Rezension

Isabel Bogdan: Der Pfau

Fünf Banker auf einem Teambuilding-Wochenende in Schottland und ein verrückt gewordener Pfau? Das hört sich nach einem kurzweiligen Lesevergnügen an. Ob der Roman meinen  Erwartungen gerecht wurde könnt ihr hier nachlesen.

„Die Leiterin der Abteilung reist mit vier Kollegen, einer Köchin und einer Psychologin an, zu einer, wie es hieß kreativen Auszeit und Teambuildingmaßnahme.  Kreativ, lästerte Hamish McIntosh, wozu Banker denn bitte schön kreativ sein müssten, vielleicht zum Bilanzenfälschen?“ (Seite 22)

Die „Chefin der Investmentabteilung“ eine Londoner Großbank reist mir ihren vier männlichen Angestellten auf einen abgelegenen Landsitz in den schottischen Highlands. Begleitet werden Sie von einer patenten Köchin und einer anfangs noch etwas verunsicherten Psychologin, die ihre erste Teambuildingmaßnahme moderiert.  Lord und Lady McIntosh (wie sonst sollen schottische Gutsbesitzer auch heißen?) vermieten die Cottages auf ihrem Landsitz gerne an Urlauber und kleinere Reisegruppen, leider werden die Vorbereitungen für die neuen Gäste dadurch gestört, dass sich die unentbehrlich erscheinende Haushälterin kurz vor dem Wochenende den Arm bricht. Dieses Setting und die Figurenkonstellationen allein bieten schon eine Menge Konfliktpotential und Stoff für reichlich komische Situationen. Wenn man jetzt dem Ganzen noch einen scheinbar hormonell gestörten Pfau hinzufügt, der alles angreift, was blau ist, ist ein chaotisches Wochenende vorprogrammiert, denn natürlich fährt die etwas „schwierige“ Chefin ein blaues Auto.

Seit einigen Wochen gibt es einen richtigen Hype um dieses Buch (aktuell noch Platz 13 der Spiegel-Bestsellerliste), den ich nicht so ganz nachvollziehen kann. Das Buch hält zwar was es verspricht: Kurzeilige Unterhaltung und zahlreiche komische Situationen, aber als neue Vertreterin des britischen Humors, wie sie einige Leser bezeichnet haben, kann ich die Autorin so gar nicht sehen. Dazu habe ich in meinem Leben zu viele Monty-Python-Filme gesehen.

Größer Kritikpunkt hierbei für mich: Der völlige Verzicht auf wörtliche Rede. Gerade die pointierten Dialoge machen doch einen Großteil des englischen Humors aus und hätten auch in diesem Roman wunderbar eingebaut werden können. Der letzte große deutsche Roman, der fast völlig auf indirekte Rede verzichtete, war Daniel Kehlmanns „Vermessung der Welt“. Anders als bei Kehlmann, der die Form damit begründete, dass er den historischen Persönlichkeiten keine erfundenen Zitate in den Mund legen wollte, erschließt sich mir bei „Der Pfau“  der Zusammenhang zwischen Form und Inhalt allerdings überhaupt nicht. Sicherlich kann man so eine Distanz zu den Figuren schaffen und verschieden Perspektiven in das Buch einbauen, allerdings zeigen sich an den beispielsweise relativ wenigen Variationsmöglichkeiten von „die Chefin der Investmentabteilung….“ auch gut die Fallstricke einer solchen Romanform.

Dennoch hat mich der Roman gut unterhalten, denn er ist durchaus locker und leicht zu lesen und lässt einen sowohl schmunzeln, als auch nachdenken. Dass eine deutsche Autorin sich an das derzeit eher unpopuläre Genre „Komödie“ wagt ist grundsätzlich zu begrüßen, zeigt aber auch, dass nicht nur im Film die Komödie zu den am schwierigsten umzusetzenden Genres gehört.

Fazit: Leichte und unbeschwerte Lektüre für zwischendurch, auch für den Strand zu empfehlen, der ganz große Wurf ist der Autorin aber damit (noch) nicht gelungen.

Buchdaten: Erstveröffentlichung: 18.02.2016; Verlag: Kiepenheuer & Witsch (Link zur Verlagsseite), ISBN: 978-3-462-04800-1, 256 Seiten, gebunden, Preis: EUR 18,99 (Österreich: EUR 19,60)

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4 Comments

  • Reply Claudia 7. Juli 2016 at 00:30

    Die Grundidee klingt auf jeden Fall spannend. Kurzweilig reicht ja auch ab und an :-). Aber mit Hypes ist es so eine Sache, sie beeinflussen die Erwartungshaltung doch ein wenig, auch wenn ich immer versuche, mich nicht von einem Hype treiben zu lassen. Das letzte Buch, bei dem ich den Hype nicht verstehen konnte, war übrigens „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand.“

    Ich bin auch gespannt, ob mich die fehlende wörtliche Rede stören wird, denn einerseits mag ich sehr gerne gute Dialoge, andererseits mochte ich z.B. auch „Kleine Lichter“ von Roger Willemsen, das quasi ein Monolog ist und daher auch kaum wörtliche Rede enthält.

    Da ich von dem Buch gerade hier bei Dir zum ersten Mal lese, scheine ich wohl inzwischen einfach Hype-blind zu sein 😀 Aber das ist mir auch ganz recht.

    Einen schönen Blog hast Du!

    Liebe Grüße

    Claudia

  • Reply Thomas 8. Juli 2016 at 19:02

    Der Vergleich mit dem Hundertjährigen ist wirklich sehr passend, das war auch so ein Buch, was man gut mal zwischendurch lesen kann. Warum es dann monatelang auf der Bestsellerliste steht ist nicht so ganz verständlich bei den vielen anderen guten Titeln.
    Vielen Dank für das Lob für den Blog – das tut gut ;-)))
    Liebe Grüße
    Thomas

  • Reply Tintenhain 18. September 2016 at 07:53

    Die fehlende wörtliche Rede hat mich nicht gestört. Ich fand das ganz gut umgesetzt. Muss man dafür einen dringenden Grund haben? Oder darf es auch einfach Stil sein?
    Umgehauen hat mich das Buch trotzdem nicht. Mich haben vielmehr die ständigen Wiederholungen gestört, geradeso als wäre ich als Leser zu blöd zum Aufpassen. Aber es war gut und amüsant zu lesen und hatte nette Wendungen.
    Mein Lesekreis fand es größtenteils richtig gut und unterhaltsam. Nur eine fand dieses „So, ich erklär noch mal, was bisher passiert ist“-Teile auch nervig.

    Viele Grüße
    Mona

    • Reply Thomas 19. September 2016 at 20:15

      Hallo Mona,
      klar, darf das Stil sein. Ich hab‘ mich nur immer gefragt, ob mir die Autorin jetzt irgendetwas damit sagen will, ob ich vielleicht etwas nicht verstand habe. Vermutlich war’s einfach nur mal ein Ausprobieren, wie das ganze funktioniert. Unterhaltsam war es auf jeden Fall, die Erwartungen waren aber wohl aufgrund des Hypes etwas zu hoch.
      Liebe Grüße
      Thomas

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