Monatsrückblick

Monatsrückblick März 2017

Der März stand bei mir ganz im Zeichen der Buchmesse, daher kommt mein Rückblick mit etwas Verspätung.

Meine gelesenen Bücher im März:

Patricia Highsmith: Leute, die an die Tür klopfen
H.G. Wells: Die Zeitmaschine
Tad Williams: Das Herz der verlorenen Dinge
Charles Bukowski: Das Leben und Sterben im Uncle Sam Hotel

In Leute, die an die Tür klopfen zeigt Patricia Highsmith wohin religiöser Fanatismus (in diesem Fall in Form von christlichen Sekten) führen kann und portraitiert anhand der Geschehnisse um den siebzehnjährigen Arthur Alderman und seiner Familie das Kleinstadtleben in der amerikanischen Provinz. Aktuelle Berichte zu den typischen Wählern Donald Trumps lassen den Roman aus dem Jahr 1983 erstaunlich aktuell erscheinen. Über weite Strecken mehr ein Coming-of-age-Roman als ein Highsmith-typischer Psychothriller, dennoch ein starker Roman aus dem Spätwerk der amerikanischen Autorin.

Einen Klassiker las ich diesen Monat mit Die Zeitmaschine von H.G. Wells. Der sehr kurze Roman überrascht weniger mit der den meisten Lesern wohl bekannten Handlung, als mit dem doch sehr pessimistischen Bild, dass Wells von der Menschheit der Zukunft zeichnet. Er würde sich wohl heutzutage gut mit T.C. Boyle verstehen, der ja auch eine nicht gerade positive Entwicklung der Menschheit voraussieht. Die neu übersetzte Ausgabe aus dem Fischer-Verlag enthält einige interessante Anhänge, die auch nochmals die Bedeutung des Romans für die Science-Fiction-Literatur betonen.

Sehr überrascht war ich, als ich davon hörte, dass Fantasy-Autor Tad Williams mit Das Herz der verlorenen Dinge einen Roman vorlegt, der als Bindeglied zwischen seinem wohl größten Erfolg, der Saga um das Geheimnis der großen Schwerter (Der Drachenbeinthron und drei Folgebände), und einer im Herbst diesen Jahres neu erscheinenden Trilogie, dienen soll. Die erste Saga hatte ich vor knapp zwanzig Jahren gelesen und diese Romane haben mich sehr beeindruckt. Die epische Geschichte um Simon und seine Gefährten, der sich im Laufe der Geschichte vom unbeholfenen Küchenjungen zum strahlenden Helden entwickelt, kommt für mich in der Qualität der Erzählung schon seinem großen Genre-Vorbild Der Herr der Ringe sehr nahe. Mir erschien es aber fraglich, ob mir nach so langer Zeit eine Rückkehr in das von Williams erschaffene Land Osten Ard gefallen würde. Ich wurde aber nicht enttäuscht, nach kurzer Zeit hat mich die Geschichte gefangen genommen, die aber aufgrund der vergleichsweisen Kürze natürlich nicht so ausufernd erzählt wird wie die Vorgänger. Meine Rezension könnt ihr hier nachlesen. Ich bin gespannt, wie die ersten Lesermeinungen zum offiziellen ersten Band der neuen Trilogie Die Hexenholzkrone ausfallen, der am 09.09.2017 erscheint.

Nach vielen Jahren habe ich mit der Sammlung von Kurzgeschichten Das Leben und Sterben im Uncle Sam Hotel  auch endlich mal wieder was von Chales Bukowski gelesen. In den stark autobiographisch geprägten Romanen und Geschichten des amerikanischen Kult-Autors geht es hautpsächlich um das (Über)Leben in den Randbezirken der amerikanischen Gesellschaft. Das Leben seiner Hauptperson dreht sich im Wesentlichen um Alkohol, Frauen und die zahlreichen wechselnden Gelegenheitsjobs. Das alles ist so direkt und gleichzeitig lakonisch erzählt, dass es auch heute noch den Leser direkt ins Herz trifft. Unbedingt lesenswert.

