Monatsrückblick

Monatsrückblick Januar 2017

Wie war mein Lesemonat? Welche Themen und Bücher sind mir im letzten Monat aufgefallen? In meiner neuen Rubrik blicke ich zurück auf den letzten Monat in der Welt der Bücher.

Meine gelesenen Bücher im Januar

Georges Simenon: Maigret und sein Revolver
Eleanor Catton: Die Gestirne
Jax Miller: Freedom’s Child
James Matthew Barrie: Peter Pan

Nach längerer Pause bin ich diesen Monat mit Maigret und sein Revolver wieder zu den Büchern von Georges Simenon zurückgekehrt. Wie immer ein kurzes, aber intensives Lesevergnügen.

Da ich krankheitsbedingt im Januar überraschend viel Lesezeit zur Verfügung hatte, konnte ich mich auch dem sehr umfangreichen Werk Die Gestirne von Eleanor Catton widmen. Ein beeindruckenden Roman, der aber vermutlich nicht jedem gefallen wird. Meine Besprechung findet ihr hier.

Ein starkes Thriller-Debut hat die amerikanisch-irische Autorin Jax Miller vorgelegt. Ihren Roman Freedom’s Child kann ich Krimi- und Thrillerfans ans Herz legen.

Weiterhin konnte ich mit Peter Pan von James Matthew Barrie einen Klassiker beenden, der jetzt in einer wunderschön gestalteten Prachtausgabe, illustriert von Tatjana Hauptmann, bei diogenes erschienen ist. Die Rezension hierzu folgt in Kürze.

Die Maigret-Romane bei diogenes: Das Ende einer Ära?
Als begeisterter Leser der Romane von Georges Simenon war ich natürlich ein Fan der liebevoll gestalteten Neuauflage aus dem diogenes-Verlag. Maigret-Fans hatten endlich die Chance die fehlenden Lücken in der Sammlung zu schließen. Einige Titel waren bis zum Erscheinen der Neuausgabe nämlich gar nicht oder nur stark gekürzt und antiquarisch zu erhalten. Wie ich dann jetzt bei Wiederaufnahe der Simenon-Lektüre erschreckt feststellen musste sind die Romane derzeit nicht mehr lieferbar, einige antiquarische Bände der Neuedition sind mittlerweile nur noch zu Phantasiepreisen zu bekommen. Wie mir diogenes bestätigte, liegen die Rechte für die Romane (derzeit?) nicht mehr bei diesem Verlag. Das hat mich dann doch überrascht, für mich gehörten diogenes und Georges Simenon seit Jahrzehnten einfach zusammen. Gerade im Zuge der Neuverfilmungen einiger Maigret-Romane mit Rowan Atkinson wäre vermutlich mit einem erhöhten Absatz der Romane zu rechnen gewesen. Man kann nur hoffen, dass ein anderer Verlag bald mit einer Wiederveröffentlichung startet. Der eine oder andere Roman fehlt mir nämlich noch.

Bücher, über die man spricht

T.C. Boyle: Die Terranauten
Elena Ferrante: Die Geschichte eines neuen Namens
Hanya Yanagihara: Ein wenig Leben
Paul Auster: 4 3 2 1
(Klick auf die Titel führt auf die Verlagsseite)

Das dürften wohl die Bücher mit dem größten Hype-Faktor in diesem Frühjahr sein.

T.C. Boyle veröffentlicht glücklicherweise mit schöner Regelmäßigkeit vielbeachtete Romane und Die Terranauten war dann auch mein einziger Neuzugang im Januar. Glücklicherweise konnte ich sogar noch eine Karte für die Lesung des Autors im Rahmen der lit.cologne ergattern, ich bin gespannt. Eine Besprechung des Romans gibt es inzwischen auf dem Blog von readpack.

Elena Ferrante befeuert mit dem zweiten Band ihrer vierteiligen Buchreihe um zwei Freundinnen im Neapel der fünfziger Jahre das seit letztem Jahr grassierende „Ferrante-Fieber“. Mal schauen, wie lange ich mich dem noch entziehen kann. Besprechungen gibt es unter anderem auf dem Blog von Mara Giese buzzaldrins.de .

In den sozialen Netzwerken derzeit schwer angesagt ist der Roman von Hanya Yanagihara „Ein wenig Leben“. Der Roman war bereits in den USA ein Riesenerfolgt, aber auch die ungewöhnlichen Marketingideen des herausgebenden Hanser-Verlages tragen vermutlich zur starken Präsenz bei. Dieser hatte im vergangenen Jahr einigen Journalisten, Bloggern und Buchhändlern die Chance gegeben den Roman vorab zu lesen und hierzu eine abgeschiedene Hütte im Berliner Umland samt gefülltem Kühlschrank für jeweils drei Tage zur Verfügung gestellt. Erste Besprechungen gibt es unter anderem auf den Blogs literaturen  und nordbreze.

