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Zur Neuauflage des literarischen Quartetts im ZDF

Und wieder heißt es: „…Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“

Seit dem 02. Oktober 2015 versucht sich das ZDF mit neuer
Besetzung an der Wiederbelebung des  legendären literarischen Quartetts.
Aber können Volker Weidermann, Christine Westermann und Maxim Biller sowie jeweils
ein Gastkritiker (in der ersten Sendung die Autorin Juli Zeh) die hohen
Erwartungen erfüllen?

Maxim Biller macht gleich zu Anfang klar, wofür er in dieser
Sendung engagiert wurde: Mit der Vermutung, dass sich Hellmuth Karasek „verabschiedet
hat…damit er diese Sendung nicht mehr sehen muss“ erfüllt er gleich die
Erwartungen, dass er hier der Bad Guy ist und dass er die Rolle des Reich-Ranicki-Nachfolgers
für sich beansprucht.
Das erste von Maxim Biller begeistert vorgestellte Buch „Der
dunkle Fluss“ von Chigozie Obioma stößt bei Christine Westermann und Juli Zeh nicht
auf dieselbe Euphorie. Frau Westermann missfällt die Übersetzung, Juli Zeh
meint, sie sei „nicht in der Lage, ein Buch gut zu finden, nur weil es ein
Nigerianer geschrieben hat.“  In der
anschließenden Diskussion versucht Biller den beiden Damen zu erklären, warum
sie das Buch nicht verstanden haben. Volker Weidermann gibt zu, dass er das
Buch ursprünglich abgebrochen habe, aber bei Lektüre für das Quartett die „Kraft
der Geschichte“ entdeckt hat.
Aber bevor die Kritiker richtig Gelegenheit haben, ihre
Meinungen zu begründen, heißt es auch schon:„Zack, wir müssen schon zum nächsten Buch kommen..“
Und das soll sich anschließend auch bei den weiteren Titeln
-„Macht und Widerstand“ von Ilija Trojanow
-„Träumen“ von Karl Ove Knausgard  und
-„Fieber am Morgen“ von Péter Gárdos
so wiederholen.
Für mich überraschend war Juli Zeh die einzige in der Runde,
die wirklich versucht hat, auf die Inhalte der besprochenen Bücher einzugehen
und die versucht hat, ihre Meinung über die Bücher –positive wie negative- nachvollziehbar
zu begründen.
Christine Westermann konnte einem als engagierte Leserin
schon fast leid tun. Dass die gestandenen, sogenannten „Literaturexperten“ die
sympathische Moderatorin als Kritikerin nicht so richtig ernst nehmen würden,
war schon vorher zu befürchten und genauso sind zumindest die beiden Herren der
Runde auch aufgetreten.
Volker Weidermann hatte als Moderator dennoch souverän die
Zügel in der Hand und fungierte hin und wieder als Schlichter.
Für den potentiellen Leser der Bücher und Zuschauer der
Sendung wird klar: in 45 Minuten ist es kaum möglich vier Bücher ausreichend
ausführlich zu besprechen und daher wird er sich wohl selber ein Urteil bilden
müssen.
Daher kann man in bester Reich-Ranicki-Tradition behaupten „Und
so stehen wir betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“
Man darf auf die nächsten Sendungen gespannt sein.
Glücklicherweise gibt es mit dem „Literaturclub“ des srf, dem „ lesenswert-Quartett“
des swr und „Druckfrisch“ in der ARD genügend Alternativen für alle Leser, die
etwas ausführlicher über Bücher informiert werden möchten.
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