Rezension

Rezension zu „Glas“ von Stephen King

Eine Liebesgeschichte in einem Western in einer Roadstory in
einer Fantasy-Welt in ….?

Bitte beachten:  bei dem Buch handelt es sich um Band vier der ursprünglich aus sieben Bänden bestehenden
Saga um den dunklen Turm. Wer die ersten Bände noch nicht gelesen hat, dies aber noch tun möchte, sollte hier nicht
weiterlesen.
Wer nach dem rasanten Ende von Band 3 „tot“  auf eine zügige Fortsetzung der Reise Richtung
dunkler Turm hofft, wird hier enttäuscht sein. Das Buch besteht im Wesentlich
aus einer Rückblende in Rolands Vergangenheit, in der wir unter anderem
erfahren wo er den dunklen Turm zum ersten Mal gesehen hat und was aus seiner
ersten und einzigen Liebe wurde.
Zu Beginn des Romans wird zunächst der Cliffhanger aus dem
vorherigen Band aufgelöst. Nachdem die Gefährten dem diabolischen Monorail Blaine
entkommen konnten, stellen sie fest, dass Zeit und Raum der Ankunftsstelle
nicht mehr dem ihrer Abfahrt entsprechen.

„Das ist nicht Kansas!“

 Sie scheinen in einem Kansas nicht lange nach Eddies
Verschwinden aus seiner Gegenwart angekommen zu sein.  Einem gefundenen Zeitungsausschnitt entnehmen
Sie, dass ein Großteil der Weltbevölkerung durch eine Supergrippe namens „Captain
Trips“ vernichtet wurde. Dies ist ein weiterer  Verweis in dieser langen Geschichte auf einen
anderen Roman von Stephen King „The Stand – Das letzte Gefecht“. Allerdings
stimmt nicht alles mit Eddies Welt überein, manche der herumliegenden
Autowracks sind von völlig unbekannten Herstellern, das örtliche Baseballteam hat
einen ganz anderen Namen. In der Ferne erkennen die Gefährten den Umriss eines
Schlosses, aber bevor sie die Reise fortsetzen möchten sie jedoch rasten und Roland nutzt die Gelegenheit
den anderen von seiner ersten Liebe und seiner ersten Begegnung mit dem dunklen
Turm zu erzählen.
Cover der amerikanischen Hardcover-Ausgabe
Nachdem Roland als vierzehnjähriger Teenager durch eine
Intrige des Beraters seiners Vaters zu einer viel zu frühen Mannbarkeitsprüfung
getrieben wurde, wird er zusammen mit seinen Freunden Cuthbert Allgood und Alain
Johns  in die weit entfernte Baronie Mejis
geschickt. Offiziell sollen sie dort eine Bestandsaufnahme aller Dinge
vornehmen, die dem Königreich im Kampf gegen den Revolutionär John Farson, den „guten
Mann“, helfen könnten.  Offensichtlich
möchten ihre Eltern aber lediglich ihre Kinder in Sicherheit wissen, da sie
einen Angriff Farsons auf das Zentrum von Gilead, dem  politischen und wirtschaftlichen Zentrum  von Rolands Welt, befürchten.
Bei ihrer angeblich harmlosen Mission stoßen die drei
allerdings schnell auf einige Ungereimtheiten und sie scheinen einer groß
angelegten Verschwörung auf die Spur zu kommen. Zu allem Unglück verliebt sich
Roland in Susan Delgado, die sich allerdings verpflichtet hat das Kind des Bürgermeisters
auszutragen.
Die Liebesgeschichte zwischen Roland und Susan sowie die
Untersuchung der Verschwörung machen den Großteil des Buches aus, von dem ich
hier nicht zu viel verraten möchte. Wie jedoch in den anderen Büchern bereits
angedeutet, wird es zu einem tragischen Ende kommen.
Fazit:
King ist ein großartiger Geschichtenerzähler, die Saga um
den dunklen Turm ist auch eine Hommage an die großen Geschichten der Weltliteratur.
Von König Artus bis Herr der Ringe finden sich viele Parallelen in diesem Werk,
im vorliegenden Band spielt auch der Zauberer von Oz eine gewisse Rolle. Auch bei
den Gebrüdern Grimm wurden mit der „Hexe“ Rhea  viele Anleihen gemacht.
Als Leser kann man nur hoffen, dass diese ganzen Andeutungen
dann im Verlauf der Geschichte auch zu irgendetwas führen, denn am Ende dieses
Romans sind wir der Lösung des Rätsels um den dunklen Turm nicht wirklich viel
näher gekommen.
King schreibt auch hier wieder gewohnt gekonnt sehr bildhaft
und beschreibt  Landschaft und die meisten Charaktere
sehr detailliert. Er hat keine Mühe die westernähnliche Landschaft vor dem
inneren Auge des Lesers entstehen zu lassen.
Auch wenn ich kein großer Leser von Liebesromanen bin wage
ich zu behaupten, dass dieses Genre eindeutig nicht zu Kings Stärken gehört.
Die Beziehung zwischen Roland und Susan nimmt im Roman einen großen Teil ein, dafür
ist mir jedoch gerade Susans Person nicht ausführlich genug beschrieben. Die
Beschreibung ihrer Gefühle ist mir etwas zu eindimensional.
Größter Kritikpunkt ist aber in meinen  Augen eindeutig die Länge des Romans. Gerade
im Mittelteil hätte man die Geschichte bestimmt um 200 Seiten kürzen können. Hier
zieht sich die Geschichte wirklich unnötig in die Länge um man benötigt etwas
Geduld um durchzuhalten.
Daher von mir knappe 4 von 5 Sternen.

 

Daten der Taschenbuchausgabe:

Titel: Glas

Autoren/Herausgeber: Stephen King
Übersetzer: Joachim Körber
Aus der Reihe: Der dunkle Turm

ISBN/EAN: 9783453875593
Originaltitel: Wizard and Glass – The Dark Tower IV
Originalsprache: Englisch
Seitenzahl: 992
Format: 18,7 x 11,8 cm
Produktform: Taschenbuch/Softcover
Sprache: Deutsch

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