Das Erscheinen eines neuen Buches von Paul Auster ist immer eine kleine Sensation. Und wenn der stets an sich zweifelnde Autor von seinem neuesten Werk überzeugt ist, damit sein Opus Magnum vorgelegt zu haben, darf man gespannt sein. Mit 1264 Seiten auf jeden Fall ein Mammutwerk. Eine begeisterte Besprechung gibt es auf dem Blog von Jochen Kienbaum lustauflesen.de.

Literatur im Fernsehen

Das neue literarische Jahr eröffente im Fernsehen Denis Scheck mit seiner Sendung druckfrisch am 29.01.2016. Neben dem obligatorischen Kommentar zur aktuellen Spiegel-Bestsellerliste wurden folgende Bücher vorgestellt:

T.C. Boyle: Die Terranauten (sh. oben)
Mathias Enard: Kompass
Jonas Lüscher: Kraft

Die komplette Sendung gibt es in der Mediathek der ARD oder auf der Druckfrisch-Seite.

Pünktlich zum Erscheinen des neuen Romans von Paul Auster beschäftigte sich auch der Literaturclub des srf mit dem Roman. Auch das Buch von Jonas Lüscher wurde hier besprochen. Hier alle Titel der Sendung:

Paul Auster: 4 3 2 1
William H. Gass: Mittellage
Peter von Matt: Sieben Küsse
Jonas Lüscher: Kraft

Die komplette Sendung gibt es auf der Seite des srf-Literaturclub. Im deutschen Fernsehen wird die Sendung in 3sat am 12.02.2017 um 10.15 Uhr wiederholt.

Obwohl das Literarische Quartett im Januar noch Sendepause hatte, sorgte Maxim Biller dennoch für Schlagzeilen. Er verkündete für alle überraschend sein sofortiges Ausscheiden aus der Sendung. Er möchte sich künftig wieder mehr seiner Tätigkeit als Schriftsteller widmen. Bei den Zuschauern sorgte das für geteilte Meinungen, für einige war Biller derjenige, der mit seinem provokanten Auftreten erst richtig Schwung in die Sendung gebracht hat, andere begrüßten sein Ausscheiden und freuen sich jetzt wieder auf etwas sachlichere Diskussionen. Inzwischen wurde bekannt, dass die Schriftstellerin Thea Dorn seine Nachfolge antritt. Eine Entscheidung, die ich sehr begrüße, da mir auch die Sendung Literatur im Foyer , bei der sie vor einigen Jahren regelmäßig als Gastgeberin zu sehen war, sehr gut gefallen hat.

Der Deutsche Krimi-Preis

Auch dieses Jahr wurde zu Jahresbeginn wieder der Deutsche Krimipreis vergeben. Wer auf der Suche nach guten Krimis ist, liegt daher mit diesen Titeln bestimmt richtig. Eine Inhaltsbeschreibung sowie die Preisträger der letzten Jahre findet ihr auf der Seite des krimilexikon. Das sind die Preisträger 2017:

National

Max Annas: Die Mauer
Simone Buchholz: Blaue Nacht
Franz Dobler: Ein Schlag ins Gesicht

International

Donald Ray Pollock: Die himmlische Tafel
Liza Cody: Miss Terry
Garry Disher: Bitter Wash Road

Aus der Blogosphäre:

Auch im Januar gab es wieder reichlich Lesestoff von ganz vielen tollen Buchbloggern. Alle interessanten Seiten hier aufzuführen würde den Rahmen des Beitrags sprengen. Dennoch hier einige Tipps:

Tobias Nazemi vom sehr lesenswerten Blog Buchrevier hat letztes Jahr auf der Frankfurter Buchmesse ein vielbeachtetes Projekt vorgestellt, das unter anderem von Denis Scheck unterstützt wird:  Den Blogbuster-Preis. Fünfzehn Literaturblogs haben sich bereit erklärt bisher unveröffentlichte Manuskripte junger Autoren zu sichten und anschließend einen Sieger zu küren, dessen Buch dann im Herbst 2017 von Klett-Cotta veröffentlicht werden wird. Alle Infos zu dieser Aktion findet ihr auf der Seite vom Blogbuster-Preis. Einen ersten Zwischenbericht über die bei ihm eingereichten Manuskripte liefert unter anderem Gérard Otremba vom Blog sounds & books , den ich übrigens auch allen Musikliebhabern empfehlen kann.

Uwe Kalkowski vom Blog Kaffeehaussitzer wirft für die Zeitschrift Buchmarkt regelmäßig einen Blick auf die Literaturblogs. Seinen Rückblick für Januar findet ihr hier.

Der Blog von Mara Giese, buzzaldrins.de, ist auch immer einen Besuch wert. Die Januar-Artikel zum Roman von Jonathan Safran Foer „Hier bin ich“ sowie ihr Bericht  zum Kongress future!publish haben mir sehr gut gefallen.

