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Deutscher Buchpreis

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Der Deutsche Buchpreis – Rückblick und Ausblick

Am 15. August 2017 ist es wieder soweit, mit der Veröffentlichung der Longlist geht der Deutsche Buchpreis wieder in die heiße Phase des Auswahlverfahrens. Zeit, einen kurzen Blick zurückzuwerfen und uns die diesjährige Jury anzusehen.

Im letzten Jahr ging es mir hauptsächlich darum, herauszufinden, ob die Titel der Longlist auch für den „normalen“ Buchleser (also die Leser, die sich nicht von Berufs wegen mit neuer deutscher Literatur beschäftigen) interessant sind. Obwohl ich bisher nur vier Titel (sowie die Leseproben der übrigen Bücher) der Longlist gelesen habe, kann ich sagen: Ja, die Auswahl hat meines Erachtens für fast alle Leser interessante Titel zu bieten. Von der leicht zu lesenden Autobiographie (Joachim Meyerhoff) über die durchaus auch für jugendliche Leser geeignete Dystopie (Thomas von Steinaecker) bis zum literarischen Experiment (Michelle Steinbeck) reicht die Bandbreite der nominierten Bücher. Alle Infos zur Longlist des letzten Jahres habe ich in meinem Artikel zusammengefasst, weitergehende Informationen und Leseproben gibt es direkt auf der Seite des Deutschen Buchpreis.

Rückblick auf 2016

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5 + 1 kurze Fragen an die Buchhändlerin: Zum Buchpreis und dem Buchhandel

Der Deutsche Buchpreis wurde unter anderem ins Leben gerufen, um die Aufmerksamkeit der Leser auf neue deutschsprachige Literatur zu lenken. Mich interessiert, ob dieses Konzept bisher aufgegangen ist, daher habe ich Buchhändlerin Christina Esch, Inhaberin der Düsseldorfer Buchhandlung Lesezeit hierzu ein paar kurze Fragen gestellt:

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Spielt der Deutsche Buchpreis in ihrer Buchhandlung und bei ihrer Kundschaft eine Rolle?

Ja. Wir haben doch einige Kunden, die sich für den Deutschen Buchpreis interessieren. Speziell dann natürlich für den Preisträger.

Haben die Titel der Longlist in den vergangenen Jahren eine spürbare Umsatzausweitung für ihre Buchhandlung gebracht?

Die Titel der Longlist machen sich im Umsatz nicht großartig bemerkbar. Erst der Preisträger wird dann in einer höheren Stückzahl verkauft. Wobei es auch da auf den Gewinner-Titel ankommt. Im letzten Jahr war die Begeisterung der Kunden doch sehr verhalten, was warscheinlich auch mit dem Umfang des Titels zu tun hatte.

Kennen Sie einen oder mehrere Titel der aktuellen Longlist? Können Sie bestimmte Titel empfehlen bzw. warnen Sie vor bestimmten Titeln?

Mein Favorit für den diesjährigen Preis ist „Hool“ von Philipp Winkler. Eine, wie ich finde, sehr ungewöhnliche Nominierung.

Haben Sie ein bestimmtes Buch, das sie gerne auf der Longlist gesehen hätten?

Nein.

Welchem aktuellen Buch, unabhängig vom deutschen Buchpreis, würden Sie mehr Aufmerksamkeit wünschen?

Spontan fällt mir keines ein.

Abschließend eine Frage speziell zum Buchmarkt in Düsseldorf: Mit der Schließung des Stern-Verlags musste die literarische Szene in Düsseldorf dieses Jahr einen großen Verlust verkraften. Müssen die Düsseldorfer sich weiterhin Sorgen machen um den stationären Buchhandel oder ist dieser mittlerweile im Kampf gegen die Internethändler gut aufgestellt?

Ich kann nur für unsere Buchhandlung sprechen. Wir machen uns keine großen Sorgen im Moment. Unsere Kunden sind sich sehr wohl bewusst, was es bedeutet, wenn immer mehr Käufe im Internet getätigt werden. Und sehr oft bekommen wir auch gesagt, was Sie so an uns schätzen. Das freut uns natürlich sehr und spornt uns an immer weiter zu machen und unseren Service weiter zu verbessern. Durch die Internetkäufe schließen ja nicht nur die Buchhandlungen, auch viele andere Geschäfte sind davon betroffen. Das sieht man ganz deutlich in Teilen der Innenstadt. Das Stadtbild ist hauptsächlich von Ketten geprägt, die man in jeder andere Stadt auch findet. Und wie lange sich diese, vor allem Bekleidungsgeschäfte, in Konkurrenz zu Zalando und Co. noch halten können, wer weiß. Wie sehen dann unsere Städte in der Zukunft aus?  Das ist allerdings ein Thema über das Sie einen ganz eigen Beitrag schreiben könnten, so viel gäbe es dazu zu sagen.

