Rezension

Dave Eggers: Der Circle

Titel: Der Circle
Autoren/Herausgeber: Dave Eggers
Übersetzer: Ulrike Wasel, Klaus Timmermann
Verlag: Kiepenheuer & Witsch

ISBN/EAN: 9783462046755
Originaltitel: The Circle

Seitenzahl: 560
Format: 20,5 x 12,5 cm
Produktform: Hardcover/Gebunden
Sprache: Deutsch
Link zur Verlagsseite 

Meine Wertung: 4 von 5 Sternen

Inhaltsbeschreibung von der Internetseite des herausgebenden Verlages
Kiepenheuer + Witsch:

„..Die 24-jährige Mae Holland ist überglücklich. Sie hat einen Job ergattert
in der hippsten Firma der Welt, beim »Circle«, einem freundlichen Internetkonzern
mit Sitz in Kalifornien, der die Geschäftsfelder von Google, Apple, Facebook
und Twitter geschluckt hat, indem er alle Kunden mit einer einzigen
Internetidentität ausstattet, über die einfach alles abgewickelt werden kann.
Mit dem Wegfall der Anonymität im Netz – so ein Ziel der »drei Weisen«, die den
Konzern leiten – wird es keinen Schmutz mehr geben im Internet und auch keine
Kriminalität. Mae stürzt sich voller Begeisterung in diese schöne neue Welt mit
ihren lichtdurchfluteten Büros und High-Class-Restaurants, wo Sterneköche
kostenlose Mahlzeiten für die Mitarbeiter kreieren, wo internationale Popstars
Gratis-Konzerte geben und fast jeden Abend coole Partys gefeiert werden. Sie
wird zur Vorzeigemitarbeiterin und treibt den Wahn, alles müsse transparent
sein, auf die Spitze. Doch eine Begegnung mit einem mysteriösen Kollegen ändert
alles …“.

Nach Lektüre dieses Romans ist meine Meinung hierzu sehr ambivalent. Ganz
offensichtlich verwendet hier Eggers alle Zutaten um einen augenscheinlich schlechten
Roman zu schreiben. Die Charaktere sind sehr einseitig dargestellt, die Sprache
ist extrem schlicht, selbst die Erzählperspektive wird zu keinem Zeitpunkt
aufgebrochen. Wir folgen im gesamten Roman der Heldin Mae Holland auf ihrem Weg
in das supercoole Unternehmen „Der Circle“ das so angesagt ist, dass dort nur
die Besten angestellt werden.

Damit tut sich ein weiterer großer Kritikpunkt auf: die anfangs so genialen
Innovationen, die der Circle entwickelt um die heutige Vernetzung und
Transparenz weiter zu erhöhen, nehmen schnell derartige Ausmaße an, dass
eigentlich jedem klar sein müsste, dass die Welt sich damit in den absoluten
digitalen Totalitarismus bewegt und alle Individuen ihre Freiheit verlieren
werden.  Warum das bei den Circle-Mitarbeitern, die ja die begabtesten
Menschen der Welt sein sollen, niemandem auffällt und auch im späteren Verlauf
zu  keinerlei Kritik führt bleibt ein Rätsel dieses Buches.

Die Hauptperson, Mae Holland, gehört auch zu dieser Elite, sie wird jedoch
sehr einfältig dargestellt. Zu keinem Zeitpunkt findet eine Reflexion über die
neue Welt statt.

Dennoch ist dieses Buch wichtig und verdient es gelesen zu werden, denn die
von Eggers geschilderte Zukunft ist keine ferne Utopie, sondern extrem nah
an unserer heutigen Realität. Dass die Gefahren der medialen Vernetzung
und der totalen Transparenz jetzt auch in Romanform vorliegen trägt vielleicht
dazu bei, dass sich auch Gruppen, die sich bisher nicht kritisch mit diesem
Thema beschäftigt haben in die Diskussion einsteigen. Insbesondere für Schüler
und junge Leser ist dieser Roman vermutlich sehr interessant.

Vielleicht hatte ja Eggers diese Zielgruppe im Visier, denn die Schlichtheit
des Romans und seiner Charaktere erinnert doch sehr an Bücher wie „Shades of
grey“ oder die „Twilight“-Reihe. Vielleicht muss man so schreiben um diese
Leserschaft zu erreichen.