Schöne Zitate, die ich diesen Monat gefunden habe:

„Sehr einfach war meine Erklärung und durchaus einleuchtend – wie die meisten falschen Theorien!“ (H.G. Wells – Die Zeitmaschine)

„Falls ihr euch für Wahnsinn interessiert, euren oder meinen, dann kann ich euch ein bißchen was von meinem erzählen.“  (Charles Bukowski: Vier Wochen im Dichter-Bungalow)

„Und eines Abends, als wir am Trinken waren, sahen wir draußen vor unserem Fenster den Körper eines Mannes herunterfallen. Es war ein merkwürdiger Anblick, fast wie ein Witz, aber als er unten aufs Pflaster knallte, war es kein Witz mehr.“ (Charles Bukowski: Drei Frauen)

Bücher im Fernsehen

Kurz vor der Buchmesse haben die Kritikerrunden im Fernsehen die aus ihrer Sicht wichtigsten Neuerscheinungen besprochen und diskutiert. Mit besonderem Interesse wurde das literarische Quartett im ZDF erwartet, da Kritiker Maxim Biller überraschend seinen Rückzug aus der Sendung bekannt gegeben hatte. Seine Nachfolgerin Thea Dorn machte nach Meinung vieler Zuschauer ihren Job sehr gut, endlich ging es bei der Sendung wieder hauptsächlich um die Bücher und deren Inhalte und weniger um die Profilierung der einzelnen Kritiker.

Besondere Aufmerksamkeit bekamen die Bücher „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara und „Der Lärm der Zeit“ von Julian Barnes, die in mehreren Sendungen besprochen wurden. Hier alle besprochenen Bücher auf einen Blick:

Für alle, die sie verpasst haben verlinke ich hier nochmal die Sendungen in den entsprechenden Mediatheken der Sender:

Druckfrisch (ARD)
Das literarische Quartett (ZDF)
Literaturclub (SRF)
Lesenswert-Quartett (SWR)
Buchzeit (3sat)

Funstücke aus dem Netz

Vom 7. bis zum 18.3.2017 fand in Köln wieder das Literaturfestival lit.cologne statt. Leider sind die Karten für die interessantesten Veranstaltungen immer sehr schnell ausverkauft, daher habe ich dieses Jahr (bis auf die vorher stattfindende T.C. Boyle-Lesung, siehe separater Bericht) keine der Veranstaltungen besucht. Ein Highlight jedes Jahr ist der WDR5-Literaturmarathon, zu dem der WDR Zuschauer- und -hörer in den kleinen Sendesaal des WDR in Köln einlädt und wo zahlreiche Autoren und Moderatoren 24 Stunden lang Texte zu einem bestimmten Thema vortragen. Dieses Jahr ging es um das Thema „Reisen“ und man konnte die Veranstaltung erstmalig auch in einem Video-Livestream verfolgen. Einige Highlights kann man sich noch auf der Seite des WDR ansehen.

Im März war mit dem Indiebookday auch wieder der Feiertag für die unabhängigen Verlage und viele literaturbegeisterte Leser und Blogger haben uns wieder mit Tipps und Entdeckungen aus kleineren Verlagen überrascht. Unter dem Suchbegriff Indiebookday 2017 finden interessierte Leser zahlreiche Buchtipps. Stellvertretend für viele tolle Empfehlungen verlinke ich hier mal den Beitrag von Sarah Reul, die für ihren Blog Pinkfisch sogar ein eigenes Video für diesen Anlass gedreht hat – sehenswert!

Mein Highlight im März war natürlich der Besuch der Leipziger Buchmesse. Diesmal habe ich mir die vollen vier Tage Zeit genommen und das Lesefest dieses Jahr so richtig genossen. Meine Berichte findet ihr auf dem Blog, zu Teil 1 geht es hier entlang. Die am Sonntag stattfindende Konferenz Buchmesse:blogger sessions 17 war auch wieder interessant, richtet sich aber meines Erachtens hauptsächlich an Blogger-Neulinge. An dieser Stelle auch nochmal ein Dank an das Team von literaturcafe.de , die einige anwesende Blogger mit Foto und Link zum jeweiligen Kanal in einem extra Beitrag Buchbloggerinnen und Buchblogger erwähnt haben. Ich habe mich sehr gefreut auf der Messe den ein oder anderen buchbegeisterten Menschen zu treffen, den ich bisher nur aus dem Netz kannte. Ich hoffe, dass sich das auf den nächsten Events so fortsetzt.

