Top Ten Thursday

Meine Top 10 der TV-Serien TTT #14

collage2Diese Woche geht es in meiner Top-Ten-Liste mal nicht um Bücher. Aber neuerdings wird ja immer wieder behauptet, dass Serien die neuen Romane sind und wenn man einen Blick auf meine Liste wirft, scheint dieser Vergleich nicht zu weit hergeholt. Im Gegensatz zu den älteren Fernsehserien, bei denen in jeder Folge eine abgeschlossene Geschichte erzählt wird, erzählen die neueren Fernsehserien in mehreren Episoden meistens eine zusammenhängende Geschichte in dessen Zentrum der oder die Protagonisten und deren Entwicklung steht, oftmals ergänzt um zahlreiche Nebencharaktere und -handlungen. Also so, wie wir es auch von guten Romanen erwarten. Welche Möglichkeiten in dieser Form des Geschichtenerzählens steckt, machen – natürlich – wieder die Amerikaner vor.  Viele der kreativen Köpfe in der amerikanischen Filmindustrie arbeiten inzwischen lieber für das Fernsehen, da dort die gestalterischen Freiheiten einfach viel größer als bei einem Kinofilm sind.

Alle Einzelheiten zur TTT-Aktion (TopTenThursday) findet ihr auf dem Blog von Steffi.

Meine Top-Ten präsentiere ich heute mal in Form von Trailern zu den Serien , leider habe ich nicht zu allen vernünftige deutsche Clips gefunden, ich hoffe, ihr verzeit mir das. Hier also zehn geniale Romane zum Anschauen (o.k., bei Tatortreiniger handelt es sich wohl eher um Kurzgeschichten):

Twin Peaks

Vorreiter für die neue Art der Fernsehserie waren David Lynch und Mark Frost, die sich mit der 1990 und 1991 erstmals ausgestrahlten Fernsehserie getraut haben, mit der üblichen Serientradition zu brechen. Sie mischen die verschiedenen Genres der Krimi-, Mystery- und Horrorserien, fügen noch eine Portion Seifenoper hinzu und kreieren daraus etwas völlig Neues.

Zur Handlung: Hauptthema ist die Aufklärung des Mordes an der Schülerin Laura Palmer durch den FBI-Agenten Dale Cooper. Seine Ermittlungen führen ihn in die dunklen Abgründe des idyllischen Ortes Twin Peaks. Der Zuschauer erhält einen tiefen Einblick in das Beziehungsgeflecht aller mit Laura Palmer in Verbindung stehenden Personen. Im späteren Verlauf der Serie kommen nach und nach immer mehr surreale Elemente hinzu. Die Serie besteht nur aus zwei Staffeln sowie einem später gedrehten Film, der den letzten Tag von Laura Palmer erzählt.

In einer der ersten Folgen der Serie trifft Cooper in einer Traumsequenz auf Laura Palmer, die ihm prophezeit „I’ll see you again in 25 years.“ Und tatsächlich wird es 2017 ein Wiedersehen geben, denn dann soll die dritte Staffel auch hier bei uns zu sehen sein. Man darf gespannt sein. Hier der Trailer zu der zuletzt veröffentlichten Blu-Ray-Box, die das gesamte bisherige Serienmaterial sowie den Film „Fire walk with me“ enthält.

Stranger Things

Amerikanische Kritiker schrieben hierzu „die Serie, die Steven Spielberg und Stephen King niemals gemacht haben“. Und tatsächlich wirkt sie auf wundervolle Art aus der Zeit gefallen. Die Handlung der Serie spielt in den 1980er-Jahren und man wird unweigerlich an die Filme Poltergeis und E.T. sowie Stephen Kings‘ „Es“ erinnert. Im Mittelpunkt stehen vier unzertrennliche Freunde, die alle auf die selbe Schule gehen. Als eines Tages einer von ihnen unter mysteriösen Umständen verschwindet, beginnen sie auf eigene Faust zu ermitteln. Eine geheime Forschungseinrichtung der Regierung sowie ein Mädchem mit scheinbar übernatürlichen Fähigkeiten sind die weiteren Zutaten, die Stephen-King-Fans bekannt vorkommen dürften. Die Stars dieser aus nur acht Folgen bestehenden Miniserie sind eindeutig die tollen jugendlichen Darsteller, aber auch Winona Ryder liefert als Mutter des verschwundenen Jungen, die sich nicht mit dessen Tod abfinden will, ein brillantes Comeback. Die Serie ist derzeit nur auf Netflix zu sehen, aber alleine diese Serie lohnt den Preis eines Monatsbeitrags.

