum nicht den gewünschten Erfolg erzielen, daher wollte Rowohlt keine weiteren Bücher von John Irving verlegen. Daniel Keel war jedoch von der Schreibweise Irvings begeistert und wollte unbedingt „alle Rechte von allen Büchern dieses Autors“ haben. 1982 erschien dann der Nachfolgeroman „Das Hotel New Hampshire“ bei Diogenes, welches sich zwar gut verkaufte, der ganz große Erfolg blieb aber (zunächst) aus. Dieser kam dann jedoch mit Irvings siebtem Roman „Owen Meany“ und seitdem sind neue Romane von John Irving eine Bestseller-Garantie und auch seine äteren Romane sind inzwischen moderne Klassiker. Für Anna von Planta ging mit der Betreuung von John Irving ein Berufstraum in Erfüllung. Die Lektüre von „Garp“ hatte sie in ihrem Entschluss Lektorin zu werden bestärkt, dass sie seitdem alle Folgeromane und später auch das Frühwerk von John Iriving im deutsprachigen Raum als Lektorin begleiten durfte, hätte sie nicht zu hoffen gewagt.

Mittlerweile gehört sie, zusammen mit einigen anderen Personen, zum Recherche-Team des Autors und trägt damit auch direkt zu Inhalten neuer Romane des Schriftstellers bei. Den eigentlichen Schwerpunkt ihrer Lektorats-Arbeit besteht aber nach wie vor darin, die Werke des Autors in einer angemessenen Übersetzung auf den deutschen Markt zu bringen. Das ist gerade bei einem Autoren mit einem ganz speziellen „Sound“, wie ihn John Irving hat, nicht so einfach. Seine Kunst, lange Sätze kurz erscheinen zu lassen, sind sowohl für den Autoren selber als auch für den Übersetzer Schwerstarbeit. Um den ganz speziellen Klang von John Irving wiederzugeben, werden daher von einigen Übersetzern Probe-Übersetzungen angefertigt, aus denen der Verlag dann die passendste aussucht. Man kann daher wohl weniger von einer „Übersetzung“, als eher von einem „Wieder-Erschaffen“ sprechen.

John Irving selber arbeitet bei der Entstehung eines neuen Romans sehr intensiv und hart und fängt kurioserweise jeden Roman immer mit dem letzten Satz an.

„Schreiben ist wie Ringen. Man braucht Disziplin und Technik. Man muss auf eine Geschichte zugehen wie auf einen Gegner.“ John Irving

Auch wenn er inzwischen viel Unterstützung von außen bei seinen Recherchen erhält, macht er einen Großteil dieser Arbeit selber und bereist dafür alle  Handlungsorte seiner Romane. Die „harten Fakten“ hat er dabei schon vorher recherchiert, bei seinen Reisen zum Hintergrundmaterial interessieren ihn hauptsächlich die Menschen, die in den jeweils im Roman beschriebenen Orten anzutreffen sind. Und so kann es gut sein, dass sich die eine oder andere reale Person in einem Irving-Roman wiedererkennt.

Auch Anna von Planta hätte ich gerne noch länger zugehört, leider war auch diese Session viel zu schnell vorbei.

Die anschließende Mittagspause konnte zur Stärkung genutzt werden, außerdem war jetzt auch wieder Zeit um den Fotobulli im Foyer zu benutzen:

„Verrückte“ Blogger im Fotobulli: Heike Hollerbach (Buchlotsin.de) und Erika Mager (litblogkoeb) (v.l.n.r.)

Frisch gestärkt ging es in die zweite Tageshälfte.

Von Hurenkindern, Vorsätzen und Kopfbändern: Buchherstellung mit Hanne Mandik

Hanne Mandik über den Prozess der Buchproduktion – hier mit einer Auswahl Vorsatzpapier

Wieviel Kreativität im Prozess der Buchherstellung liegt, zeigte Hanne Mandik, bei Kiepenheuer & Witsch (und dem Galiani-Verlag) für das Aussehen der Neuerscheinungen mitverantwortlich, auf beeindruckende Weise im Workshop zur Buchproduktion.