Im Nachgang zur Buchmesse hat sich am Rande eine kleine Diskussion um die parallel stattfindende Manga- und Comic-Con entwickelt, die ja einen nicht unerheblichen Teil der Buchmesse (zumindest bei der Besucherzahl) ausmacht. SWR-Literaturredakteur Carsten Otte sieht die zunehmende Zahl der Besucher der Manga- und Comic-Con, die oft in aufwändigen Kostümen die Hallen besuchen, kritisch. Sein Artikel Kein Ort für nackte Hasen wurde erwartungsgemäß ziemlich aufgeregt in der Manga- aber auch in der Literaturszene diskutiert. Ich bin mir nicht sicher, ob diese Meinung in irgend einer Form repräsentativ ist, ich jedenfalls finde, dass die Cosplayer, Manga- und Comicfans ein fester Bestandteil der Leipziger Buchmesse sind und unbedingt dazu gehören. In vier Tagen Buchmesse habe ich keinen Messebesucher getroffen, der die Meinung von Carsten Otte teilt, mir drängt sich hier der Verdacht auf, dass ein einzelner Redakteur mal wieder hohe Klickzahlen mit einfacher Provokation generieren wollte. Eine sehr schöne Erwiderung findet sich in dem Artikel von Lena Falkenhagen von Tor-online Die Arroganz der grauhaarigen Männer: Warum Mangas Literatur sind… – unbedingt lesen!

Das nächste Veranstaltungshighlight ist für Buchblogger bereits im Juni. Nach dem Start im letzten Jahr gibt es auch dieses Jahr in Köln wieder die LitBlogConvention. Die Kölner Verlage Bastei Lübbbe, DuMont Kalenderverlag, Kiepenheuer & Witsch und der neu gegründete Verlag Community Editions bekommen dieses Jahr tatkräftige Unterstützung aus der Schweiz, denn der Diogenes-Verlag ist in diesem Jahr erstmals mit dabei. Die Karten sind mittlerweile ausverkauft, glücklicherweise konnte ich eine ergattern und so freue ich mich auf viele tolle Veranstaltungen und Blicke hinter die Kulissen der Verlage am 10.06.2017 in den Verlagsräumen des Bastei-Lübbe-Verlages. Das Problem wird wieder die Qual der Wahl sein, denn viele interessante Sessions werden wohl parallel verlaufen.  Unter anderem wird Lektorin Anna von Planta über ihre Arbeit mit John Irving berichten und die Autorinnen Rebecca Gablé und Shida Bazyar (Gewinnerin des Bloggerpreises für Autoren für ihren Roman Nachts ist es leise in Teheran, welcher vom Blog dasdebuet initiiert wurde) sind im Gespräch zu erleben.  Bloggerin Mara Giese (Literaturblog buzzaldrins) wird erklären wie Bücherblogs funktionieren und Torsten Woywod berichtet von seiner Buchhandlungsreise durch Europa. Das komplette Programm kann man unter dem o.g. Link abrufen.

Auch der Deutsche Buchpreis geht 2017 wieder in eine neue Runde. Am 29.03. endete die Ausschreibungsfrist und in diesem Jahr wurden von den Verlagen so viele Titel eingereicht wie nie zuvor. 106 Verlage schicken 174 Titel in das Rennen um den Siegertitel. Die, wie in jedem Jahr, neu zusammengesetzte Jury hat jetzt bis zum 15.08. Zeit sich durch die Bücher zu lesen und eine aus zwanzig Titeln bestehende Longlist zu präsentieren. Das ist die Jury des Jahres 2017:

v.l.n.r. Tobias Lehmkuhl, Maria Gazetti, Katja Gasser, Lothar Schröder, Silke Behl, Mara Delius, Christian Dunker. Foto: (c) Christina Weiß

Leider habe ich im März wenig Zeit gehabt um mich ausgiebig in der Blogosphäre umzusehen, dennoch hier ein paar Seiten die mir aufgefallen sind:

Der unbestritten am meisten diskutierte Roman des Frühjahrs dürfte eindeutig „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara sein, eine sehr ausführliche Analyse bietet das Magazin tell-review.de. Allen Zweiflern sei der Artikel Die Sprache der Überwältigung ans Herz gelegt.

13 Tipps für professionelle Rezensionen halten die Seitenbetreiber von clever-bloggen bereit. Daran muss ich mich wohl künftig auch stärker orientieren.