Breaking Bad

Für mich ein absolutes Fernseh-Highlight. Breaking Bad macht alles richtig: Bis in die Nebenrollen erstklassig besetzte Schauspieler, eine überzeugende Storyline sowie eine künstlerische Umsetzung (gefilmt wurde auf üblicherweise nur bei Kinoproduktionen eingesetztem 35mm-Film) die keine Wünsche offen lässt. Erzählt wird die Geschichte des genialen Chemikers Walter White, der zum fünfzigsten Geburtstag eine Diagnose erhält, die sein Leben auf den Kopf stellen wird: Lungenkrebs im Endstadium. Seine Hauptsorge gilt jedoch nicht ihm selber sondern seiner Frau und seinem behinderten Sohn. Woher sollen nach seinem Tod die finanziellen Mittel für deren Zukunft kommen? Nachdem er seinen Schwager Hank, der Drogenfahnder ist, bei einer Razzia begleitet, trifft er auf seinen ehemaligen Schüler Jesse Pinkman, der noch gerade vor Eintreffen der Polizei das Crystal-Meth-Labor verlassen konnte. Der Anblick des sichergestellten Geldes bringt White auf eine Idee zur Zusammenarbeit mit Pinkman „You know the business – and I know the chemistry.“ Er will zusammen mit Pinkman gerade so viel Chrystal Meth verkaufen, dass er seiner Familie eine sorgenfreie Zukunft garantieren kann. Ab dann verfolgt der Zuschauer fasziniert den Aufstieg Walter Whites zum heimlichen Drogenbaron und über fünf Staffeln eine komplett gegensätzliche Entwicklung von Walter White und Jesse Pinkman. Die Serie nimmt sich erfreulicherweise viel Zeit zur Charakterisierung der einzelnen Personen und steigert die Spannung kontinuierlich bis zum Finale in der letzten Folge. Ein Meisterwerk.

True Detective

Louisiana 1995: Die Detectives Martin Hart (Woody Harrelson) und Rustin Cohle (Matthew McConaughey) werden beauftragt, den Mord an einer jungen Frau aufzuklären. Die Serie zeigt die Ermittlungsarbeiten und deren (vermeintlichen) Abschluss in Form von Rückblenden. Denn siebzehn Jahre später geschehen wieder Morde an jungen Frauen, die darauf schließen lassen, dass der vermeintlich gefasste Täter weiterhin sein Unwesen treibt. Die beiden Detectives werden daher von Kollegen zu den Vorfällen der damaligen Ermittlung verhört.

Eine spannende Serie, die wesentlich von den beiden Hauptdarstellern getragen wird. Das Spiel zwischen dem desillusionierten Cole und dem scheinbar an der Grenze zu Legalität arbeitenden Hart gibt beiden Schauspielern den Raum die Breite ihrer Möglichkeiten zu zeigen.

Weibliche Zuschauer werden vermutlich beim Anblick von Matthew McConaughey, dem einstigen sexiest man alive, erschrocken reagieren. Um sich endgültig von seinem verhassten Schönlings-Image zu verabschieden hatte McConaughey 2009 eine zweijährige Schaffenspause eingelegt, nach der er sich radikal andere Rolle aussuchte.   Bereits 2014 sollte er belohnt werden: Für seine Rolle des an AIDS erkrankten Elektrikers Ron Woodroof im Film Dallas Buyers Club aus dem Jahre 2013 erhielt er 2014 sowohl den Oscar als auch den Golden Globe als bester männlicher Hauptdarsteller. Für diese Rolle hatte McConaughey innerhalb von vier Monaten 23 Kilo abgenommen. True Detective stammt ebenfals aus dem Jahr 2013 und der einstige Held einiger romantischer Komödien ist kaum noch wiederzuerkennen. Die erste, aus acht Episoden bestehende Staffel, erzählt eine abgeschlossene Geschichte. Die später produzierte zweite Staffel wartet mit einer komplett neuen Handlung und neuem Personal auf.