Zunächst erhielten die Teilnehnehmer eine kurze Einführung in die Basics der Buchgestaltung und den zeitlichen Ablauf von der Manuskriptabgabe bis zum Veröffentlichungstermin. Als Leser macht man sich normalerweise keine Gedanken über die Herstellung der Bücher, um so überraschender war es zu erfahren, wieviel Entscheidungen auf dem Weg zum fertigen Buch zu treffen sind: Welche Schriftart wird verwendet? Welche Größe sollen Fotos, Illustrationen, Seitenränder etc. haben? An welche Stelle sollen Seitenzahlen und Überschriften gedruckt werden? Welche Farben und Materialien kommen zum Einsatz? Nur einige der Fragen, deren Beantwortung zu einem stimmigen Endprodukt führen. Auf drucktechnische no-gos, wie das berüchtigte „Hurenkind“ muss vor der endgültigen Produktion des Buches ebenfalls geachtet werden. Von einem „Hurenkind“ spricht man, wenn die letzte Zeile eines Absatzes sogleich die erste einer neuen Seite oder einer neuen Spalte ist. Das sieht nicht schön aus und stört den Lesefluss. Anhand zahlreicher Beispiele wurden die verschiedenen Aspekte des Buchdrucks anschaulich demonstriert. Besonders aufwendige Buchproduktionen stellen dabei Hanne Mendik und ihr Team vor besondere Herausforderungen. Beispielsweise, wenn beim opulent ausgestatteten Band „Die geheime Geschichte von Twin Peaks“ entschieden werden muss, bis in welche Details das Buch überhaupt übersetzt werden soll:

Liebe zum Detail: Sogar die Überschriften des Rechnungsvordrucks werden mitübersetzt.

Wer einen Blick auf das beeindruckende Endergebnis werfen möchte: Hier gibt es einen kurzen Einblick!

Besonders gefreut hat es mich, dass ich in diesem Workshop einen Einblick in die Herstellung, der von mir sehr geschätzten Reihe von Klassikern erhalten habe, für deren gesamte Gestaltung die Berliner Illustratorin Kat Menschik verantwortlich ist. Die ersten drei Bände dieser wunderschönen Reihe sind bereits erschienen.

Die in jedem Band verwendeten Illustrationen, Farben und Materialien werden jeweils individuell auf den Text von Kat Menschik abgestimmt. Passend zur Umschlaggestaltung erhält jedes Buch einen entsprechenden Farbschnitt. Hanne Mandik hatte sichtlich Freude daran, dass sie für das Cover von „Die Bergwerke zu Falun“ von E.T.A. Hoffmann erstmals nachtleuchtende Farbe verwenden durfte.

Für den vierten Band der Reihe, der im Herbst erscheint, hat sich die Berliner Illustratorin einen noch lebenden Autoren ausgesucht. Mit „Moabit“ bekommt die Krimireihe von Volker Kutscher, die im Berlin der 1920er-Jahre angesiedelt ist, eine sehr schöne Ergänzung. Anhand der Druckbögen der Probedrucke konnten die Workshop-Teilnehmer sich Gedanken über die Wirkung der verwendeten Farben machen. Die Entscheidungsfindung, welche Farben, Vorsatzpapiere und Kopfbänder für das Buch verwendet werden sollen, stellte die Anwesenden aufgrund der Kürze der Zeit doch vor einige Probleme. Letztlich konnten wir uns aber doch einigen.

Welche Farben, Vorsatzpapiere, Folien und Kopfbänder sollen verwendet werden? Schwierige Entscheidungen für die Workshop-Teilnehmer.

Einen sehr beeindruckenden Einblick in den Prozess der Buchherstellung haben die Teilnehmer erhalten und hätte ich diesen Workshop vor dreißig Jahren besucht, hätte mein Berufswunsch wohl festgestanden.

Die nächsten beiden Sessions boten wieder spannend Einblicke in die Arbeit von Autoren, interessanterweise handelte es sich hierbei um die Debutantin Shida Bazyar und die sehr erfolgreiche Bestseller-Autoin Rebecca Gablé.

Der Bloggerpreis „Das Debut“ und die Preisträgerin Shida Bazyar über ihren Roman „Nachts ist es leise in Teheran“

Die Initiatorin des Bloggerpreises „Das Debut“ Dr. Bozena Anna Badura und die erste Preisträgerin Shida Bazyar (rechts) im Gespräch zum Siegerroman „Nachts ist es leise in Teheran.

