Rezension

Patricia Highsmith: Salz und sein Preis / Carol

 „Carol. Roman einer ungewöhnlichen Liebe“

Carol-PosterPatricia Highsmith gehört zu meinen Lieblingsautorinnen und daher bin ich froh, dass sich noch einige Bücher von ihr auf meinem SUB befinden. Darunter auch „Salz und sein Preis“ oder wie der Titel einer früheren Veröffentlichung „Carol“.
Dies ist auch der Titel der Verfilmung aus diesem Jahr. Rooney Mara hat für ihre Darstellung der weiblichen Hauptrolle im Sommer den Preis für die beste Hauptdarstellerin bei den Filmfestspielen in Cannes gewonnen. Regisseur Todd Haynes erhält hierfür die Auszeichnug „Beste Internationale Literaturverfilmung“ der Frankfurter Buchmesse. Kinostart in Deutschland ist der 17.12.2015.
Da ich das Buch bisher nicht kannte, wollte ich es vor dem Film unbedingt noch lesen.

Der von Patricia Highsmith 1952 unter dem Pseudonym Claire Morgan veröffentlichte Roman handelt von der dramatischen Liebesbeziehung zwischen der jungen Bühnenbildnerin Therese Belivet und der älteren, aus wohlhabenden Hause stammenden, Carol Aird.

Die arbeitslose Bühnenbildnerin versucht sich mit einem Job in der Spielwarenabteilung eines Kaufhauses über Wasser zu halten. Sie lebt in einer lockeren Beziehung zu ihrem Freund Richard, der sich jedoch mehr von der Beziehung erwartet. Wahre Liebe scheint Therese nicht für ihn zu empfinden.
Als kurz vor Weihnachten eine Kundin das Kaufhaus betritt, ist es Liebe auf den ersten Blick.

„Ihre Blicke begegneten einander im selben Augenblick; Therese schaute von einem Karton auf, den sie öffnete, und die Frau wandte den Kopf, so daß sie Therese unmittelbar ansah. Sie war groß und blond, elegant und anmutig in dem weiten Pelzmantel, den sie mit einer in die Taille gestemmten Hand offenhielt. Ihre Augen waren grau, farblos, doch so eindringlich wie Licht oder  Feuer, und unter ihrem Bann konnte Therese den Blick nicht abwenden.“   (Seite 50/51)

Nach der ersten kurzen Begegnung kreisen Therese‘ Gedanken immerzu um die faszinierende Frau und sie versucht Kontakt zu ihr zu knüpfen, was ihr schließlich auch gelingt. Es dauerte eine Zeit, bis sie zu begreifen beginnt, dass ihre Gefühle von der frisch geschiedenen Carol erwidert werden.

Erschwert wird die Beziehung dadurch, dass Carol sich in einem Sorgerechtsstreit um die kleine Tochter mit ihrem Ex-Mann befindet. Als die beiden Frauen beschließen den Problemen  in ihrer Heimatstadt durch eine gemeinsame Autoreise durch Amerika zu entkommen, werden sie von einem Privatdetektiv verfolgt, der von Carols Mann beauftragt wurde um Beweise für diese „unmoralische“ Beziehung zu sammeln.

In der heutigen Zeit gehört eine solche Beziehung zur gesellschaftlichen Normalität, im prüden Amerika der 50er-Jahre war dies jedoch ein Tabubruch.
Die Szene der ersten Begegnung zwischen Carol und Therese geht auf ein eigenes Erlebnis von Patricia Highsmith zurück. Sie jobbte 1948, lange vor ihrem Durchbruch als Schriftstellerin, in der Spielwarenabteilung des Kaufhauses „Bloomingdale“ in Manhatten. Dort trifft sie eines Tages auf eine Kundin, die sie dermaßen stark beeindruckt, dass sie noch am selben Abend einen Entwurf zu einer Geschichte schreibt. Es sollte die Grundlage für ihren zweiten Roman bilden.

thepriceofsalzMit ihrem Erstling „Zwei Fremde im Zug“ (1950) war sie, nachdem Alfred Hitchcock die Filmrechte erworben hatte, praktisch über Nacht berühmt geworden. Eine Bekennung ihrer Liebe zu Frauen war zu diesem Zeitpunkt für sie unmöglich, so dass der Roman unter dem Pseudonym Claire Morgan veröffentlicht wurde. Erst 1990 bekannte sich Patricia Highsmith auch offiziell zu diesem Roman.

Auch wenn die „Suspense“-Stimmung, für die Patricia Highsmith so bekannt ist, in diesem Roman nur selten richtig zum Tragen kommt, führt doch die Liebe der beiden Frauen in dem speziellen gesellschaftlichen Umfeld der damaligen Zeit zu einer ganz besonderen Spannung.
Wird es ein Happy End geben oder wird die Geschichte dramatisch enden?
Alle Romane der damaligen Zeit, die das Thema gleichgeschlechtliche Liebe behandelten, endeten tragisch, so dass der / die Protagonisten von ihrem „Leiden“ kuriert wurden.
Als Highsmith den Roman schrieb erstellte sie zwei alternative Fassungen des Endes.

Wer wissen möchte, wie die Geschichte  ausgeht, sollte dies in dem sehr empfehlenswerten Roman nachlesen.

Nicht umsonst galt Claire Morgan lange als Ikone der lesbischen Frauenliteratur.

 

Daten der diogenes-Ausgabe:
Titel: Salz und sein Preis
Autoren/Herausgeber: Patricia Highsmith
Übersetzer: Melanie Walz

ISBN/EAN: 9783257064025
Originaltitel: The Price of Salt

Seitenzahl: 464
Format: 18,4 x 11,6 cm
Produktform: Hardcover/Gebunden
Gewicht: 401 g
Sprache: Deutsch
Link zur aktuellen TB-Ausgabe des diogenes-Verlag

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