Rectify

Noch eine Serie, die ihren Schwerpunkt weniger auf die Spannung als auf die Darstellung der Probleme menschlichen Zusammenlebens legt. Daniel Holden wird mit 18 Jahren der Vergewaltigung und des Mordes an seiner 16-jährigen Freundin verurteilt. 19 Jahre verbringt er in der Todeszelle als neue Beweise auftauchen und eine DNA-Analyse seine Unschuld zu beweisen scheint. Er kommt wieder frei, doch weder seine Familie noch er selber können sich über seine neu gewonnene Freiheit richtig freuen. Da der Fall immer noch nicht aufgeklärt ist, stößt er in seiner Familie und seiner Heimatstadt immer noch auf viel Mißtrauen. Die ihm fremdgewordene Welt, die sich in 19 Jahren beständig weiterentweickelt hat, verunsichert ihn und macht ihm Angst. Einzig seine Schwester scheint hinter ihm zu stehen und setzt sich für ihn ein. Die örtliche Polizei ist nur widerwillig zur Wiederaufnahme der Ermittlungen bereit.

Homeland

Auch Homeland lässt sich viel Zeit, um die beteiligten Personen und Orte vorzustellen. Mit Fortschreiten der Handlung wird aber auch diese Serie ungemein spannend. Im Mittelpunkt der Serie steht die CIA-Analystin Carrie Mathison (Claire Danes) und deren oft ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden. In der ersten Staffel erhält Mathison im Irak Informationen, dass es islamistischen Terroristen gelungen sei, einen gefangengenommenen amerikanischen Soldaten „umzudrehen“. Zehn Monate später wird bei einem Militäreinsatz der seit 2003 im Irak vermisste Marine Nicholas Brody bei der Erstürmung eines Terroristenlagers befreit. In der Heimat wird er als Held gefeiert und erlangt schnell auch politische Popularität. Einzig Mathison glaubt in Brody den vermeintlichen Überläufer zu erkennen, doch keiner glaubt ihr. Ihre offiziell verschwiegene bipolare Störung trägt nicht gerade zu ihrer Glaubwürdigkeit bei. Wieder eine Serie, die von der ungewöhnlichen Handlung und dem hervorragenden Ensemble profitiert. Sehr überraschend, wie eine amerikanische Serie die Schattenseiten des Krieg gegen den Terror aufzeigt.  2012 erhielt die Serie einen Golden Globe als beste Dramaserie und Claire Danes die Auszeichnung als beste Seriendarstellerin.

House of Cards

Wie funktioniert Politik? Nach Aussage von Barack Obama fast so wie in House of Cards („Ich wünschte die Dinge wären genau so rücksichtslos effiizient.“). Wenn das wirklich stimmt, darf man vermutlich hoffen, dass es einem „Politiker“ wie Donald Trump nicht lange gelingen wird in einem solchen Haifischbecken zu überleben. Für Kevin Spacey ist die Rolle des rücksichtslosen Politikers Frank Underwood, der zur Durchsetzung seiner politischen Ziele buchstäblich über Leichen geht, jedenfalls die Rolle seines Lebens. Ebenfalls grandios: Robin Wright als ebenso toughe Ehefrau Claire Underwood.

Deutschland 83

Dass es ausgerechnet RTL schafft etwas ähnliches wie die großen Vorbilder zu produzieren – damit hätte wohl kaum jemand gerechnet. Auch wenn der Erfolg der Miniserie um den ostdeutschen Spion im Deutschland des Jahres 1983 eher bescheiden ausfällt (sie hat zwar einen Grimme-Preis gewonnen – ist den meisten Zuschauern aber vermutlich unbekannt) – international hat die Serie für großes Interesse und Wohlwollen bei den Kritikern gesorgt, gerade wurde sie mit einem Emmy Award (höchste amerikanische Auszeichnung für Fernsehproduktionen) ausgezeichnet.

Der Tatortreiniger

Der grandiose Bjarne Mädel in seiner Glanzrolle. „Meine Arbeit beginnt da, wo andere sich vor Entsetzen übergeben“. Sein Beruf als Tatortreiniger führt Heiko Schotte „Schotty“ mit allerlei skurrilen Typen sämtlicher Gesellschaftsschichten zusammen. Dies führt sowohl zu komischen Situationen als auch tiefschürfenden Erkenntnissen. Diese spezielle Mischung macht den besonderen Reiz dieser Serie aus.

Mad Men

Mit der Serie Mad Men begeben wir uns auf eine Zeitreise in die 60er-Jahre und in das Herz der aufstrebenden amerikanischen Werbeindustrie. Die meisten dieser Firmen haben ihren Sitz in der New Yorker Madison Avenue. Wir begleiten den smarten Werbetexter Don Draper auf seinem Aufstieg in der Branche und nebenbei wird auch noch einiges an Zeitgeschichte der 60er und frühen 70er-Jahre vermittelt. Die Beschreibung hört sich erstmal nicht so spannend an, wie das ganze Beziehungsgeflecht rund um Don Draper und die fiktive Werbeagentur Sterling Cooper in Szene gesetzt wird ist jedoch äußerst sehenswert. Besonders auffällig bei dieser Serie ist auch die liebevolle Ausstattung der Bühnen- und Kostümbildner, die es schaffen einen authentischen Look der 60er zu rekonstruieren.

