On the road

Lesung mit Frank Witzel in Düsseldorf – Ein Bericht

Der Buchpreisträger las aus seinem Roman „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“

Für Donnerstag, den 19. November 2015 hatte die Deutsche-Bank-Stiftung zu einer Lesung mit dem frisch gekürten Gewinner des Deutschen Buchpreises, Frank Witzel, eingeladen. Glücklicherweise habe ich eine Karte ergattern können. Das Buch habe ich bisher noch nicht gelesen, aber ich hatte mir einiges an Hintergrundinformationen zur Entstehung des Werkes erhofft, und meine Hoffnungen wurden nicht enttäuscht.

Der Kuppelsaal in der Filiale der Deutschen Bank auf der Königsallee in Düsseldorf war gut gefüllt und die Gäste wurden sehr nett vom Hausherrn, Thomas Buschman von der Geschäftsleitung der Bank, empfangen und schon ein bisschen auf das Lebensgefühl im Jahr 1969 eingestimmt. Nach ein paar einleitenden Worten von Michael Münch (Deutsche-Bank-Stiftung) übernahm WDR5-Moderatorin Rebecca Link, die auch weiterhin souverän durch den Abend führte. Der Abend wurde von WDR 5 aufgezeichnet, leider konnte ich den Beitrag auf der WDR-Seite (bisher) nicht finden.

DieErfindungVor Beginn der Lesung mussten natürlich noch ein paar Fragen beantwortet werden. Unter anderem nach der Entstehungsgeschichte des doch sehr ungewöhnlichen wie einprägsamen Romantitels. Frank Witzel erklärte dies damit, dass er eigentlich lange keinen Titel für den Roman im Kopf hatte. Für seine Bewerbung um den Robert-Gernhardt-Preis für das Manuskript zu dem Roman benötigte er jedoch natürlich einen Titel und so entschloss er sich kurzerhand „einfach das zusammenzufassen, wobei es in dem Buch geht“.
Zehn Jahre Arbeit stecken in dem monumentalen Werk. Wer allerdings bei dem Roman ein Buch über die RAF erwarte, „wird wohl eher enttäuscht werden“ so Witzel.
Diejenigen, die den  Roman, oder Auszüge hieraus, kennen, werden feststellen, dass es sich nicht um eine lineare Erzählung handelt, sondern um ein Buch, das zu großen Teilen „aus Erinnerungsversatzstücken besteht“.  Hier hat Frank Witzel versucht sich in das Innenleben eines im Jahre 1969 lebenden dreizehnjähringen Jugendlichen zu versetzen. Die Geschichte ist, wie er sagt, „frei erfunden, mit starken autobiographischen Überschneidungen“.
Und da Jugendliche und Kinder in ihren Erzählungen oft nicht das wichtige von dem unwichtigen unterscheiden, bekommen in dem Buch auch scheinbar unwichtige Ereignisse viel Platz eingeräumt. Hier erzählt Witzel dann, wie Jugendliche, sehr detailreich und voller Phantasie, denn Jugendliche können noch nicht unterscheiden „Was ist Phantasie und was Möglichkeit?“.

Die zahlreichen Erläuterungen haben mich jetzt noch viel neugieriger auf das Buch gemacht und ich bin gespannt, wie es sich lesen lässt. Ich bin jetzt schon dankbar für Frank Witzels Hinweis, dass das Buch „einer überbordenden Phantasie entsprungen“ ist, die, zumindest für Frank Witzel, durchaus Sinn ergibt.

Die interessanten Fragerunden wurden immer wieder von Leseabschnitten unterbrochen, bei denen ich überrascht festgestellt habe, dass der Roman, entgegen meinen Erwartungen, auch sehr viel Humor enthält. Ohne diesen, so Witzel, wäre ein Roman mit einer solchen Thematik auch nicht lesbar.

Zum Abschluss des Abends hatte ich noch Gelegenheit ein paar Worte mit dem netten Team der Mayersche-Buchhandlung zu wechseln. Darunter auch Rolf Keussen, als diesjähriges Mitglied der Buchpreis-Jury nicht ganz unbeteiligt an dem Erfolg des Romans.

 

Das nette Team der Mayerschen Buchhandlung in Düsseldorf, rechts Jury-Mitglied Rolf Keussen

Wie mir Herr Keussen verraten hat, hat er im Rahmen der Juryarbeit siebzig Romane gelesen. Das hat zwar viel Spaß gemacht, aber nicht alle Romane treffen natürlich den persönlichen Geschmack der Juroren. Daher ist er froh, wenn er jetzt auch mal wieder andere Bücher lesen kann. Mit dem Titelträger ist er aber sehr zufrieden, wenn er auch, wie so viele andere auch, eher mit Jenny Erpenbecks „Gehen, ging, gegangen“ gerechnet hätte.
Ob er sich den Stress nochmal antun würde? Diese Frage stelle sich glücklicherweise nicht, so Keussen, da man nur einmal Jurymitglied sein kann.

 

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2 Comments

  • Reply Anonymous 14. Oktober 2016 at 08:36

    Da finde ich bei einer Google Suche doch tatsächlich einen Eintrag von dir über einen Kunden von mir Der Herr Keussen ist so ein Netter.
    Liebe Grüße
    Jessi (frau_j_von_t)

    • Reply Thomas 14. Oktober 2016 at 14:12

      Hallo Jessi,
      ja stimmt (und gestern abend war er sogar im Fernsehen zu sehen – in der aktuellen Stunde im WDR mit seiner Meinung zum Nobelpreisträger Bob Dylan).
      Liebe Grüße
      Thomas

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