Sehr geehrte Frau Esch, vielen Dank für das Gespräch!

Alle Titel der Longlist gibt es natürlich in der Lesezeit (auch online-Bestellung möglich) oder dem Buchhändler eures Vertrauens.

Weitere Buchhändlerstimmen zum Buchpreis hat Sophie Weigand vom Blog Literaturen eingefangen den Artikel gibt es hier.

Wie sind eure Erfahrungen zum Deutschen Buchpreis? Spielt dieser unter euren Freunden, Bekannten eine Rolle und falls ihr Buchhändler seid: Ist der Buchpreis in eure Buchhandlung ein Thema? Lasst mir gerne eure Kommentare da.

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Der Deutsche Buchpreis 2016 – Update #1

Long- und Shortlist und was sich sonst noch so getan hat im Netz

Seit 20.09.2016 stehen die sechs Titel der Shortlist fest. Sowohl über diese Bücher, als auch über die übrigen Titel der Longlist wurde im Netz ausführlich berichtet. Trotzdem möchte ich hier nochmal alle wesentlichen Informatione zusammentragen. Zunächst möchte ich euch einige Seiten vorstellen, die Beschreibungen, Rezensionen und Informationen rund um den Buchpreis bereitstellen. Da wäre natürlich zunächst der Inernetauftritt des Deutschen Buchpreises selber, der wirklich sehr gut gemacht Informationen zu allen 20 Titeln zusammenträgt. Dort sind Inhaltsbeschreibungen, Cover und sogar Hörproben zu den einzelnen Büchern zu finden. Dort wird man auch fündig, wenn man Fotos der Autoren sowie die Links zu den Verlagen sucht. Zu den Titeln der Shortlist ist jeweils ein Kommentar der Jury enthalten.

Was mir als Blogger völlig unverständlich ist, ist die Tatsache dass auf der Internetseite des Buchpreises kein Hinweis oder eine Verlinkung zu den begleitenden „offiziellen“ Buchpreisbloggern zu finden ist. Wer hier also nicht dem Facebook-Account des Buchpreises oder des jeweiligen Blogger folgt, hat kaum eine Chance diese Seiten zu finden. Schade, denn ich bin mir sicher, auch die offiziellen Blogger stecken viel Zeit und Liebe in dieses Projekt (die Links zu diesen Bloggern findet ihr auch in meinem ersten Bericht zum Buchpreis hier).  So liegt die Vermutung nahe, dass diese Blogger wieder hauptsächliche nur für Blogger schreiben.

Man sollte sich daher auch unbedingt die Seite des von Mara Giese ins Leben gerufenen Buchpreisblog merken.  Dieser ist ein vom Börsenverein und dem Deutschen Buchpreis unabhängiger Blog, der jetzt und künftig Rezensionen, Informationen und allerlei Hintergrundmaterial zum Deutschen Buchpreis (und eventuell auch weiteren Buchpreisen) zusammenträgt. Für dieses Projekt haben sich die Blogs von buzzaldrins.de (Mara Giese),  Zeichen und Zeiten (Constanze Matthes), Pinkfisch (Sarah Reul),  Zeilensprünge (Gerrit ter Horst und Tabitha van Hauten),  54books (Tilman Winterling) und Das graue Sofa (Claudia Pütz) zusammengetan. Bisher sind dort schon einige lesenswerte Artikel erschienen, also unbedingt vorbeischauen.

Die Buchbloggerin sammelt auf ihrem Blog alle Rezensionen von Bloggern zu den Titeln der Longlist, dort wird man also auch fündig.

Malte Bremer (literaturcafe.de) fasst die Leseeindrücke der zwanzig Leseproben sehr treffend in einer fünfteiligen Reihe auf literaturcafe.de zusammen.