Das waren meine Top-Ten der Fernsehserien. Lasst mir gerne eure Meinungen, Kommentare und weitere TV-Tipps da!

 

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9 Comments

  • Reply Buchspinat 1. Dezember 2016 at 07:18

    Hallo Thomas,
    wir haben heute keinerlei Gemeinsamkeiten, allerdings haber ich auch mal ein paar Folgen von „Homeland“ und dem „tatortreiniger“ gesehen. Meine Liste findest Du hier:
    https://buchspinat.wordpress.com/2016/12/01/top-ten-thussday-deine-10-liebsten-tv-serien/
    Liebe Grüße
    Nicole

  • Reply Silvia 1. Dezember 2016 at 09:35

    Hallo Thomas,

    Toller Post. Ich bin auch zum Serienjunkie geworden. Rectify kenne ich auch noch nicht!
    Mir fehlen hier nur die Angaben wo ich diese Serien sehen kann.
    Danke für die Tipps!
    Grüße
    Silvia

    • Reply Thomas 5. Dezember 2016 at 19:06

      Hallo Silvia,
      du hast Recht, da hätte ich noch ein paar Tipps geben können. Es gibt fast alle Serien als Kauf-DVD / Blu-Ray. Allerdings nutzen ja viele auch div. Streamingdienste. Zur Suche kann ich die Seite http://www.werstreamt.es empfehlen, dort sind alle Serien aufgeführt und angegeben welcher Anbieter diese gerade anbietet.
      Liebe Grüße
      Thomas

  • Reply Archive of Longings 1. Dezember 2016 at 15:43

    Hey,

    schöne Liste, auch wenn ich leider fast noch nichts davon gesehen habe. Von „House of Cards“ kenne ich ein paar Folgen, die mir gut gefallen haben, und „Deutschland 83“ und „Homeland“ habe ich auf der Watchlist.
    Unser Beitrag

    Liebe Grüße,
    Kerstin
    P.S.: Bei uns auf dem Blog läuft gerade ein Gewinnspiel, vielleicht willst du ja vorbeischauen? 🙂

    • Reply Thomas 5. Dezember 2016 at 19:08

      Hallo Kerstin,
      danke für den Besuch 😉 Bei House of Cards bin ich auch noch bei der ersten Staffel, Homeland schwächelt im späteren Verlauf etwas, aber die ersten drei Staffeln sind super.
      Liebe Grüße
      Thomas

  • Reply Jacquy 2. Dezember 2016 at 21:39

    Die meisten der Serien kenne ich gar nicht, deshalb danke für die Vorstellung! Der Begeisterung um Breaking Bad kann ich mich leider nicht ganz anschließen, aber schlecht fand ich es nicht. Dafür stimme ich beim Tatortreiniger voll zu. Als ich das erste mal reingeschaut habe, habe ich ziemlich schnell wieder ausgemacht, aber ich bin sehr froh, dass ich der Serie noch eine Chance gegeben habe 🙂

    • Reply Thomas 5. Dezember 2016 at 19:16

      Hallo Jacquy,
      ja, Breaking Bad ist vermutlich nicht für jeden etwas. Meine Frau ist auch nach der dritten Staffel ausgestiegen. Aber die Geschmäcker sind ja verschieden.
      LG
      Thomas

  • Reply Lexa 4. Dezember 2016 at 19:17

    Abgesehen von Breaking Bad habe ich noch nichts von deiner Liste gesehen… allerdings stimme ich da schon nicht mit dir überein. Die ersten Staffeln waren wirklich gut, allerdings hat mir die letzte Staffel die gesamte Serie versaut… die fand ich so schlecht, dass sie den Rest für mich auch runtergezogen hat. Leider.
    Aber schön, dass es dir gefiel.
    LG Lexa

    • Reply Thomas 5. Dezember 2016 at 19:54

      Hallo Lexa,
      kann ich verstehen, wenn dir das Ende nicht gefallen hat, aber irgendwie musste ja ein glaubwürdiger Schluss her, alles andere hätte m.E. nicht gepasst. Ich fand‘ es eher positiv, dass die Macher die Serie nicht noch künstlich um ein paar Staffeln verlängert haben, das funktioniert meistens nicht (ich denke mit Schrecken an „Lost“).
      Liebe Grüße
      Thomas

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