Mara Giese von buzzaldrins.de war wohl in diesem Jahr auf der Leipziger Buchmesse am nächsten an vielen interessanten Autoren dran. Sie durfte für ihren Blog exklusiv hinter die Kulissen des blauen Sofa (eine Gemeinschaftsproduktion von ZDF, Bertelsmann und Deutschlandradio Kultur) blicken und hatte einige der Autoren für Interviews zu Gast. Ihr Bericht Drei Tage auf dem blauen Sofa – ein Rückblick fasst ihre Erlebnisse zusammen und verlinkt die weiterführenden Berichte.

Ein interessantes Interview mit Andreas Platthaus (Ressortchef Literatur und Literarisches Leben bei der F.A.Z.) hat das boersenblatt geführt. Im Artikel Ich würde mir wünschen, dass mehr Kollegen bloggen spricht er über Literaturblogs und seine Tätigkeit als Comic-Blogger.

Können Literaturblogger auch klassische Verlags- und Lektoratsaufgaben übernehmen? Das wird seit letztem Jahr mit dem Blogbuster – Preis der Literaturblogger versucht. Autoren konnten bisher unveröffentlichte Manuskripte bei den teilnehmenden Bloggern zur Begutachtung einreichen, aus denen diese eine aus 15 Titeln bestehende Longlist zusammenstellten. Eine Fachjury stellt hieraus eine aus drei Titeln bestehende Shortlist zusammen, aus denen der Siegertitel ausgewählt wird. Dieser wird in Zusammenarbeit mit Klett-Cotta im Herbst 2017 veröffentlicht werden. Die Longlist und alle weiteren Informationen findet man auf der Seite des blogbuster-Preises.

Praktische Bloggerhilfe ist bei mir immer sehr willkommen, der Beitrag Fotohintergründe für eure Blogfotos vom Blog mupshimallow kam mir gerade recht und zufällig hatte ich davon vorher bereits etwas umgesetzt (siehe Beitragsfoto).

Einen umfassenden Blick auf die Buchblogs bietet allmonatlich Uwe Kalkowski (Blog Kaffeehaussitzer) für das Magazin Buchmarkt. In seinem Artikel Fundstücke aus den Literaturblogs sind wieder viele lesenswerte Artikel versammelt.

Philly vom Krimi-Blog WortGestalt bietet regelmäßig nicht nur die Krimikritik von Krimiautor Martin Krist, sondern mit der Kolumne Miss Marples Krimitipps auch weitere Buchempfehlungen, dort dann von der Berliner Buchhändlerin Cornelia Hüppe. Wie immer sehr lesenswert: Der Check des Krimi-Neuerscheinungen von Kritiker Thomas Wörtche im Leichenberg auf Kaliber38.de.

Das Jahr 2017 bietet auch wieder einige interessante Literaturverfilmungen. Fans von Stephen King bekommen direkt mehrere Verfilmungen geboten, im Sommer startet der erste Teil der Verfilmungen der Reihe um den Dunklen Turm. Bereits die zweite Verfilmung erlebt eines von Kings Meisterwerken. Mit „Es“ bekommen Fans im Herbst eine vielversprechende Film-Adaption zu sehen. Wer sich traut, kann sich hier den gut gemachten Trailer zum Film ansehen:

Gehört (Musik im März)

Für Fans der britischen Band Depeche Mode wie mich gab es am 17.03.2017 wieder einen Festtag, denn zu diesem Termin erschien das neue Album „Spirit“. Die ganz großen Ohrwürmer der Vergangenheit fehlen zwar, aber das überraschend düstere Album gefällt mir trotzdem außerordentlich gut. Anspieltipps: Die Single-Auskopplung Where’s the Revolution und No more (This Is The Last Time) . Eine ausführliche Besprechung gibt es auf dem Blog von Gérard Otremba Sounds & Books.

Ein Kontrastprogramm durfte ich am 12.03. in der Tonhalle Düsseldorf erleben. Die Symphonie Nr. 38 „Prager Sinfonie“ KV 504 sowie die Messe c-moll KV 427 von Wolfgang Amadeus Mozart boten ein beeindruckendes Hörerlebnis. Insbesondere die Messe erzeugte dank stimmgewaltiger Unterstützung durch den Chor des städtischen Musikvereins eine imposante Klangkulisse. Für Klassikliebhaber eine große Empfehlung. Eine Konzertkritik gibt es bei Peter E. Rytz Review Mozart Marriner gewidmet.

So, das waren meine Erinnerungen an den März. Was gab es bei euch interessantes zu berichten? Schreibt mir gerne in die Kommentare oder lasst Links zu euren Beiträgen da.

 

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