Bozena Anna Badura möchte mit ihrem im letzten Jahr gestarteten Boggerpreis „Das Debut“ die Aufmerksamkeit auf Erstlingswerke in deutscher Sprache richten und junge Autoren unterstützen. Alle Informationen zu diesem tollen Projekt findet ihr auf der Internetseite von Das Debut. Der Siegertitel steht schon seit längerem auf meiner Wunschliste, daher hat es mich sehr gefreut, hier einen Einblick in den Schreibprozess der Autorin zu erhalten. Dieser Teil der LBC ähnelte dann auch am ehesten einer klassischen Lesung, da Shida Bazyar auch einen Ausschnitt ihres Romans vorgelesen hat. Worum geht es in dem Roman? Ich füge hier mal die Inhaltsbeschreibung von der Internetseite des herausgebenden Verlags Kiepenheuer & Witsch ein:

„Vier Familienmitglieder, vier Jahrzehnte, vier unvergessliche Stimmen. Aufwühlend und anrührend erzählt Shida Bazyar eine Geschichte, die ihren Anfang 1979 in Teheran nimmt und den Bogen spannt bis in die deutsche Gegenwart. 1979. Behsad, ein junger kommunistischer Revolutionär, kämpft nach der Vertreibung des Schahs für eine neue Ordnung. Er erzählt von klandestinen Aktionen, funkenschlagender Hoffnung und davon, wie er in der literaturbesessenen Nahid die Liebe seines Lebens findet. Zehn Jahre später in der deutschen Provinz: Behsad und Nahid sind nach der Machtübernahme der Mullahs mit ihren Kindern geflohen. Stunde um Stunde verbringen sie vor dem Radio und hoffen auf Neuigkeiten von den Freunden, die untertauchen mussten. Sie wollen zurückkehren, unbedingt, und suchen zugleich eine Heimat in der Fremde.  1999 reist deren Tochter Laleh gemeinsam mit ihrer Mutter nach Teheran. Zwischen »Kafishaps«, Schönheitsritualen und geflüsterten Geheimnissen lernt sie ein Land kennen, das sich nur schwer mit den Erinnerungen aus der Kindheit deckt. Ihr Bruder Mo beobachtet ein Jahrzehnt später belustigt die pseudoengagierten Demos der deutschen Studenten. Doch dann bricht die Grüne Revolution in Teheran aus und stellt seine Welt auf den Kopf.

Shida Bazyar gelingt ein dichtes, zartes und mitreißendes Familienmosaik. Und ein hochaktueller, bewegender Roman über Revolution, Unterdrückung, Widerstand und den unbedingten Wunsch nach Freiheit.“

Im Interview hat die sympathische Autorin interessante Einblicke in ihr Studium (sie studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim) und ihr bewegtes Leben nach der Preisverleihung gegeben. Ihre Lesereisen haben sie mittlerweile sogar bis nach Indonesien geführt. Jetzt freue ich mich auf den Roman, den ich hoffentlich bald lesen werde.

Eine bereits sehr erfolgreiche Autorin konnten die Teilnehmer der nächsten Veranstaltung kennenlernen:

Über das nicht immer „finstere“ Mittelalter: Auf Zeitreise mit Rebecca Gablé

Ich muss zugeben, von dieser Autorin habe ich bisher noch kein Buch gelesen, aber im Freundes- und Familienkreis sind viele von ihren historischen Romanen begeistert. Es war daher sehr interessant einen Einblick in Leben und Werk der Bestseller-Autorin zu erhalten. Die deutsche Autorin, Jahrgang 1964, machte nach dem Abitur zunächst eine Banklehre, hat dann aber rechtzeitig den Absprung geschafft, um an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf Literaturwissenschaft und Mediävistik in den Fächern Anglistik und Germanistik zu studieren. Ihre ersten Bücher, Kriminalromane, waren nur mäßig erfolgreich. Als sie jedoch ihr Interesse und ihre Liebe zum Mittelalter, insbesondere der Geschichte des englischen Mittelalters, in den Mittelpunkt ihres ersten historischen Romans Das Lächeln der Fortuna stellte, hatte sie den Durchbruch auf dem deutschen Buchmarkt geschafft. Ihre historischen Romane um die (fiktive) Familie Waringham, die jedoch, wie in fast allen ihren Romanen, mit den tatsächlichen historischen Ereignissen verbunden ist, erfreut sich unverändert großer Beliebtheit.

Interessant war für mich zu erfahren, dass Rebecca Gablé langfristig auch gerne nochmal Ausflüge in andere Genres unternehmen möchte. Die Qualität der bisher auf dem Buchmarkt erschienen historischen Kriminalromane beispielsweise konnte Gablé nicht überzeugen. Das sei doch oft „CSI in das Mittelalter verpflanzt“ und hat mit der tatsächlichen Lebensweise im Mittelalter meist wenig zu tun. Hier würde sie gerne einmal vernünftig recherchierte Romane veröffentlichen und dabei auch gerne den Ruf des englischen Sheriffs rehabilitieren, der dank der Robin-Hood-Sage zu Unrecht in ein schlechtes Licht gerückt wurde. Auch einen Schauerroman würde sie gerne einmal schreiben. Das hört sich doch sehr interessant an.