Der Roman hätte eigentlich nur 2-3 Sterne verdient, als Diskussionsgrundlage
und einen eventuellen Einstieg in vertiefende Literatur bekommt er jedoch
trotzdem vier Sterne von mir.

Aus aktuellem Anlass habe ich hier auch eine Empfehlung, die sich meines Erachtens sehr gut für die weitere Beschäftiung mit dem Thema eignet:

 

Titel: Technologischer Totalitarismus
Autoren/Herausgeber: Frank Schirrmacher (Hrsg.)

Verlag: Suhrkamp
Ausgabe: 1., Originalausgabe

ISBN/EAN: 9783518074343

Seitenzahl: 283
Format: 20,1 x 12,7 cm
Produktform: Taschenbuch/Softcover
Gewicht: 320 g
Sprache: Deutsch
Link zur Verlagsseite

Das Buch habe ich zwar selber noch nicht gelesen, kann aber die sehr gelungene Besprechung vom Blog des Kaffeehaussitzers empfehlen.

Inhaltsbeschreibung von der Verlagsseite:

Die Digitalisierung aller Lebensbereiche verändert unsere
Gesellschaften ähnlich radikal wie die industrielle Revolution vor 200
Jahren: Internet-Konzerne sichern sich die Kontrolle über ganze
Branchen; Spähprogramme stellen das Recht auf informationelle
Selbstbestimmung infrage. Und wenn Google-Chef Eric Schmidt schreibt,
das Unternehmen wisse, wo wir sind, und könne mehr oder weniger sagen,
was wir gerade denken, werden endgültig die düstersten Voraussagen der
Science-Fiction Realität.
Angesichts dieser historischen Herausforderung ergriff Martin Schulz,
der Präsident des Europäischen Parlaments, im Februar 2014 mit einem
kämpferischen Appell in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung das
Wort. An der von Schulz angestoßenen Diskussion beteiligten sich
seither zahlreiche prominente Persönlichkeiten aus Wirtschaft,
Wissenschaft und Politik. Der Band enthält die Beiträge dieser längst
überfälligen Debatte.
Mit Texten von Mathias Döpfner, Hans Magnus Enzensberger,
Sigmar Gabriel, Sascha Lobo, Evgeny Morozov, Frank Schirrmacher, Eric
Schmidt, Juli Zeh und vielen anderen.

»Es ist höchste Zeit, sich dem Versuch einer Programmierung der Gesellschaft zu widersetzen.«

 

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4 Comments

  • Reply Franzi Schönbach 3. Dezember 2016 at 20:58

    Huhu. Mir ging es da vor allerm rückblicken ähnlich. ich fand die Personen auch unfassbar oberflächlich, das ganze sehr schlicht und Mae und die anderen wahnsinnig naiv. Erschreckend finde ich jedoch, dass es ja leider tatsächlich viele solch naive Menschen gibt, die so gar nicht über irgendwelche Konsequenzen nachdenken. Fand das Buch aber dennoch super, weil es eben sehr nah an unserer aktuellen Welt dran ist. Und danke für den Buchtipp, das schau ich mir direkt noch näher an! Finde das ein wahnsinnig spannendes Thema, wenn auch etwas creepy^^

    glg Franzi

    • Reply Thomas 5. Dezember 2016 at 19:28

      Hallo Franzi,
      ja, du hast Recht, nachdem ich ja noch nicht so lange auf Facebook und Co. unterwegs bin muss ich jetzt aber feststellen, dass es scheinbar wirklich viele so naive Menschen gibt – irgendwie erschreckend. Wenn der Autor diese damit erreicht ist das dann auch wieder gut.
      Liebe Grüße
      Thomas

  • Reply monerl 27. Februar 2017 at 17:15

    Hallo Thomas,

    ich kann deine Meinung absolut so unterschreiben. Ich habe letztendlich 3 Sterne vergeben und das auch nur wegen dem Schluss. Wenn du mal Zeit und Lust hast, kannst du ja bei mir nachlesen, was ich so geschrieben habe.

    GlG, monerl

    • Reply Thomas 1. März 2017 at 20:37

      Hallo Monerl,
      danke für dein Feedback, da schaue ich gleich mal vorbei.
      LG
      Thomas

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