Krimiliebhaber sollten auch unbedingt beim Blog WortGestalt von Philly Biblio vorbeischauen. Im Januar sehr lesenswert: die Kolumne von Krimi-Autor Martin Krist zu aktuellen Kriminalromanen „Kriminell Gelesenes“ . Außerdem eine Besprechung zu einem der Meisterwerke des Graphic Novel: Frank Millers‘ Sin City: Stadt ohne Gnade. Den meisten wohl aus der Verfilmung bekannt.

Wie immer sehr lesenswert: Die Kommentare zu aktuellen Krimi-Neuerscheinungen von Kritiker Thomas Wörtche, wie immer zusammengefasst auf dem Leichenberg.

Passend zur bald erscheinenden dritten Staffel der legendären Fernsehserie Twin Peaks stellt Janine Rumrich vom Blog kapri-zioes den Prachtband Die geheime Geschichte von Twin Peaks vor. Da ich gerade selber diese Serie nochmals schaue eine optimale Vorbereitung auf die neue Staffel.

Und sonst so?

Auf die verrückten Entwicklungen der Weltpolitik möchte ich hier nicht eingehen, aber mit der Nominierung von Martin Schulz als SPD-Kanzlerkandidat steht jetzt ein gelernter Buchhändler im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Das ist auch für den Czernin-Verlag eine glückliche Entwicklung, der die bisher einzige Biographie Martin Schulz – Vom Buchhändler zum Mann für Europa im Programm hat.

An dieser Stelle möchte ich auch noch auf eine interessante Aktion auf lovelybooks.de hinweisen. Der Februar steht dort ganz im Zeichen der Literaturblogger. Jeden Tag im Februar stellt ein Blogger seine ganz persönlichen Tipps zu einem bestimmten Thema vor. Dort findet bestimmt jeder Leser den ein oder anderen Tipp für sich.

Ein freudige Überraschung für alle literaturbegeisterten Menschen im Ruhrgebiet hielten die Veranstalter der lit.cologne bereit. Wie sie jetzt bekanntgaben, bekommt das Ruhrgebiet mit der lit.ruhr einen eigenen Ableger des sehr erfolgreichen Literaturfestivals. Vom 4. bis zum 8.10.2017 wird die erste lit.ruhr stattfinden, das Veranstaltungszentrum wird sich auf der Zeche Zollverein befinden, im Eröffnungsjahr werden außerdem Veranstaltungen in Bochum, Dortmund und Duisburg stattfinden. Wer weitere Informationen erhalten möchte kann sich auf der neuen Seite von lit.ruhr für einen Newsletter anmelden.

Das ist jetzt doch länger geworden als ursprünglich gedacht, dennoch möchte ich künftig regelmäßig einen Monatsrückblick veröffentlichen, da einige Themen zu kurz für einen eigenen Beitrag sind und ich auch leider nicht so oft zum bloggen komme wie gewünscht. Lasst mir gerne eure Meinung zur neuen Rubrik da, ich freue mich über jeden Kommentar.

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4 Comments

  • Reply Sonja Béland 4. Februar 2017 at 20:44

    Huhu,
    Die Bücher von Ferrante und ein wenig leben sind mir jetzt auch schon öfter aufgefallen. Beides entspricht nicht meinem derzeitigem Beuteschema, aber interessieren würde es mich doch. Vorerst stehen sie auf meiner wuli und irgendwann werden sie wahrscheinlich auch gelesen 🙂 vielleicht schaffst du es vor mir und dann musst du unbedingt berichten!
    LG Sonja

    • Reply Thomas 5. Februar 2017 at 11:48

      Hallo Sonja,
      werde ich machen, aber ich schätze bis dahin wird es hierzu noch eine ganze Menge Rezensionen auf anderen Blogs dazu geben. Die beiden Bücher werden glaube ich gerade von vielen Bloggern gelesen.
      Liebe Grüße
      Thomas

  • Reply WortGestalt 4. Februar 2017 at 22:32

    Hab vielen Dank für die Verlinkung! Freut mich sehr sehr sehr, dass du den Graphic-Novel-Beitrag auch erwähnst! 🙂

    Jax Miller steht bei mir noch ungelesen im Regal, das nehme ich dann mal als kleine Mahnung heute hier mit! 😉

    Dass du die Literatursendungen hier mit listest, finde ich klasse, danke für diese schöne Gedankenstütze!

    Viele liebe Grüße,
    Philly

    • Reply Thomas 5. Februar 2017 at 11:51

      Hallo Philly,
      gerne, ich schaue doch bei dir immer wieder gerne vorbei. Bei Jax Miller bastel ich gerade noch an der Rezension. Vielleicht bist du ja schneller als ich 😉
      Die Literatursendungen habe ich früher auch oft verpasst, deswegen hier als kleine Erinnerung, auch um später nochmal nachgucken zu können.
      Liebe Grüße
      Thomas

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