Einen Überblick über Besprechungen in den verschiedenen Presseorgane findet man wie immer bei perlentaucher.de.

Und hier sind sie: die Titel der Shortlist

Die Inhaltsbeschreibungen stammen von den jeweiligen Verlagen

Thomas Melle: Die Welt im Rücken

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«Wenn Sie bipolar sind, hat Ihr Leben keine Kontinuität mehr. Die Krankheit hat Ihre Vergangenheit zerschossen, und in noch stärkerem Maße bedroht sie Ihre Zukunft. Mit jeder manischen Episode wird Ihr Leben, wie Sie es kannten, weiter verunmöglicht. Die Person, die Sie zu sein und kennen glaubten, besitzt kein festes Fundament mehr. Sie können sich Ihrer selbst nicht mehr sicher sein. Und Sie wissen nicht mehr, wer Sie waren. Was sonst vielleicht als Gedanke kurz aufleuchtet, um sofort verworfen zu werden, wird im manischen Kurzschluss zur Tat. Jeder Mensch birgt wohl einen Abgrund in sich, in welchen er bisweilen einen Blick gewährt; eine Manie aber ist eine ganze Tour durch diesen Abgrund, und was Sie jahrelang von sich wussten, wird innerhalb kürzester Zeit ungültig. Sie fangen nicht bei null an, nein, Sie rutschen ins Minus, und nichts mehr ist mit Ihnen auf verlässliche Weise verbunden.»
Thomas Melle leidet seit vielen Jahren an der manisch-depressiven Erkrankung, auch bipolare Störung genannt. Nun erzählt er davon, erzählt von persönlichen Dramen und langsamer Besserung – und gibt einen außergewöhnlichen Einblick in das, was in einem Erkrankten so vorgeht. Die fesselnde Chronik eines zerrissenen Lebens, ein autobiografisch radikales Werk von höchster literarischer Kraft.

Link zur Verlagsseite

 

Bodo Kirchhoff: Widerfahrnis

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Reither, bis vor kurzem Verleger in einer Großstadt, nun in einem idyllischen Tal am Alpenrand, hat in der dortigen Bibliothek ein Buch ohne Titel entdeckt, auf dem Umschlag nur der Name der Autorin, und als ihn das noch beschäftigt, klingelt es abends bei ihm. Und bereits in derselben Nacht beginnt sein Widerfahrnis und führt ihn binnen drei Tagen bis nach Sizilien. Die, die ihn an die Hand nimmt, ist Leonie Palm, zuletzt Besitzerin eines Hutgeschäfts; sie hat ihren Laden geschlossen, weil es der Zeit an Hutgesichtern fehlt, und er seinen Verlag dichtgemacht, weil es zunehmend mehr Schreibende als Lesende gibt. Aber noch stärker verbindet die beiden, dass sie nicht mehr auf die große Liebe vorbereitet zu sein scheinen. Als dann nach drei Tagen im Auto am Mittelmeer das Glück über sie hereinbricht, schließt sich ihnen ein Mädchen an, das kein Wort redet, nur da ist …

Kirchhoff erzählt in seiner großartigen Novelle von der Möglichkeit einer Liebe sowie die Parabel von einem doppelten Sturz: in die Liebe, ohne ausreichend lieben zu können, und in das Mitmenschliche, ohne ausreichend gut zu sein. »Aber wo wären wir ohne etwas Selbstüberschätzung«, sagt der Protagonist Reither, um sich Mut zu machen für den ersten Kuss mit Leonie Palm, »jeder wäre nur in seinem Gehäuse, ein Flüchtling vor dem Leben.«

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Philipp Winkler: Hool

Winkler-Hool-SUJeder Mensch hat zwei Familien. Die, in die er hineingeboren wird, und die, für die er sich entscheidet. HOOL ist die Geschichte von Heiko Kolbe und seinen Blutsbrüdern, den Hooligans. Philipp Winkler erzählt vom großen Herzen eines harten Jungen, von einem, der sich durchboxt, um das zu schützen, was ihm heilig ist: Seine Jungs, die besten Jahre, ihr Vermächtnis. Winkler hat einen Sound, der unter die Haut geht. Mit HOOL stellt er sich in eine große Literaturtradition: Denen eine Sprache zu geben, die keine haben.