Am Ende der Session gab es unerwartet noch eine kleine Diskussion zum Thema Amazon. Es war doch sehr beruhigend zu sehen, dass den meisten Anwesenden der lokale, unabhängige Buchhandel sehr am Herzen liegt und der amerikanische Internetriese durchaus als Bedrohung der Vielfalt im Buchhandel wahrgenommen wird. Das macht Hoffnung.

Der ereignisreiche Tag fand bei einem reichhaltigen Buffet und kühlen Getränken einen würdigen Absschluss.

Ein großer Dank geht an die ausrichtenden Verlage für die tolle Organisation des fast perfekten Tags. Als winziger Kritikpunkt bleibt vermutlich nur die Kürze der einzelnen Sessions anzuführen. Den meisten Vortragenden hätte ich auch gerne länger zugehört. Vielleicht ist es  möglich, künftig weniger, dafür aber längere Workshops anzubieten. Aber das sehen andere Besucher vielleicht ganz anders. Lasst mir gerne eure Meinung in den Kommentaren da.

Da ich hier nur einen kleinen Teil der stattfindenden Sessions beschreiben konnte, empfehle ich euch auch dringend die Berichte zur Veranstaltung anderer Blogger. Mara Giese hat ihren Vortrag über Buchblogger inzwischen auch auf ihrem Blog veröffentlich. Hier eine kleine Auswahl weiterer LBC-Berichte von Buchbloggern:

Nisnis-Bücherliebe
Leckerekekse
Kapri-zioes
Literameer
Buchstabenträumerei
Kölner Leselust
Bücherpanda
Stephanie Müller
Anis-Allerlei
Leservergnügen

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5 Comments

  • Reply Nisnis Bücherliebe 15. Juni 2017 at 20:50

    Lieber Tommi,

    vielen Dank für diesen wunderbar formulierten und so informativen Beitrag. Da du andere Sessions besucht hast als ich, habe ich soeben tiefe Einblicke zu den anderen Workshops erhalten, die mich ebenso alle brennend interessiert haben.

    Vor allem hätte ich gern Irvings sympathischer Lektorin zugehört, denn ich kam im Laufe der Veranstaltung mit ihr kurz ins Gespräch. Auch die Buchherstellung wäre eine tolle Session für mich gewesen. Hach, es war einfach nur eine gelungene Veranstaltung und so schön, so viele liebe Blogger wiederzusehen und neue kennenzulernen.

    Das einzige was mir persönlich nicht gefiel und was ich als eine reine, überflüssige Werbeveranstaltung empfunden habe, war die Session der Community Editions. Gern hätte ich dafür etwas Schönes gesehen ;-).

    Viele Grüße

    Anja

    • Reply Thomas 17. Juni 2017 at 20:05

      Hallo Anja,
      vielen Dank für dein Feedback. Ich muss mich auch noch durch die anderen Berichte lesen. Bei einigen Sessions fiel mir die Entscheidung wirklich schwer. Ich hätte auch gerne die Vorträge von Mara Giese und Torsten Woywod gehört. Aber lieber eine zu große Auswahl als eine zu kleine 😉 Die Programmpunkte rund um Community Editions habe ich für mich von vorneherein ausgeschlossen, m.E. kann man die Buchblogs und Booktuber nicht mit anderen youtubern bzw. Instagramern und Bloggern aus anderen Berreichen vergleichen. Aber vielleicht konnten ja einige der jüngeren Teilnehmer damit was anfangen.
      Ich freue mich jedenfalls schon auf die nächste LBC und auf ein Wiedersehen mit lieben Buchmenschen dort oder auf einer anderen Veranstaltung.
      Ganz liebe Grüße
      Thomas

  • Reply Die LitBlog Convention 2017 – Was habe ich erlebt? – Sinas Geschichten 16. Juni 2017 at 18:41

    […] Ein Rückblick von Tommi und die Schmöker *klick* […]

  • Reply Das war die LitBlog Convention 2017 - NetGalley Deutschland 26. Juni 2017 at 12:18

    […] is Kafka Nisnis Bücherliebe Leselust&Leseliebe Literatouristin Kapri-ziös Tommi und die Schmöker […]

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