Einen so knallharten, tieftraurigen und todkomischen Debütroman hat es seit Clemens Meyers „Als wir träumten“ in Deutschland nicht mehr gegeben. Thomas Klupp

Winkler schreibt bewegend, kraftvoll und mit feinem Gespür für die Welt der Außenseiter. Denn eigentlich ist Heiko Kolbe ein hoffnungsloser Romantiker und seine Gewalt ein stummer Schrei nach Liebe. Moritz Rinke

Woher kommt die Wut, was tust du, wenn dir nichts geblieben ist? Verzweifelt, knallhart und voller Herz. HOOL leuchtet aus allen Wunden.

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Rezension

Thomas von Steinaecker – Die Verteidigung des Paradieses

„Solange ich schreibe, überleben wir.“ (Seite 155)

Der Deutsche Buchpreis hat bisher bei meiner Buchauswahl eher eine untergeordnete Rolle gespielt, dieses Jahr wollte ich mir bewusst die nominierten Bücher näher anschauen und die Leseproben haben meine Neugier auf einige Titel geweckt. Eine Dystopie hörte sich als Einstieg vielversprechend an, auf jeden Fall ist es für die Longlist ein eher ungewöhnliches Genre. Dass dieses Buch jedoch so viel mehr als Genreliteratur ist habe ich mit viel Freude bei der Lektüre dieses großartigen Romans herausgefunden.

Bereits das dem Roman vorangestellte Bibelzitat „Im Anfang war das Wort…“ lässt erahnen, dass den Leser ein Buch erwartet, bei dem es auch um die Bedeutung von Wörtern, Sprache und Literatur geht.

Deutschland in einer nicht allzu fernen Zukunft: Die schützende Ozonschicht um den Planeten hat sich aufgrund der Klimakatastrophe aufgelöst. Dörfer, Städte und Bevölkerung werden vor der lebensgefährlichen Strahlung von riesigen Schutzschirmen geschützt. Roboter haben einen Großteil der Arbeit übernommen, die Eliten bleiben in kleinen Luxusressorts unter sich. Continue Reading

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Der Deutsche Buchpreis 2016

Am 23.08.2016 ist es wieder soweit, die Longlist der Titel, die in das Rennen um den Deutschen Buchpreis 2016 gehen, wird veröffentlicht. Bevor ich unter die Buchblogger gegangen bin hat dieser Preis bisher für mich kaum eine Rolle gespielt. Dieses Jahr möchte ich mich jedoch etwas eingehender mit ihm beschäftigen und versuchen rauszufinden, ob die Bücher auch abseits des Fachpublikums funktionieren werden.

Das Wichtigste zum Buchpreis möchte ich hier gerne zusammenfassen.

Was ist der Deutsche Buchpreis?

Der Deutsche Buchpreis wurde vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels 2005 ins Leben gerufen und soll den besten deutschsprachigen Roman des Jahres auszeichnen. Der Autor des Siegertitels erhält 25.000 Euro, die anderen fünf Autoren der Shortlist jeweils 2.500 Euro.

Ziel war es unter anderem einen hochrangigen Literaturpreis für den deutschsprachigen Raum zu schaffen, ähnlich dem in England vielbeachteten Man Booker Prize, dort werden die ausgezeichneten Romane auch regelmäßig Publikumserfolge, was nach meinem Empfinden in Deutschland bisher nicht so recht gelungen ist.

Um den deutschen Buchpreis können sich Verlage aus Deutschland, Österreich und  der Schweiz mit jeweils maximal zwei Titeln bewerben, vorausgesetzt diese erscheinen zwischen Oktober des Vorjahres und bis September des Vergabejahres.

Die Jury

Um den Preis möglichst unabhängig und vielfältig zu machen wählt die Akademie Deutscher Buchpreis jährlich eine wechselnde Jury, die sich aus zwei Schriftstellern, vier Journalisten und einem literarischen Buchhändler zusammensetzt. Aus allen Einsendungen stellt die Jury eine 20 Titel umfassende Longlist zusammen, die im August veröffentlich wird. Hieraus werden sechs Finalisten ermittelt, die im September auf der Shortlist veröffentlicht werden. Die Bekanntgabe des Preisträgers erfolgt am Montag vor der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse.

2016

98 Verlage haben insgesamt 156 Romane eingereicht. Diese Jury wird über die Titel beraten:

Die Buchpreisjury 2016 (copyright Foto: Claus Setzer)

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